„Ein grenzenloser Optimist“

Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber blickt zurück auf das Jahr 2018

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Das Wetter passt: Andreas Weber scheint bei der Eröffnung von La Strada dem Himmel zu danken.

Rotenburg - Von Guido Menker. Mit dem bevorstehenden Jahresende ist es an der Zeit, beim Rotenburger Bürgermeister Andreas Weber (SPD) nachzufragen. Wie ist das Jahr aus seiner Sicht gelaufen? Womit war er zufrieden, womit nicht? Welche Pläne hat er für das kommende Jahr?

Herr Weber, 2018 – für Sie ein gutes oder eher schlechtes Jahr?

Andreas Weber: Das Jahr 2018 war ein sehr gutes Jahr mit einem Schönheitsfleck, den es aber noch zu bereinigen gilt.

Es ist in den vergangenen zwölf Monaten viel passiert. Woran denken Sie beim Blick zurück als erstes?

Weber: Zunächst denke ich daran, dass ich das siebte Mal Großvater geworden bin – ein großartiges Geschenk. Dann denke ich an die vielen Erfolge, die unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gemeinsam mit Bernadette Nadermann und mir gelungen sind: Da haben wir Gewerbegrundstücke verkaufen können, sodass im Gewerbegebiet in den kommenden Jahren weitere Arbeitsplätze entstehen werden. Als Krönung ist es gelungen, Thyssen-Krupp an Rotenburg zu binden. Davon werden auch andere Unternehmen in Rotenburg profitieren. Weiterhin haben wir über 60 Interessenten mit dem Kauf eines Eigenheimgrundstücks in Rotenburg und Waffensen zufriedenstellen können. Dazu werden jetzt elf Reihenhäuser gebaut und knapp 50 Wohnungen zusätzlich entstehen. Damit wird arbeitsplatznahes Wohnen für viele weitere Menschen möglich.

Los geht’s: Beim Stadtradeln ist der Bürgermeister (.) wieder mit von der Partie. 

An dieser Stelle drückt nach wie vor der Schuh: Es gibt zu wenig bezahlbaren Wohnraum in Rotenburg. Was kann die Stadt auch in den kommenden Jahren unternehmen, um die Situation zu entschärfen?

Weber: In jedem Wohngebiet, das neu entsteht, muss eine Mischbebauung zwischen Einfamilienhäusern und Geschosswohnungsbauten geplant und realisiert werden. Gleichzeitig müssen auch Grundstückseigentümer auf ihren freien Flächen Reihenhäuser oder Geschosswohnungen errichten. Nur so kann eine gute Durchmischung geschehen und eine Segregation vermieden werden. Dieses haben wir in den letzten Jahren in unseren Neubaugebieten konsequent verfolgt und durchgesetzt. In den Neubaugebieten entstehen zurzeit zu einem Drittel Wohnungen und zu zwei Drittel Eigenheime.

Wo sind denn künftig weitere Baugebiete möglich, in denen neben Einfamilien- auch Mehrgeschosshäuser entstehen können?

Weber: Schon 2019 müssen wir über weitere Baugebiete Entscheidungen treffen, die an der Soltauer Straße, an der Knickchaussee/Grafeler Damm oder auch im Bereich der Brockeler Straße noch liegen können. Zurzeit haben wir rund 190 Bewerber für die 80 Grundstücke an der Brockeler Straße, sodass der Bauwunsch ungebrochen ist und in Zukunft weiter bestehen bleibt.

Vielleicht befassen wir uns noch einmal kurz mit anderen Aspekten. Stichwort Kultur: Die zehnte Auflage von la Strada war prächtig. War das womöglich der letzte Straßenzirkus in Rotenburg?

Weber: Nein, das hoffe ich nicht und bemühe mich mit anderen zusammen, auch 2019 ein „La Strada unterwegs“ nach Rotenburg zu holen. Viele Helfer stehen bereit. Der Aufwand muss aber insgesamt und dazu das Kostenrisiko für die Kir reduziert werden. Dazu haben wir weitere Gespräche vereinbart, sodass die Tür noch nicht zugeschlagen ist.

Stichwort IGS: Die Integrierte Gesamtschule wird zunächst keinen Antrag auf Einrichtung einer Oberstufe stellen. Der Stadtrat hat das abgelehnt. Ist das Thema damit endgültig vom Tisch?

Weber: Nein, bestimmt nicht. Das Thema wird so lange präsent bleiben, solange die IGS eine IGS bleiben soll. Eine IGS ohne Oberstufe ist wie ein Haus ohne Dach. Das funktioniert einfach nicht. Lehrer, Schüler und Eltern werden weiterhin daran arbeiten, die Politik von dem Erfordernis einer Oberstufe zu überzeugen, was ihnen gewiss auch gelingen wird.

Stichwort Finanzen: Zuerst sah es mit Blick auf die Haushaltsberatungen eher kritisch aus. Jetzt ist der Haushalt ausgeglichen - und wird voraussichtlich am Donnerstag verabschiedet. Alles gut also?

Weber: Wir haben eine gute Prognose für die kommenden Jahre. Gut ist es aber noch nicht, weil wir zusätzliche Anstrengungen beim Erhalt unserer Straßen-, Kanal- und Bausubstanz aufwenden müssen und zu erwarten ist, dass sich die gute Konjunktur in den kommenden Jahren abschwächen wird. Wir müssen also weiterhin wachsam sein und dürfen nicht über unsere Verhältnisse leben. Deshalb darf es auch keine unvernünftigen Investitionen geben. Darauf werde ich weiterhin achten. Genauso darauf, dass wir uns kontinuierlich weiter entschulden.

Der Blick zurück ist das eine, der nach vorne das andere. An welchen Stellen hat die Stadt in diesem Jahr aus Ihrer Sicht wichtige Weichen für die Zukunft stellen können?

Weber: Wichtige Weichen wurden im Hinblick auf die Kinderbetreuung in den Krippen und Kitas gestellt, dass an der Werkstraße, Wallbergstraße und Brockeler Straße zusätzliche 130 Plätze geschaffen wurden oder gerade geschaffen werden. Weiterhin haben wir für die IGS die 8. und 9. Klassenstufe neu bauen können, eine Mensa für die Schule am Grafel in Betrieb genommen und eine Mensa für die Stadtschule bereits halb fertig. Damit sind wichtige Grundlagen für eine bessere Ganztagsbetreuung ermöglicht und die Platznot in den Schulen gelindert.

Eine wichtige Aufgabe wird auch die Integration der Flüchtlinge bleiben. Wie ist da aus Ihrer Sicht der Stand der Dinge?

Weber: Viele Flüchtlinge sind in der Zwischenzeit wegen der guten Infrastruktur mit der Volkshochschule, BBS und Einkaufsmöglichkeiten nach Rotenburg gekommen und haben eigene Wohnungen bezogen. Jetzt geht es darum, so schnell und gut wie möglich die deutsche Sprache zu erlernen, um sich schließlich in den Arbeitsprozess zu integrieren. Mehr als 100 ehemalige Flüchtlinge haben heute schon Arbeits- und Ausbildungsplätze gefunden, beispielsweise in den Bereichen Pflege, Küche, Handwerk – ja sogar als Arzt im Diakonieklinikum. Weitere werden uns helfen, den Fachkräftemangel zu reduzieren.

Es gibt auch Wünsche aus anderen Bereichen. Was wird in Sachen Kino passieren? Wann bekommt Rotenburg eine Disco? Wie geht es mit dem Neuen Markt weiter?

Weber: Kino und Disco sind von privatem, unternehmerischem Engagement abhängig. In Sachen Kino sind wir weiterhin in Gesprächen mit Grundstückseigentümern und Kino-Betreibern, die immer noch ein Interesse haben, ein großes Blockbuster-Kino in Rotenburg zu betreiben. In Sachen Disco unterstützen wir den mutmaßlichen Veranstalter nach Kräften, da müssen aber noch einige Hürden überwunden werden, bis das möglich wird. Die Weiterentwicklung des Neuen Marktes sollte so lange geschoben werden, bis der Kreisel und die neue Verkehrsführung am Sande und Harburger Straße vorhanden sind.

Sie sind mittlerweile auch mit einem Elektrofahrrad in der Kreisstadt unterwegs. Wollen Sie damit ernsthaft auch am Stadtradeln teilnehmen?

Weber: Fahrradfahren ist einfach gesund und macht unglaublich viel Freude! Mit elektronischer Unterstützung wird der Lifestyle noch interessanter. Wir werden in 2019 Ende Mai/Anfang Juni das fünfte Stadtradeln durchführen und hoffen auf über 1 200 Teilnehmer und über 200 000 gefahrene Kilometer. Dabei ist es völlig egal, ob man mit dem normalen Rad oder dem E-Rad fährt. Hauptsache, es macht Freude, man macht es mit mehreren zusammen und vermeidet unnötige Autofahrten.

Stadtradeln ist ein gutes Stichwort: Wie geht es mit dem Aus- und Neubau von Radwegen weiter?

Weber: Wir werden den Sandhasenweg weiter komplettieren, das Wohngebiet „Siedlung Luhne“ und das Gewerbegebiet mit der Bremer Straße verbinden sowie die alte Bahnstrecke von Rotenburg nach Brockel zusammen mit den Gemeinden Hemsbünde, Brockel und der Samtgemeinde Bothel auf den Weg bringen. Die Projektplanung läuft bereits in der Federführung der Samtgemeinde Bothel.

Worauf freuen Sie sich für 2019?

Weber: Ich freue mich schon jetzt auf die vielen guten Entscheidungen im Rat, die auch im kommenden Jahr vielfach einstimmig Rotenburg voranbringen. Ich freue mich bereits über die weihnachtlichgeschmückte Rotenburger Innenstadt und den Weihnachtsmarkt in der neuen Form. Und natürlich würde ich mich für Rotenburg sehr, sehr freuen, wenn die Oberstufe der IGS schließlich doch Realität wird. Die vielen zufriedenen Blicke der Kinder bei den Einweihungen der Stadtschulmensa und der Kita „Brockeler Straße“ gemeinsam mit Matthias Richter. Ja – und dann steht der erste Spatenstich mit Thyssen-Krupp ins Haus, den wir dann ordentlich feiern werden.

Worauf freuen Sie sich im kommenden Jahr eher weniger?

Weber: Ich gehe sehr zuversichtlich in das Jahr 2019, habe daher keinerlei Befürchtungen – ich bin halt ein grenzenloser Optimist.

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