Rotenburgs Außenstellenleiter Jürgen Schulz zum Mitgliederschwund beim Weißen Ring

„Wir müssen gegensteuern“

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Jürgen Schulz, Außenstellenleiter des Weißen Ring für den Kreis Rotenburg.

Rotenburg - Von Wieland Bonath. Der Weiße Ring sorgt sich um seine Zukunft. Auch in Rotenburg verzeichnet der gemeinnützige Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und seinen Familien einen steten Mitgliederschwund. Im Interview spricht Jürgen Schulz, Außenstellenleiter für den Kreis Rotenburg, über mögliche Gründe.

Herr Schulz, Sie und andere Mitarbeiter wollen Kriminalitätsopfern und deren Familien helfen. Ist dieses Angebot des Weißen Ring aufgrund fehlender Ehrenamtlicher gefährdet?

Jürgen Schulz: Ich würde es gerne so formulieren: Gegenwärtig verfügt die Außenstelle für den Landkreis Rotenburg über sechs ehrenamtliche Mitarbeiter, die die anfallenden Opferfälle engagiert bearbeiten. In diesem Bereich sehe ich momentan keinen Bedarf. Besorgniserregend ist aber die stetig sinkende Zahl der Mitglieder. Diese leisten durch ihre Beiträge einen wichtigen Baustein für die Finanzierung unserer Satzungsziele. Hier müssen wir dringend gegensteuern.

Die Zahl der Straftaten hat zugenommen. Laufen Bürger vermehrt Gefahr, allein gelassen zu werden?

Schulz: Die Anzahl der registrierten Straftaten liegt laut polizeilicher Kriminalstatistik in den vergangenen Jahren relativ konstant bei etwa 10000. Das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen hat sich allerdings in der Vergangenheit, auch bedingt durch die Berichterstattung in den Medien, verändert. Ich sehe für den Landkreis Rotenburg keine Gefahr, dass die Bewohner weder durch professionelle Polizeiarbeit noch durch qualifizierte Opferarbeit durch den Weißen Ring allein gelassen werden. Wir werden uns auch weiterhin für die Kriminalitätsopfer einsetzen.

Wie sind Ihre Zahlen in Rotenburg?

Schulz: In den vergangenen Jahren haben wir je rund 50 Menschen beziehungsweise Familien geholfen, die schuldlos von Kriminalität geschädigt wurden.

In welchen Fällen können Hilfesuchende Unterstützung in Anspruch nehmen?

Schulz: Wir leisten staatlich unabhängig und transparent unter anderem Hilfe in Form von menschlichem Beistand und persönlicher Betreuung nach einer Straftat, begleiten zu Gerichtsterminen, helfen bei Behördengängen, leisten gegebenenfalls finanzielle Unterstützung bei tatbedingten Notlagen und betreiben ein bundesweites Opfer-Telefon.

Der Weiße Ring hat auf Bundesebene zurzeit rund 3000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sowie etwa 50000 Mitglieder. Zahlen, die sich teilweise fast halbiert haben. Wie sieht es im Landkreis Rotenburg aus?

Schulz: Auch für den Landkreis Rotenburg ist ein Rückgang der Mitglieder zu verzeichnen. Die Menschen, die vor allem die ideellen Ziele des Vereins durch ihre Mitgliedsbeiträge unterstützen, ist auf etwa 100 gesunken. Gründe hierfür sind unter anderem der demografische Wandel in unserer Gesellschaft, aber auch finanzielle Aspekte. Dabei beträgt der Mitgliedsbeitrag des Weißen Ring nur 2,50 Euro monatlich; Jugendliche zahlen 1,25 Euro. Ich denke, das sind Beträge, die für jeden erschwinglich sind. Jeder kann zu jeder Zeit Opfer einer Straftat werden und kann dann auf professionelle Hilfe durch uns angewiesen sein. Die Mitgliedschaft im Weißen Ring ist jedoch nicht Voraussetzung für eine Hilfe unsererseits.

Wie finanziert sich der Weiße Ring, und bei wem können sich interessierte Ehrenamtliche melden?

Schulz: Der gemeinnützige Verein finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden, Zuweisungen von Gerichten und Staatsanwaltschaften sowie in steigendem Maße aus Erbschaften. Als neues „Standbein“ ist die Weißer-Ring-Stiftung hinzugekommen. Was die Zahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter betrifft: Zurzeit haben wir genügend Ehrenamtliche.

Machen Sie sich Sorgen um eine künftige wirksame Hilfe für betroffene Bürger?

Schulz: Ich denke, dass es in der gegenwärtigen außergewöhnlichen Situation in unserem Land besonders wichtig ist, auch diejenigen nicht zu vergessen oder zu benachteiligen, die in anderen Bereichen auf ehrenamtliche Hilfe angewiesen sind. Die Pflicht zur Mitmenschlichkeit auf allen Gebieten ist meiner Meinung nach unabdingbar für ein stabiles soziales Gefüge und ein friedliches Miteinander aller Mitmenschen.

Der Weiße Ring Rotenburg ist zuständig für die Kreisstadt und den gesamten Landkreis. Zu erreichen unter der Telefonnummer 04261/83894 oder per E-Mail an weisser-ring.rotenburg@t-online.de.

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