Jens Bülthuis zur Afrikanischen Schweinepest /Probleme in Biogasanlagen

Die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen

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Jens Bülthuis 

Rotenburg/Neuenkirchen - Von Henning Leeske. „Große Angst habe ich vor den wirtschaftlichen Folgen, wenn die Afrikanische Schweinepest bei uns ausbricht“, sagt Dr. Jens Bülthuis vom Veterinäramt in Rotenburg. Laut mehrerer Studien hätte die ASP volkswirtschaftliche Folgen für Niedersachsen zwischen vier und 22 Milliarden Euro, für ganz Deutschland sogar rund 100 Milliarden Euro.

Landwirte, Züchter und die Behörden betrachten die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Osteuropa mit Sorge. Die Viruskrankheit ist bislang unter anderem in Polen, im Baltikum, Moldawien, Rumänien, Tschechien, Russland und zuletzt auch in Ungarn ausgebrochen. Für Menschen ist sie ungefährlich, führt aber bei Haus- und Wildschweinen in der Regel zum Tod. Es gilt als ziemlich wahrscheinlich, dass in Deutschland positive Fälle zumindest auch bei Wildschweinen auftreten werden. Die Frage sei nicht mehr, ob die ASP komme, sondern wann.

Darüber muss auch Veterinär Bülthuis derzeit immer wieder berichten – wie jüngst auf einer Infoveranstaltung des Kuratoriums für Wirtschaftsberatung im Landkreis Heidekreis. Vor Landwirten und Jägern sagte er: „Den Ursprung hatte die ASP 1928 in Kenia, wo Warzenschweine den Erreger tragen und dagegen resistent sind.“ Über Georgien sei der Keim dann 2007 auf das europäische Festland gelangt. „Alleine, als 2014 der erste ASP Fall in Litauen und in der EU bekannt wurde, fiel bei uns der Schweinepreis um 20 Cent. Wenn wir in Deutschland einen ASP-Fall haben, hat das Fleisch unserer Mäster einen Makel, obwohl der einzelne Produzent überhaupt nix dafür kann und seine Tiere gesund sind. Trotzdem werden viele Länder einen Importstopp für deutsches Schweinefleisch verhängen.“, sagte er. So geschehen sei es, als auf einer nordfriesischen Hallig das Geflügel krankheitsbedingt verendete, weil trotz der sehr isolieren Lage des Bauernhofes und der wenigen Dutzend Tiere Japan und Südkorea umgehend ein Importverbot für deutsches Geflügelfleisch verhängten. „Die Krankheit macht uns nicht kaputt, aber die wirtschaftlichen Folgen.“, so Bülthuis. Der bedeutende chinesische Exportmarkt würde sehr schnell wegbrechen, aber auch außerhalb der Fleischindustrie gäbe es weitflächige Auswirkungen.

Noch ist Deutschland nicht von der Afrikanischen Schweinepest betroffen. Alle Experten gehen jedoch davon aus, dass das noch geschehen wird. 

„Wenn Sie Seuchengülle in ihrer Biogasanlage haben, dann können Sie dem Stromabnehmer schon mal sagen, dass länger nix kommt. Sie müssen die ganze Anlage desinfizieren, und das kann dauern“, so Bülthuis. Also würde selbst der Energiesektor beeinträchtigt werden und die vielen Biogasanlagebetreiber der Region vor große logistische Herausforderungen stellen. Zurzeit werde an einem Forschungsprojekt mit einem harmlosen Testkeim untersucht, welche Auswirkungen ein solcher Keim in einer Biogasanlage hätte. „Wir müssen wissen, was für den Fall der Fälle passiert“, stellte Bülthuis klar. Dieses Projekt werde gerade ausgearbeitet.

Außerdem gäbe es ein Ernteverbot im Sperrbezirk eines nachgewiesenen ASP-Falls. Bülthuis bestätigte, dass das alle landwirtschaftlichen Produkte beträfe. Sogar die Forstwirtschaft wäre beeinträchtigt, weil das im Sperrbezirk vorhandene Schwarzwild durch Holzeinschlag nicht vertrieben werden solle. Auch deswegen bestünde im Sperrbezirk für 21 Tage absolutes Jagdverbot. „Wir müssten das Schwarzwild einfach an der ASP sterben lassen, ohne dass es den Erreger noch verbreiten kann“, so der Tierarzt. Der ASP-Keim sei nämlich hochansteckend und extrem überlebensfähig. „Auch in der Kernzone beim Tschechischen Zlin konnte die Seuche trotz Umzäunung und anschließender Bejagung von 800 verbleibenden Wildschweinen nicht getilgt werden.“, sagte er.

Der ASP-Keim würde vor allem durch Menschen verbreitet. Zum Beispiel in einer mitgebrachten Salami eines Saisonarbeiters oder Lkw-Fahrers halte sich der Erreger bis zu sechs Monate. Weiter bildeten die Schweine in Europa keine Antikörper gegen die ASP, und deswegen sei auch keine Impfung möglich. Ohne den menschlichen Faktor würde die ASP noch zwölf bis 15 Jahre brauchen, um von Ostpolen oder Tschechien hier anzukommen, da die Wildschweine die Seuche zwar übertragen, aber keine „Feuerwalze“, wie bei anderen Tierkrankheiten, übers Land laufe. Deswegen äußerte er sich kritisch gegenüber Abschussprämien für Wildschweine: „Prävention durch Information und kostenlose Sammelstellen für Wildaufbruch und tote Wildschweine wären viel besser.“

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