MEIN BUCH UND ICH Elisabeth Epp schreibt von Enkeln inspiriertes Kinderbuch

Eine Reise in die Steinzeit

Elisabeth Epp präsentiert ihr Kinderbuch.
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Ein Ausflug mit ihren Enkeln brachte Elisabeth Epp auf die Idee, daraus ein Kinderbuch zu machen.

Ein Ausflug mit ihren Enkeln hat Elisabeth Epp zu einem Kinderbuch inspiriert. Darin erzählt sie, wie ein Junge sich in seinem Traum in die Steinzeit zurückversetzt fühlt. Es ist nicht das erste Buch der Rotenburgerin und wenn es nach ihr geht, auch nicht das letzte.

Rotenburg – „Das ist was für Kinder! Ich möchte nicht mit!“ – Diesen Satz hören Eltern und Großeltern von ihren Heranwachsenden oft. Auch Elisabeth Epp, mittlerweile mehrfache Großmutter, kennt es, wenn Handy und Computer anziehender wirken als ein Ausflug. Wenn der aber überraschenderweise doch toller ist als gedacht, entstehen nicht nur schöne Erinnerungen, sondern diese landen in Epps Fall sogar in einem Kinderbuch: „Enrico in der Steinzeit“.

Die Rotenburgerin fährt oft nach Heide in Schleswig-Holstein zu ihrer Tochter. Auf der Autobahn kommt sie dabei an der Abfahrt Albersdorf vorbei – und damit am Verweis auf den Steinzeitpark Dithmarschen. „Ich habe oft gedacht, dass es schön wäre, dort hinzufahren“, sagt die Biologie- und Chemielehrerin, die sich sehr für Geschichte interessiert. Ein paar ihrer an der Nordsee lebenden Enkel sind von der Schule aus bereits dort gewesen. Also beschließt Epp, den Gedanken in die Tat umzusetzen und fährt selber hin. Sie ist begeistert von den geschichtlichen Fakten und ihrer Darstellung und macht nochmal einen Ausflug mit drei Enkelsöhnen aus Niedersachsen.

„Der Park ist lehrreich, man kann viel machen, Speer werfen, Boot fahren oder Flint bearbeiten“, erzählt Epp. Doch einer ihrer Enkel mag nicht mitfahren – ist doch stinklangweilig! So entsteht später die Idee zu „Enrico“ und dem Buch. Mit Oma und den Cousins in einen ollen Steinzeitpark? Ne, da möchte Enrico lieber am Computer sitzen! Allerdings ist da noch sein älterer Bruder. Der weiß genau, dass Enrico erst mosert, letztlich aber so viel Spaß wie die anderen hat. Also schlägt er ihm eine Wette vor: Sollte der Urlaub langweilig werden, darf Enrico täglich zwei Stunden auf seiner Playstation spielen. Das überzeugt den Jungen. Entgegen seiner Erwartungen ist er jedoch fasziniert. So nachhaltig, dass er sich nachts in seinem Traum zurück in die Steinzeit versetzt glaubt – und das Leben der Kinder im Neolithikum hautnah miterlebt.

Epp setzt sich nach dem Besuch hin und schreibt einfach drauf los. Sie recherchiert, fragt Spezialisten aus dem Park und erhält Kontakt zu Rüdiger Kelm. Der Prähistoriker beantwortet ihre Fragen, liest sich ihre Geschichte durch und gibt Tipps. „Es soll alles stimmig sein in der Steinzeit, ich wollte da nicht zu viel meine Fantasie spielen lassen“, erklärt die gebürtige Russin. Über einen Wettbewerb kommt sie im Herbst vergangenen Jahres ins Gespräch mit dem Pohlmann Verlag, der ihr Buch veröffentlicht. „Ich hatte an einer Ausschreibung teilgenommen, da sollte man kurze Geschichten, die ein Rezept enthalten, einreichen.“

Das Kinderbuch ist nicht Epps erstes Werk. Sie hat einen Band mit Kurzgeschichten sowie das Buch „Das Mädchen, das niemals spielen durfte“ herausgebracht. Letzteres ist auf Plautdietsch und Hochdeutsch verfasst. Plautdietsch ist eine Art des Niederdeutschen, die Sprache der russlanddeutschen Mennoniten. Die Sprache ist durch Migrationswellen in Teilen Kanadas sowie Südamerikas verbreitet, erklärt Epp – ein Thema, über das sie ebenfalls viel erzählen kann.

Die Rotenburgerin kommt selbst aus einem „plattdeutschen Dorf“, wie sie sagt – überall wurde Platt gesprochen, im Laden, Zuhause. In der Schule ist aber Russisch gefordert – selbst in den Pausen wird darauf streng geachtet. „Ich hatte eine Schülerin, die lange nichts gesagt hat – dann habe ich mal mit ihr auf Platt gesprochen. Da ist sie aufgetaut.“ Auch sie selbst habe, als sie in die erste Klasse kam, kaum Russisch gesprochen. Kurz vor ihrer Einschulung wurde sie krank und musste einen Monat ins Krankenhaus. „Meine Eltern meinten, jetzt würde ich ja Russisch lernen müssen. Aber nichts da, neben mir lag eine Tante aus dem Nachbardorf und mit der habe ich die ganze Zeit Platt gesprochen“, sagt sie und lacht. „Und der Arzt hat Hochdeutsch gesprochen. Das konnte ich, weil unsere Nachbarn das sprachen.“

1993 kommt Epp mit ihrem Mann und fünf Kindern nach Deutschland. „Ich konnte also schon Deutsch, aber meine Grammatik war eine Katastrophe“, erinnert sie sich. Obwohl sie in Russland studiert und lange als Lehrerin gearbeitet hat, studiert sie in Lüneburg noch einmal, um anerkannt weiter als Lehrerin arbeiten zu können. Während des Studiums beginnt sie, mithilfe eines Professors, ein Kinderbuch ins Deutsche zu übersetzen. „Jeden Satz, der falsch war, hat er angestrichen und erklärt.“

Mit eigenen Geschichten beginnt Epp 2013. „Um selbst zu schreiben, muss ich die Sprache besser beherrschen“, hat sie sich immer gesagt. Das Schreiben habe ihr dabei sehr geholfen. „Man muss ständig sprechen und die Sprache lernen wollen, das ist wichtig“, erklärt sie. Es sei schade, wenn viele schon seit langer Zeit in Deutschland leben, aber nur wenig sprechen können.

In wenigen Wochen geht Epp in den Ruhestand, die Zeit des Unterrichtens ist dann vorbei. Die Zeit des Schreibens aber noch lange nicht. Der nächste Traum dürfte vielleicht der erste längere Roman sein. „Ich kann keine dicken Bücher schreiben, nach 50 Seiten hab ich meist alles gesagt“, sagt sie und muss lachen. Das nächste Buch, basierend auf ihrer Familiengeschichte, ist bereits in Arbeit. Und wer weiß, vielleicht werden es ja mehr als 50 Seiten.

Das Buch

„Enrico in der Steinzeit“ erscheint als Softcover mit vielen Illustrationen im Pohlmann Verlag unter ISBN 9783948552152 und ist für 16,50 Euro im Buchhandel und auf www.pohlmann-verlag.de erhältlich.

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