Blick über den Quartiers-Tellerrand

Rotenburger Werke starten Vortragsreihe zu Stadtentwicklungsprojekten

Stadtplanerin Jella Humburg referiert.
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Im Rahmen der Quartiersentwicklung der Rotenburger Werke gibt Stadtplanerin Jella Humburg Anregungen aus ihrer Arbeit in Hamburg weiter.

Wie sieht das Quartier der Zukunft aus? Auf der Suche nach Lösungen hatten die Rotenburger Werke Stadtplanerin Jella Humburg aus Hamburg als Referentin eingeladen.

Rotenburg – Eines muss man den Rotenburger Werken lassen: Bei den Überlegungen für das neue Innovationsquartier auf dem Gelände der „Anstalt“ blickt man nicht nur über die Mauern jenseits des grünen Tors, sondern auch über den Tellerrand. So schweifte der Blick bei einem Vortrag der Stadtplanerin Jella Humburg mit anschließender Fragerunde nach Hamburg-Wilhelmsburg, wo die Internationale Bau Ausstellung (IBA) seit 2006 auf 100 Hektar Fläche ein neues Quartier mit Wohnraum für viele tausend Bewohner schaffen will.

Gleich vorweg: Vergleichbar sind die Projekte kaum, schon wegen ihrer unterschiedlichen Dimensionen. Die Anbindung an die U-Bahn, Mobility Hubs (wie die Parkhäuser mit einer Fremdnutzung im Erdgeschoss im städteplanerischen Neudeutsch genannt werden) – das alles wird in der Kreisstadt kaum eine Rolle spielen. 90 verschenkte Minuten für die rund 30 Interessierten in der Kirche zum Guten Hirten also? Mitnichten, sind doch die Fragen und Herangehensweisen, die die 39-Jährige unter der Moderation von Werke-Sprecher Rüdiger Wollschlaeger aufwarf, auch in den ungleich kleineren Dimensionen durchaus bedenkenswert.

Frage nach Erhalt der Backsteinarchitektur

Etwa die, ob Autos auf dem Gelände zugelassen werden sollen, wie die Parkmöglichkeiten aussehen oder wie man unterschiedliche Kriterien wie eine hohe Wohndichte, Energieeffizienz, ökologisches Bauen und eine hohe Wohnqualität kostendeckend unter einen Hut bringt. Letzteres, so Humburg, sei eine politische Frage, die nur über entsprechende Förderprogramme zu regeln sei.

Die Anregung aus dem Kreis der Interessierten, die historischen Fassaden zu erhalten und damit an die Geschichte der Werke anzuknüpfen, griff Wollschlaeger auf, gab aber den Hinweis auf die Bausubstanz. Die Backsteinarchitektur habe einerseits zwar das Stadtbild geprägt, sei energietechnisch allerdings bedenklich. „Wir müssen uns angucken, was es für Nutzungsmöglichkeiten gibt. Umnutzungen werden unausweichlich sein“, erklärte er.

Wir müssen uns angucken, was es für Nutzungsmöglichkeiten gibt. Umnutzungen werden unausweichlich sein.

Rüdiger Wollschlaeger

Für sich selbst zog Wollschlaeger eine Erkenntnis, die ihn augenscheinlich beruhigt: Gute Quartiersentwicklung will Weile haben, da können wie in Wilhelmsburg – angepeilter Einzug der Bewohner dort ist erst im Jahr 2035 – locker 15 bis 20 Jahre ins Land gehen. In einem Punkt sind die Rotenburger jedoch weit vorn: Bei der Frage, wie man ein nicht unbedingt mit positiven Konnotationen besetztes Viertel attraktiv macht. Zwar ist auch hier die Ausgangslage unterschiedlich – während Wilhelmsburg als Stadtteil vor vielen sozialen Herausforderungen stehe, wie Humburg es vorsichtig formulierte, waren es bei den Werken eher die teilweise unrühmliche Historie und die Sonderwelt mit Menschen mit Behinderung, die laut Wollschlaeger von vielen Einheimischen früher eher gemieden worden sei. Humburgs Ratschlag, das Image des Viertels mit viel „Kultur als Vehikel“ aufzuwerten und so für potenzielle neue Bewohner interessant zu machen, hat man an der Wümme bereits verinnerlicht: So laden die Werke vom 12. auf den 13. November zum nächtlichen Bummel zwischen illuminierten Bäumen der Quartierswiese an der Lindenstraße und Klanginstallationen ein.

Vortragsreihe folgt

Auch in Zukunft wolle man den Horizont ihres Tellerrands erweitern: Der Vortrag von Humburg markierte den Auftakt zu einer ganzen Vortragsreihe unter dem Titel „Quartiere der Zukunft“, in deren Rahmen interessante Projekte vorgestellt werden. Geplant ist unter anderem eine Präsentation von „Achitectures for Future“ und den damit verbundenen radikalen Forderungen.

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