Umwandlung unter Dach und Fach

„Der Schritt war überfällig“ - Rotenburger Werke jetzt eine gGmbH

+
Die Rotenburger Werke sind jetzt als gemeinnützige GmbH eingetragen. Die Gremien hatten zuvor grünes Licht gegeben.

Rotenburg - Von Guido Menker. Die Entscheidung ist alles andere als eine Überraschung, schließlich hatte Jutta Wendland-Park als Vorstandsvorsitzende der Rotenburger Werke die Veränderung bereits beim Neujahrsempfang im Haus Niedersachsen angekündigt. Jetzt ist die Sache allerdings unter Dach und Fach: Die Rotenburger Werke basieren nicht mehr auf einem Verein, sondern firmieren als gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH). Wir haben dazu ein Interview mit Jutta Wendland-Park geführt – die jetzt als Geschäftsführerin der Rotenburger Werke grüßt. Genauso wie auch der bisherige Vorstandskollege Thorsten Tillner.

Frau Wendland-Park, warum haben sich die Rotenburger Werke eigentlich entschieden, das Unternehmen von einem Verein in eine gGmbH umzuwandeln?

Geschäftsführerin Jutta Wendland-Park hält die Umwandlung der Rotenburger Werke in eine gGmbH für überfällig. Damit, sagt sie, stellt sich die Einrichtung für die Zukunft auf.

Jutta Wendland-Park: Die Rotenburger Werke sind ein erfolgreiches diakonisches Unternehmen am Sozialmarkt. Auch in Zukunft wollen sie für die Herausforderungen, die vor ihnen liegen, gut gerüstet sein. Der Schritt vom Verein zur GmbH war im Grunde überfällig und liegt im Trend der Zeit auch anderer vergleichbarer Einrichtungen. Und für unsere europäischen Nachbarn ist ein diakonisches Unternehmen unserer Größe in dieser Rechtsform ohnehin nicht verständlich. Zudem wird immer wieder diese Form des Vereinsrechts kritisch hinterfragt und die Aberkennung der Gemeinnützigkeit diskutiert. Diese Gefahr ist nun gebannt. Für die wirtschaftlich stabile Lage des Unternehmens war genau der richtige Zeitpunkt für diese Rechtsformänderung gekommen. Die gGmbH als Kapitalgesellschaft ermöglicht höhere Flexibilität als der mitgliederbasierte Verein und führt die Rotenburger Werke nun sicher und stark in die Zukunft.

Was ändert sich durch diese Umwandlung für das Unternehmen?

Wendland-Park: Nichts. Zielsetzung und Aufgabenstellung bleiben erhalten. Lediglich erfahren Begrifflichkeiten eine satzungsbedingte Änderung. So wird aus dem Aufsichtsrat die Gesellschafterversammlung. Der geschäftsführende Vorstand heißt in der gGmbH Geschäftsführung.

Was ändert sich durch die Umwandlung für die Mitarbeiter der Rotenburger Werke, was genau für die Bewohner?

Wendland-Park: Die Rechtsformänderung ist kein Betriebsübergang. So bleibt für die Mitarbeitenden und die Bewohnerschaft alles beim Alten.

Ist es richtig, dass mit der Umwandlung auch die Schaffung neuer Betätigungsfelder verbunden ist? Wenn ja: Welche sind das?

Wendland-Park: Die Schnittstellen zwischen den Hilfefeldern werden immer deutlicher. Die Schnittstelle zwischen der Eingliederungshilfe und der Pflege beschäftigt uns gerade im Umsetzungsprozess des Bundesteilhabegesetzes bereits. Mindestens genauso bedeutsam wird die Schnittstelle zur Jugendhilfe. Auch haben die Rotenburger Werke den demografischen Wandel der Gesellschaft erkannt. Sie wollen hier einen Impuls setzen und die Altenpflege intensiver in den Fokus nehmen. Die Erweiterung der Fachpflege im Norden Rotenburgs ist so ein Schritt in diese Richtung. Eine Vergrößerung dieses Bereiches zieht auch die Aufstockung des Personals nach sich.

Wann werden die Rotenburger Werke mit den neuen Betätigungsfeldern an den Markt gehen?

Wendland-Park: Das richtet sich nach den Genehmigungs- und Bau-Entwicklungen für das konkrete Projekt. Der Bedarf auf dem Feld der Altenpflege ist definitiv vorhanden.

Inwieweit verändern sich die finanziellen Grundlagen der Rotenburger Werke durch oder wegen der Umwandlung in eine gemeinnützige GmbH?

Wendland-Park: Da bereits der Verein gemeinnützig war, ändert sich auch bei der gGmbH nichts.

Die zuständigen Gremien der Rotenburger Werke müssen ja dem Vorhaben zugestimmt haben. Welche Gremien sind das genau?

Wendland-Park: Zunächst mussten alle Vereinsmitglieder natürlich der Umwandlung zustimmen. Das allein war ein längerer Prozess, der letztlich aber zum Erfolg führte. Wir sind den Vereinsmitgliedern sehr dankbar für das Vertrauen, das sie uns auf diesem Weg entgegengebracht haben. Der Aufsichtsrat der Rotenburger Werke hat sich klar positioniert und der Mitgliederversammlung empfohlen, die Umwandlung in eine gGmbH zu beschließen. Interne Gremien wie der Unternehmensrat und die Mitarbeitervertretung wurden ebenso in die Entwicklungen mit eingebunden. Zudem wurde mit dem Förderverein der Rotenburger Werke der Inneren Mission ein neuer Rechtsträger geschaffen. Dieser gemeinnützige Verein unterstützt die Arbeit der Rotenburger Werke. Viele der Mitglieder sind mittlerweile diesem Verein beigetreten.

Worum ist es in der Diskussion darüber gegangen?

Wendland-Park: Der allgemein zu beobachtende Trend vom Verein zur gGmbH wurde analysiert. Es galt, Tradition und Moderne abzuwägen, Vorteile und den Entschluss zum Umbruch zu thematisieren. Entscheidend war es, optimale Voraussetzungen für die Zukunftsfähigkeit der Rotenburger Werke zu schaffen. Das ist gelungen.

Wie kontrovers ist darüber diskutiert worden?

Wendland-Park: Gar nicht. Seit 1879 gibt es den Verein, der freilich im Laufe der Entwicklungen immer wieder verändert und satzungsgemäß umgewandelt wurde. Im Laufe der Jahrzehnte gab es immer wieder Paradigmenwechsel und neue Erkenntnisse. Nach also fast 140 Jahren ist die Trennung vom Verein kein schmerzhafter, sondern vielmehr ein zeitgemäß notwendiger Schritt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Siegerin Kerber lobt Vogel - Lange & Eishockey-Team geehrt

Siegerin Kerber lobt Vogel - Lange & Eishockey-Team geehrt

Weihnachtsbaumverkauf in Westeresch

Weihnachtsbaumverkauf in Westeresch

Nikolausmarkt in Bücken

Nikolausmarkt in Bücken

Weihnachtsmarkt in Blender

Weihnachtsmarkt in Blender

Meistgelesene Artikel

Angehende Landwirte messen sich beim Melkwettbewerb

Angehende Landwirte messen sich beim Melkwettbewerb

Überpflügte Wege: Jetzt drohen Strafen

Überpflügte Wege: Jetzt drohen Strafen

Brigitte und Johann Wolf aus Bötersen feiern die Eiserne Hochzeit

Brigitte und Johann Wolf aus Bötersen feiern die Eiserne Hochzeit

Thyssen kann bald loslegen

Thyssen kann bald loslegen

Kommentare