Rotenburger Verkehrspolitiker Michael Frömming veröffentlicht ein Bahn-Buch

Große und kleine Strecken

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Mediengruppe Kreiszeitung

Rotenburg - Von Wieland Bonath. Jetzt ist‘s raus: Tante Matti aus Hamburg ließ bei ihren Besuchen in der Wümme-Stadt den kleinen Rotenburger Michael Frömming als Erster die Bahnhofsluft, vermengt mit Fernweh, schnuppern. Immer wieder besuchte Tante Matti mit Michael den Rotenburger Bahnhof. Faszinierend die Schnellzüge, die Personenzüge, die Güterzüge. Die Liebe und Begeisterung zur Bahn waren bei Michael geboren.

Heute ist der Rotenburger 45 Jahre alt. Er stand jahrelang an der Spitze des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), war in Niedersachsen Landesvorsitzender. Seine Stimme hatte in der Verkehrspolitik Gewicht. Das gilt auch noch heute, obwohl Michael Frömming, ohne dieses Ehrenamt, in Mainz als Verkehrsreferent im Landtag Rheinland-Pfalz arbeitet. Jetzt hat er ein Eisenbahnbuch herausgebracht: „Niedersachsens große und kleine Strecken“. 128 Seiten, mit zahlreichen (darunter einmaligen) Fotos und einer Fülle an Informationen. Seit Ende Juni ist es auf dem Markt.

Als er Niedersachsen verlassen habe, sei er auf die Idee bekommen, so Frömming. Das sei ein Zeitabschnitt, der aufgearbeitet werden müsse. Eine Bilanz der vergangenen 20 Jahre: „Wenn man bedenkt, dass Niedersachsen seit dem Zweiten Weltkrieg rund 3000 Strecken-Kilometer verloren hat, dann möchte man meinen, die Zukunft für die Bahn sei inzwischen abgefahren. Ich bin sehr froh, dass dies nicht der Fall ist. Die Eisenbahn hat in Niedersachsen ebenso wie in ganz Deutschland in den vergangenen Jahren eine Renaissance erfahren. Nicht im regionalen Güterverkehr, schon gar nicht in der Schieneninfrastruktur, aber immerhin im Personennahverkehr auf bestehenden Strecken.“

Auch die viel diskutierte Y-Trasse bekommt in dem Buch ihren Platz. Dazu Michael Frömming im Gespräch mit der Kreiszeitung: „Der Ausbau der bestehenden Bahnstrecke ist verkehrspolitisch zielführender als eine Neubaustrecke quer durch eine intakte Landschaft. Dazu zählt der Ausbau der Bahnstrecke von Rotenburg nach Verden sowie der Amerika-Linie von Bremen über Visselhövede in Richtung Berlin. Denn dadurch hätte die Region echte Mitnahmeeffekte. Das wären zusätzliche Regionalzüge und die Option, regionalen Güterverkehr wieder auf die Schiene zu bringen. Die Y-Trasse wäre nichts anderes als einen kostspieligen Strich durch die Landschaft mit bis zu 300 km/h zu führen.“

Frömming sei seit 1992, dem Beginn der Diskussion um die Y-Trasse, mit dem Thema eng verbunden. „Wenn ich heute eine Einschätzung nach 23 Jahren Engagement gegen die Y-Trasse abgeben darf, so bin ich überzeugt, dass der von vielen Kritikern eingeforderte Ausbau der bestehenden Bahnstrecke die realistische Option ist.“ Er sei deshalb für die kleinteiligen Maßnahmen, weil sie die zeitlich schnelleren und finanziell günstigeren Lösungen für die realen Verkehrsprobleme im norddeutschen Schienennetz darstellten. Es sei verkehrspolitisch eine Katastrophe, dass wir den Lkw-Verkehr hochsubventioniert auf immer größeren und teureren Straßen durch die Lande schicken, während parallel wichtige Schieneninfrastrukturen beseitigt und für immer verloren gehen.

Mit der Aktion „Rettet den Bahnhof Jeddingen“ begann der Rotenburger Michael Frömming vor 28 Jahren als Vorsitzender des Vereins „Eisenbahnfreunde Wümmetal“ als 17-jähriger Gymnasiast seine verkehrspolitischen Träume zu realisieren. Der kleine Bahnhof Jeddingen an der ehemals großen Amerika-Linie wurde allerdings stillgelegt. Heute wohnt hier der Koch Tomasz Kreft mit seiner Ehefrau Katrin. Nur eine Rampe erinnert noch an den ehemaligen Bahnhof. Ganz selten fährt mal ein Zug vorbei. Schwach besetzte Personenzüge, hin und wieder Güterzüge, beladen mit Holz, mit Containern, Windrädern. Es ist still geworden auf der ehemaligen Hauptstrecke von Berlin nach Wilhelmshaven, benutzt von ungezählten Auswanderern, die in Amerika ihr Glück suchten.

Ganz ruhig ist es hier geworden, noch ruhiger ist es an der Nebenstrecke von Bremervörde bis Bothel. Ein Teil dieser Strecke wurde für den Güterverkehr erneuert. Andere Abschnitte sind nur noch Schotter, kein Signalzeichen mehr. Und Fahrradfreunden wird seit einigen Jahren zwischen Bothel und Visselhövede ein zauberhafter Radweg angeboten. Hier erinnert nichts mehr an einstige Stahlschienen.

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