Rotenburger Eisdielenbesitzer finden Situation nicht alltagstauglich

Kritik an Öffnungsschritten: „Ein Skandal!“

An der Theke befestigt Marco Caria Hinweisschilder.
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Sowohl an der Theke als auch außen an den Glastüren befestigt Marco Caria am Dienstag Hinweisschilder: Die Eismanufaktur bleibt beim Außer-Haus-Verkauf.

Lockerungsschritte werden sehnsüchtig erwartet. Für die Gastronomie geht es voran, doch noch mit großen Einschränkungen. Und diese fördern Ungerechtigkeit, sagen die Eismanufaktur-Inhaber Gilberto Gori und Marco Caria. Deswegen ziehen sie Konsequenzen.

  • Niedersachsen ermöglicht Lockerungen.
  • Rotenburger Gastronomen sind gespalten ob der Öffnungen.
  • Eismanufaktur-Besitzer sehen Testsituation als nicht alltagstauglich.

Rotenburg – Die Öffnungsmöglichkeiten im Land Niedersachsen für die Gastronomie sind einerseits ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, sind sich die meisten Gastronomen im Raum Rotenburg einig. Sie sind sich aber auch darin einig, dass die damit verbundenen Einschränkungen zu Problemen führen werden. Zwei, die die Durchführung der Öffnungsschritte geradezu für „einen Skandal“ halten, sind Gilberto Gori und sein Geschäftspartner Marco Caria. Die Inhaber der Rotenburger Eismanufaktur ziehen daher Konsequenzen.

Der Landkreis hat es geschafft: Nach fünf aufeinanderfolgenden Werktagen ist der Status als Hochinzidenzkommune seit Montag wieder aufgehoben, ab Mittwoch greifen daher neue Regeln. Für die Gastronomie heißt das beispielsweise: Sie darf zunächst ihre Außenbereiche wieder für Kunden öffnen, in zwei Wochen sollen dann Lockerungen für den Innenbereich folgen. Es gibt aber Beschränkungen: So ist es nur negativ Getesteten, vollständig Geimpften und Genesenen gestattet, an einem der Tische draußen Platz zu nehmen. „Wir schaffen damit eine Zwei-Klassen-Gesellschaft“, sagt Caria, der am Dienstagvormittag Schilder an der Eistheke sowie an den Glaseingangstüren aufhängt, mit denen sich die beiden bei ihren Gästen entschuldigen, aber „wir werden uns daran nicht beteiligen“.

So wird es in ihrem Eiscafé vorerst kein Eis und keinen Cappuccino im Außenbereich geben. Es sei „lebensfremd und nicht alltagstauglich, sich testen lassen zu müssen, um unter freiem Himmel zum Beispiel einen Cappuccino trinken zu können“, heißt es auf dem Hinweis. Sie haben auch Sorge, dass es sonst zu Situationen kommen könnte, wie sie Ladeninhaber Timo Röhrs gegenüber in der vergangenen Woche erlebt hatte. Dass Kunden entsprechend verärgert werden, wenn sie weggeschickt werden müssen. „Die Menschen wurden teilweise richtig aggressiv“, erinnert sich Caria, der die Lage mit Gori quasi aus erster Reihe beobachten konnte. „So eine Aggressivität möchten wir hier nicht erleben. Das wird riesige Probleme geben“, befürchtet er.

Eine Öffnung halte ich für unfair denjenigen gegenüber, die sich noch nicht impfen lassen können oder auch nicht möchten.

Gilberto Gori

Die beiden machen aber weiterhin den Außer-Haus-Verkauf, auch wenn sie, wie sie selber sagen, dadurch „bluten“ werden. Denn das Frühlings- und Sommergeschäft draußen ist das, was sie für gewöhnlich durch den Winter rettet. Aber Gori und Caria möchten alle Kunden gleich behandeln, und das geht für sie nur, wenn der Außenbereich vorerst zu bleibt. „Eine Öffnung halte ich für unfair denjenigen gegenüber, die sich noch nicht impfen lassen können oder auch nicht möchten“, sagt Gori, der selbst ebenfalls noch auf seinen Impftermin wartet.

Sie müssten jeden kontrollieren, der sich hinsetzen und auch nur einen Kaffee trinken möchte, und „ich bin doch kein Polizist“, merkt Caria an. Sind Kunden nicht im Testzentrum gewesen, müsste das Café Tests vorhalten, Zuhause gemachte Schnelltests zählen nicht. Und dafür sei allein das Personal derzeit gar nicht vorhanden. „Wo bleibt da die Spontanität? Wenn ich am Tag vorher den Test schon mache und dann ist das Wetter schlecht? Dann gehe ich auch kein Eis essen.“ Auch mit einigen Kunden haben sie bereits gesprochen und positives Feedback erhalten. „Alle Menschen sind gleich, so sagt es auch das Grundgesetz. Aber ich habe das Gefühl, dass wir hier nicht gleich sind. Und ich verjage hier niemanden“, ergänzt Gori. „Natürlich tut uns das sehr leid, sowohl menschlich als auch finanziell.“

Die Vorgaben schaffen für sie eine Zwangssituation, die die Menschen „verpflichtet, sich für draußen testen zu lassen, mit zwei Meter Abstand zum nächsten Menschen“. Und das, sagt Caria deutlich, „geht so gar nicht“. Deswegen hat sich Gori, selbst SPD-Ratsherr, an Abgeordnete von Land- und Bundestag gewandt und seinen Unmut kundgetan. „Darüber haben sich schon mindestens 50 Leute beschwert“, habe er beispielsweise aus dem Büro von Landtag-Parteigenossin Dörthe Liebetruth erfahren.

Könnten beide solche Einschränkungen für den Innenbereich nachvollziehen, weil es je nach Lokalität mit der Belüftung nicht immer einfach sei, fällt das Verständnis unter freiem Himmel gänzlich weg. „Sport draußen mit 30 Kindern und Jugendlichen, ungetestet, ist erlaubt. Zum Friseur darf ich ohne Test. Aber ein Eis und eine Pizza draußen geht nicht? Will man die Gastronomie kaputt machen? Diese Situation ärgert uns“, so die Rotenburger Männer von der Eismanufaktur.

Erleichterungen für Geimpfte, Genesene und Getestete

Gerade rund um den Feiertag sind die Termine in den Testzentren der Region heiß begehrt – wer dem Schmuddelwetter trotzen und im Außenbereich von Gaststätten und Cafés Platz nehmen will, braucht einen negativen Test. Ausnahme: Gäste sind bereits durchgeimpft oder von Corona genesen. Als vollständig geimpfte Personen gelten solche, bei denen seit der letzten erforderlichen Einzelimpfung mindestens 14 Tage vergangen sind. Eine gesonderte Bescheinigung ist hier nicht erforderlich, der Impfausweis ist ausreichend. Als Genesene gelten nach der Bundesverordnung Personen, deren Erkrankung 28 Tage bis sechs Monate zurückliegt, heißt es vom Gesundheitsamt. Zum Nachweis werde hier ein Genesenennachweis erforderlich sein. Das Land habe angekündigt, dass mit dem Robert-Koch-Institut ein digitaler Impfpass entwickelt wird. Darin soll auch ein digitaler Genesenennachweis integriert werden. Die Entwicklung werde aber noch einige Wochen in Anspruch nehmen. Bis dahin soll es übergangsweise Papierbescheinigungen geben, die vom Gesundheitsministerium aktuell entwickelt werden. mk

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