ZUKUNFT HEIMAT Tourist-Info plant „Augmented Reality“-App

Zeitreise durch Rotenburg

Benjamin Roolfs zeigt auf einem Tablet, wie die Zeitreise-App aussehen könnte.
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Der Blick vom Pferdemarkt zum Rathaus heute und 1863: So in etwa könnte es einmal aussehen, wenn Nutzer mit der App unterwegs sind.

Der Blick vom Pferdemarkt aus Richtung Rathaus von 1863 und der Blick heute sind gänzlich unterschiedlich. Damals stand an der Stelle noch der Ehlermannsche Gasthof. Das Foto, eines der ältesten aus der Wümmestadt, bildet eine der Grundlagen für die geplante Zeitreise-App der Tourist-Info.

Rotenburg - Rotenburg vor 100 Jahren und Rotenburg heute: Wer alte Fotos mit dem Ist-Zustand vergleicht, stellt fest, dass von der historischen Innenstadt nicht mehr viel erhalten ist. „Als Touristiker ist das einer der größten Schmerzen“, sagt Benjamin Roolfs, Leiter der Tourist-Info im Rathaus, bedauernd. Schon seit Längerem trägt er sich deshalb mit dem Gedanken, eine Zeitreise sowohl für Besucher, Touristen als auch die Rotenburger selbst anzubieten. Geplant ist jetzt eine App, mit der eine informative Tour zu den bekanntesten Plätzen unternommen werden kann – nebst Eindrücken, wie es damals ausgesehen hat. Die App soll 2022 an den Start gehen.

Roolfs kennt die alten Postkarten und Fotos, zum Beispiel um das Jahr 1920 herum. „Wenn wir solche Bilder veröffentlicht haben, kamen viele Leute ins Schwärmen“, erzählt er. Durch ein „Augmented Reality“-Projekt, also ein Verbinden von realer und virtueller Welt, sieht er eine Möglichkeit der Wiederbelebung der früheren Gebäude.

Und die Realisierung ist nun in greifbare Nähe gerückt: Durch das Förderprogramm „Perspektive Innenstadt“ stehen der Stadt mit einem Eigenzuschuss insgesamt 380 000 Euro zur Verfügung, um eine Attraktivitätssteigerung entlang der Großen Straße und der Goethestraße zu ermöglichen. 50 000 Euro davon gehen an das Projekt „Zeitreise“ der Tourist-Info.

Es soll eine Ergänzung zum bestehenden Angebot der Stadt- und Gästeführungen werden, erklärt Roolfs. Eine App, die sich später jeder für Apple- oder Android-Geräte herunterladen kann, ermöglicht auch spontan, eine Erkundung zu historischen Orten zu machen. Welche genau später in der App auftauchen werden, ist noch nicht final beschlossen. Das hängt auch vom vorhandenen Material ab. Sowieso ist die Liste immer erweiterbar. Roolfs und seine Kolleginnen bekommen dann auch Zugang zum System, um Änderungen oder Erweiterungen vornehmen zu können.

Er stellt sich dabei eine digitale Karte vor, mit verschiedenen Anlaufstellen. Erstmal gibt es dann eine gezielt vorgefertigte Tour, später sind auch eigens zusammengestellte Routen denkbar. Zunächst wolle sich die Tourist-Info dabei auf die Innenstadt konzentrieren – so, wie es das Programm auch vorsieht. „Das hat den Effekt, so noch mehr Leute in die Innenstadt zu ziehen“, sagt er – und genau so ist es gewollt.

Massenweise alte Fotos und Unterlagen durchwühlen Tourist-Info Leiter Benjamin Roolfs und sein Team in den kommenden Monaten. Sie bilden eine der Grundlagen für die geplante App.

Unterwegs gibt es Einblendungen von damals – alles, was die Archive hergeben. So kann man sich dann beispielsweise mit Handy oder Tablet vor das Rathaus stellen, es draufhalten und per Zeitreise-Regler die Ansicht von früher aufrufen. Und auch die Gästeführerinnen sind um ihr Wissen gefragt: Die App wird viele Informationen zu den Gebäuden enthalten. Viele neue Texte wird es geben, modern aufgearbeitet, kurzweilig soll es werden. „Am Material wird es nicht scheitern“, ist sich Roolfs sicher.

Auch Videos wären denkbar – und machen eine Zeitreise zukunftsfähig. „Auf diese Weise ziehen wir nicht nur Menschen in die Innenstadt, sondern können vielleicht auch neue Zielgruppen erreichen“, hofft Roolfs. Und auch für die Schulen wäre das eine andere Art, ihre Stadt kennenzulernen – denn gerade die Rotenburger selbst haben noch einmal einen ganz anderen Bezug zu ihrer Heimat und erleben eine solche Tour vielleicht noch einmal gänzlich anders. Auch ist es denkbar, eine historische Figur in die App einzubinden, die den Besucher durch die Innenstadt führt.

Die Ausbaumöglichkeiten für die Zukunft sind vielfältig und so hat Roolfs noch viele weitere Ideen, wie man die App im Laufe der Zeit noch erweitern könnte. Auf den Touristiker und sein Team wartet damit im kommenden Jahr neben den geplanten Veranstaltungen eine Menge Arbeit. „Das ist ein enges Zeitfenster“, weiß er. Doch das will er gerne in Kauf nehmen, denn um die Mittel aus dem Förderprogramm dann auch abzugreifen, muss die Ausschreibung und Vergabe nebst Ausführung im kommenden Jahr erfolgen – sonst würde das Projekt erneut in weite Ferne rücken.

Zwar stand es bisher auch im städtischen Haushalt, Geld war dafür aber nicht vorhanden. Die Pandemie hat also auch mal – zumindest in diesem Fall – etwas Gutes. „Wir brauchen Kultur, das fällt uns in dieser Zeit noch viel mehr auf“, sagt Roolfs. „Und mit diesem Projekt bleibt Geschichte zugleich lebendig, ist nicht verstaubt.“

Die grobe Planung steht, jetzt geht es – sobald der Haushalt dann beschlossen ist – an das Feintuning. Denn die Stadt muss das Geld zunächst vorstrecken, erhält es dann aus dem Förderprogramm zurück. Und auch nach Erscheinen der App sind Roolfs und sein Team stark gefragt: Denn dann geht es an die richtige Vermarktung. Für eine Belebung der Innenstadt.

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