Ausgabestellen müssen Beiträge erhöhen

Rotenburger Tafel wird für Kunden teurer

Hero Feenders

Rotenburg – Dass es eine Erhöhung geben muss, steht außer Frage, sagt Hero Feenders, Leiter der Rotenburger Ausgabestelle der Tafel. Die Tafel mit ihren insgesamt vier Ausgabestellen hat ihre Preise seit zwölf Jahren stabil gehalten: Kunden zahlen an jedem Ausgabetag zwei Euro – dafür können sie sich so viele Lebensmittel aussuchen, wie sie benötigen. „Es ist angemessen, über eine Angleichung nachzudenken“, erklärt Feenders. Darüber hat jetzt die Mitarbeiterversammlung in Rotenburg debattiert – und verschiedene Preismodelle entwickelt, die im Vorstand weiter diskutiert werden. Eine genaue Summe ist aber noch unklar.

Wie so eine Erhöhung aussehen könnte und in welchem Umfang sie erfolgen sollte, darüber herrscht noch Uneinigkeit unter den Rotenburgern. Bis eine endgültige Entscheidung darüber getroffen wird, werde aber ohnehin noch etwas Zeit vergehen, so Feenders. Denn die Rotenburger geben ihre Vorschläge nun zunächst an die Mitarbeiterversammlungen der drei weiteren Ausgabestellen in Visselhövede, Sottrum und Scheeßel weiter. Wenn man gemeinsam zu einem Ergebnis gekommen ist, muss das noch vom Vorstand – der aus den Ausgabeleitern, einem Schatzmeister und einem Vertreter des Kirchenkreises besteht – beschlossen werden.

Es gebe verschiedene Modelle im Landkreis Rotenburg und angrenzenden Landkreisen, wieviel die Kunden bezahlen – und manche seien für Rotenburg einfach nicht praktikabel, meint Feenders. Hinzu kommt: „Es sollte einheitlich bleiben“, merkt er an. Gleichzeitig hat der Leiter auch die Kunden selber im Blick: „Wir müssen an die Menschen denken, die zu uns kommen, wir können ihnen nicht das Geld aus der Tasche ziehen.“ Auf der anderen Seite gebe die Tafel inzwischen vieles an Qualitätsware weiter, es herrsche eine gute Zusammenarbeit mit den Supermärkten, sodass „es angemessen ist, über eine Angleichung nachzudenken“. Die Qualität solle auch gewürdigt werden.

Dass das nicht jeder kann, insbesondere wenn es auf das Ende eines Monats zugeht, ist Feenders ebenfalls bewusst. Aber er sagt auch, dafür finde man immer Lösungen – das seien dann Einzelfallentscheidungen. „Wir haben einen gewissen Handlungsspielraum.“ Oft kennen die Ehrenamtlichen – in Rotenburg sind es zurzeit 50 – die Hintergründe und Geschichten der Kunden, die schon lange zu ihnen kommen. Sie wissen, wo die Probleme liegen. „Da entsteht ein Vertrauensverhältnis.“

Doch letzten Endes muss auch die Tafel sehen, dass sie über die Runden kommt, um ihre Kunden überhaupt erst versorgen zu können. Denn Dinge wie Miete, Nebenkosten und Fahrzeugversicherungen wollen bezahlt werden. Und auch diese Kosten steigen. „Wir kommen mit den Zuschüssen von Landkreis und Kommunen über die Runden, mit einem leichten Defizit zum Jahresende – es ist eine rote Null, die wir schreiben“, sagt Feenders. Denn einreißen könne es immer. „Müssen wir Heizöl kaufen, nehmen wir dafür unsere Rücklagen. Aber die sind dann vielleicht erstmal aufgebraucht.“ Kommt dann etwas anderes dazu, sei guter Rat teuer.

Daher sind die Tafeln auch immer auf Spenden angewiesen, nicht nur bei den Lebensmitteln. Feenders hat aus diesem Grund vor vier Jahren zum Beispiel die „Mietmach“-Aktion ins Leben gerufen. „Das läuft immer noch“, sagt der Ausgabeleiter erfreut. Bürger spenden dabei monatlich zehn Euro, dadurch kann die Ausgabestelle in der Kreisstadt die Hälfte der Mietkosten decken. „Ohne Privatinitiativen geht es nicht“, erklärt er.

Aber auch im Bereich Lebensmittel könnte sich noch einiges ändern in Zukunft. Das Umweltbewusstsein der Menschen steigt, damit könnte auch irgendwann weniger für die Tafeln übrig bleiben. „Das kann man nicht ändern – aber es werden auch sicher noch genügend nicht mehr verkaufbares Gemüse oder zerbeulte Konservendosen anfallen für die Tafeln“, zeigt sich Feenders zuversichtlich. „Engpässe hatten wir auch in früheren Zeiten schon mal.“

Gerade in den Wintermonaten, wenn es bestimmte Lebensmittel nicht gibt, könne das schon mal vorkommen. Andererseits sei auch das Bewusstsein für Menschen in Not vorhanden. „Einzelne Bürger kaufen auch mal Paletten von etwas und schenken uns das“, erklärt Feenders.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Erfolgsgeschichte: Mit dem Octavia begann Skodas Aufstieg

Erfolgsgeschichte: Mit dem Octavia begann Skodas Aufstieg

Der Blauregen hat viel Kraft

Der Blauregen hat viel Kraft

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Barock und Bio im Bliesgau

Barock und Bio im Bliesgau

Meistgelesene Artikel

Blutspende in Corona-Zeiten? Läuft!

Blutspende in Corona-Zeiten? Läuft!

Fuchs läuft in Tellerfalle: Polizei sucht Zeugen

Fuchs läuft in Tellerfalle: Polizei sucht Zeugen

Vom Erzieher zum Youtuber

Vom Erzieher zum Youtuber

Ausstellung „Am Ende des Tunnels“ auf dem Kirchhof

Ausstellung „Am Ende des Tunnels“ auf dem Kirchhof

Kommentare