Rotenburger Stadtverwaltung informiert über Rathsmann-Umbau für Flüchtlinge

Neue Heimat Baumarkt

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Elektriker Wojciech Kowalski von der Firma Rosenboom ist einer von rund 20 Handwerkern, die derzeit dabei sind, das ehemalige Rathsmann-Gelände als neue Flüchtlingsunterkunft herzurichten.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Turnhalle bleibt für Andreas Weber tabu. Rotenburgs Bürgermeister pocht auf eine „menschenwürdige Unterbringung“ von Flüchtlingen in der Kreisstadt, und dafür gelte es, alle Potenziale auszuschöpfen. Massenunterkünfte wie im Landkreis Verden ohne Privatsphäre lehnt er ab. Mitte Februar ziehen die ersten 35 Asylsuchenden im ehemaligen Rathsmann-Baumarkt am Glummweg ein. Ein Kompromiss – für den die Handwerker derzeit im Akkord arbeiten.

Bis zu 800000 Euro kostet es, um aus Verwaltungsgebäude und Lagerhallen ein zwar vorübergehendes, aber eben doch neues Zuhause für bis zu 135 Flüchtlinge zu schaffen. Das berichtete SPD-Politiker Weber am Donnerstagabend in der Aula der Theodor-Heuss-Schule während einer Anliegerversammlung. Geld, das die Stadt zunächst vorstrecken muss, aber von Landkreis und Land zurückfordert. Containernbauten wären noch vier bis fünf Mal teurer, hieß es. Es sei der einfachere Weg, auf ein erschlossenes Grundstück zugreifen zu können.

Das Geld ist die eine Seite, das „Gebot der Humanität“, wie es Weber mehrfach betonte, die andere. Auch wenn es durchaus kritische Stimmen aus der Nachbarschaft am Mühlende gibt, Sorgen um die Sicherheit und den Preisverfall bei Grundstücken, sprach Weber doch allen Anwesenden Mut zu, was die „riesengroße Herausforderung für die Stadtverwaltung und alle Menschen, die hier leben“, betrifft: „Es wird schwierig, aber es kann sich lohnen.“

Weber erinnerte in diesem Zusammenhang an die Integration hunderter Russlanddeutscher vor 25 Jahren. Heute machten diese und ihre Familien zehn Prozent der Rotenburger Bevölkerung aus: „Die Stadt hat sich dadurch unheimlich positiv entwickelt.“ Auch wenn die Situation jetzt eine gänzlich andere sei, räumt er ein – schließlich stammten die heute Kommenden vornehmlich aus Ländern mit völlig anderer Kultur und Religion.

Derzeit leben laut Weber knapp 400 Asylbewerber und Flüchtlinge in Rotenburg. Die Stadt hat 41 Wohnungen für sie angemietet, zudem gibt es die Großunterkunft „Campus Unterstedt“ und das Not-Erstaufnahmelager in der Jugendherberge. Bis Ende März seien nach den neuesten Quoten noch 142 Flüchtlinge in Rotenburg unterzubringen. 50 werden nach Unterstedt ziehen, 55 sollen in wieder freigewordenen Wohnungen Platz finden, und in den Wohnmodulen in den Rathsmann-Hallen sollen zunächst 35 Menschen einquartiert werden. Für weitere 100 wird die ehemalige „Kalthalle“ hergerichtet. Ob das ausreichend sei und wie es weiter geht? „Das wissen wir nicht“, sagte Weber. Ende März werde nicht Schluss sein, und die Frage könne man auch nicht in Rotenburg beantworten. Fest stehe nach Ansicht des Bürgermeisters aber: „Die kommenden zwei bis drei Jahre bleibt es so.“

Dafür trifft die Stadt bereits Vorkehrungen. Man müsse sich laufend Gedanken machen, denn, so Weber: „Sonst campieren die Leute irgendwann auf dem Pferdemarkt.“ Um das Stadtgebiet insgesamt auch räumlich gesehen gleichmäßig zu „belasten“, plane die Stadt ab Mai mit dezentralen Mobilbauten. Geeignete Standorte könnten dafür am Weichelsee auf dem ehemaligen Waldschlösschen-Grundstück, an der Brockeler Straße oder am Mittelweg sein. Wenn diese irgendwann nicht mehr gebraucht werden, stellt Weber für den Weichelsee zum Beispiel eine Nachnutzung als kleine Ferienwohnungen in Aussicht. Bis es soweit sei, müssten die Stadt und die Bevölkerung allerdings noch viele große Aufgaben meistern.

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