Ausleihzahlen gehen deutlich zurück

Rotenburger Stadtbibliothek im Wandel

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Christine Braun zieht Bilanz und zeigt sich mit dem vergangenen Jahr zufrieden.

Rotenburg - Von Guido Menker. Der Rotenburger Stadtbibliothek steht ein Doppel-Jubiläum bevor: Seit 25 Jahren befindet sich die Einrichtung unter ihrem jetzigen Namen im Kantor-Helmke-Haus am Kirchhof, und seit ebenfalls 25 Jahren zieht Christine Braun dort als Leiterin die Fäden. Dass sich die Stadtbibliothek in dieser Zeit gewandelt hat, liegt auf der Hand.

Doch gerade in den letzten Jahren sind die Veränderungen besonders spürbar. Was in anderen Bibliotheken bereits stattgefunden hat, bekommen jetzt auch Christine Braun und ihre Kolleginnen zu spüren: Die Ausleihzahlen bei „echten“ Büchern gehen zurück, die der digitalen Titel steigen deutlich an.

2016 standen 19.254 Bücher in den Regalen der Stadtbibliothek. Diese sind hochgerechnet auf das gesamte Jahr 4,6 Mal ausgeliehen worden. Im vergangenen Jahr standen den Lesern 20.256 Bücher zur Auswahl – sie kamen allerdings nur noch auf einen Umsatz von 4,1. Anders ausgedrückt: Waren 2016 noch 89.502 Buchausleihen registriert worden, sank die Zahl im vergangenen Jahr auf 84 671. Ein spürbarer Rückgang. 

„Der Umsatz ist immer noch gut“

Bei der Betrachtung des gesamten Angebotes an Büchern und weiteren Medien – CD, DVD, Zeitschriften, CD-ROM, Spiele und Hörbücher – ging der Umsatz pro Medium von 6,5 auf nun 5,5 zurück. Christine Braun: „Der Umsatz ist immer noch gut, aber wir werden vor diesem Hintergrund unser Angebot überprüfen müssen.“ Deutliche Einbrüche seien vor allem bei den CDs und DVDs sowie bei den Hörbüchern zu verzeichnen. 

Die Leiterin der Stadtbibliothek: „Wir schaffen uns aber auch unsere eigene Konkurrenz.“ Schließlich haben alle rund 3.500 aktiven Nutzer die Möglichkeit, sich im Internet bei  „NBib24“ online zu bedienen. Und die sogenannte Onleihe boomt: Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der Rotenburger Onleihen innerhalb dieses Portals von 7.830 auf 11.136 – macht einen Zuwachs von 42 Prozent, erklärt Christine Braun und stellt fest: „Es wird weiterhin viel gelesen.“ Ziel erreicht also. Und sie ist sich sicher, dass die Stadtbibliothek ihre Bedeutung am Ort nicht verlieren wird. 

Erwartungen der Kunden verändern sich

Aber der Wandel geht weiter und betrifft am Ende auch die Arbeit der Beschäftigten: „Grund dafür ist eben dieser Systemwechsel hin zu den E-Books.“ Das Bibliotheksteam sei vor diesem Hintergrund mehr und mehr Dienstleister und Ansprechpartner, die Stadtbibliothek selbst ein Aufenthaltsort.

Die Erwartungen der Kunden veränderten sich und seien gestiegen. Gewünscht seien konkrete Beratungen und die Hilfe, um sich in den neuen Systemen auch innerhalb der Stadtbibliothek selbst zurechtzufinden. Das hängt nicht zuletzt auch mit der Selbstausleihe zusammen. Doch gerade dieses System schaufelt dem Team Zeit frei, um sich mit den neuen Aufgaben intensiv beschäftigen zu können.

Spezielles Digital-Angebot für Kinder

Es wird also eben nicht weniger gelesen, nur spielt das „echte“, auf Papier gedruckte Buch eine zunehmend geringere Rolle, rückt das digitale Angebot mehr und mehr in den Fokus. Dennoch: „Vieles funktioniert als E-Book noch nicht“, sagt Christine Braun. Vor allem „Guck-Bücher“ ließen sich digital noch nicht so umsetzen. Allerdings tut sich auch in diese Richtung einiges: Zum Beispiel steht den Nutzern online nun auch „TigerBooks“ zur Verfügung. Ein Angebot für Kinder, bei dem per App speziell für produzierte Titel – immerhin schon 2.500 Stück – zum Abruf bereitstehen. Titel, die bereits Animationen beinhalten.

Raum für Bibliotheks-Romantik ist da nicht mehr wirklich gegeben. „Einerseits ist das sicherlich schade, aber zu Hause will ich ja auch nicht das Waschbrett zurückhaben“, sagt Christine Braun. Es sei gut, dass sie sich mit ihrem Team von Beginn an so aufgestellt habe, dass sich Neues gut etablieren lässt. „Wir sind daher auch optimistisch für die Zukunft, aber wir müssen dran bleiben.“ Genau das macht sie dann auch – und zwar seit fast 25 Jahren.

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