Zutritt nur geimpft oder genesen / Ausleihe über den Zaun

Rotenburger Stadtbibliothek setzt auf 2G

Bei steigenden Infektionszahlen sollen die Menschen Zuhause bleiben, Christine Braun hat für die kalte, ungemütliche Jahreszeit daher ein paar Lesetipps parat.
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Bei steigenden Infektionszahlen sollen die Menschen Zuhause bleiben, Christine Braun hat für die kalte, ungemütliche Jahreszeit daher ein paar Lesetipps parat.

Die Rotenburger Stadtbibliothek öffnet ihre Türen ab sofort nur noch für Geimpfte oder Genesene. Aufgrund der aktuellen Entwicklung der Coronazahlen hat sich Leiterin Christine Braun mit ihrem Team zu diesem Schritt entschlossen. Sie reaktiviert aber die Ausleihe über den Zaun. 

Rotenburg – Ein junger Mann kommt durch die Eingangstür der Stadtbibliothek, die Mitarbeiterin hält ihn freundlich auf – seine Maske sitzt unter der Nase und ob er genesen oder geimpft sei? Das verneint er – und muss das Gebäude wieder verlassen. Obwohl sie es offiziell noch nicht müsste, setzt die Bibliothek im Kantor-Helmke-Haus auf 2G. Nach Protesten aus dem Buchhandel wurden dieser und damit auch Bibliotheken dem Einzelhandel gleichgesetzt – und können unter gleichen Bedingungen öffnen. Um niemanden auszuschließen, hat Leiterin Christine Braun mit ihrem Team aber wieder die Ausleihe über den Zaun eingeführt.

„Heute Morgen ist ansonsten Totentanz“, konstatiert Braun zu Beginn der Einführung von 2G-plus im Landkreis Rotenburg – sie vermutet Unsicherheit bei vielen ob der neuen Regeln, was denn nun wo gilt. 3G, 2G, 2G-plus – auch für die Mitarbeiter ist es schwer, den Überblick zu behalten. „Teilweise habe ich fünfmal am Tag mit Michael Burgwald gesprochen“, so Braun. Mit dem Leiter der Volkshochschule im Haus versucht sie, den Überblick in den Verordnungen zu behalten.

Wir wissen nicht, was noch kommt und ob wir doch noch schließen müssen.

Christine Braun

Um klare Voraussetzungen zu schaffen, geht die Bibliothek daher den Weg, nur geimpfte oder genesene Personen hineinzulassen. Immerhin: Diesmal kann sie geöffnet bleiben – vorerst. „Wir wissen nicht, was noch kommt und ob wir doch noch schließen müssen.“ Im vergangenen Jahr waren sie die ersten, die schließen mussten und gehörten zu den letzten, die den Lockdown nach sechs Monaten verlassen konnten. Da wurde auch die Idee der Ausleihe über den Zaun geboren, die nun fortgeführt wird. Allerdings beschränkt auf maximal fünf Titel.

Auch wird derzeit das Online-Angebot weiter ausgebaut, weiß Braun. So gibt es neben der Onleihe Niedersachsen auch die Nordleihe und eben die erhält derzeit Zuwachs: Zeitschriften, auch fremdsprachig und Hörbücher beispielsweise. Und wer es sich aufgrund von Corona aber auch des ungemütlichen Wetters drinnen kuschelig machen möchte, für den hat Braun ein paar Herbsttipps parat.

Hinweisschilder stehen an allen Ecken.

Die hätte sie gerne beim Bücherherbst in dieser Woche präsentiert, doch musste er abgesagt werden. Es wäre zu aufwendig geworden, mehrere ältere Teilnehmer hätten aber bereits freiwillig abgesagt. „Da fehlt auch die Atmosphäre, wenn alle weit auseinander sitzen und ich nur vorne stehe und rede.“

Wer es sich gemütlich machen möchte, könnte sich Stefan Austs Autobiografie „Zeitreise“ schnappen und dem Jetzt für ein paar Stunden entfliehen. Auch als Hörspiel, „es ist sehr vergnüglich, ihm dabei zuzuhören, er gibt interessante Einsichten“. Der ehemalige Spiegel-Chefredakteur und Herausgeber der „Welt“ gibt Einblicke in Stationen seines Lebens, die in rund 50 Jahren eines Reporterlebens eng mit der deutschen Nachkriegsgeschichte verbunden sind.

Weiter auf Zeitreise bleiben Leser mit Brauns zweitem Lesetipp: „Der große Sommer“ von Ewald Arenz spielt in den frühen 80ern. Darin erwartet Frieder statt eines entspannten Sommers Pauken für die Nachprüfungen beim strengen Großvater. Doch dieser Sommer wird sein Leben prägen.

Ausleihe über den Zaun

Wer das Gebäude nicht betreten kann, hat die Möglichkeit der Ausleihe über den Zaun. Titel können per E-Mail an bib@rotenburg-wuemme.de bestellt werden, die Mitarbeiterinnen rufen dann an und machen einen Abholtermin aus.

Viele skurrile Charaktere tauchen in Sven Regeners „Glitterschnitter“ auf: „Das sollte man sich anhören“, findet Braun, wenn die Protagonisten versuchen, den Weg zum Ruhm zu beschreiten. Es gibt auch ein Wiedersehen mit alten Bekannten aus vorherigen Romanen. Zwischen dem Jetzt und 1985 spielt Rebecca Makkais „Die Optimisten“. Es geht um das Leben interessanter Persönlichkeiten im Bereich Kunst und Kultur in Zeiten von Aids, erläutert die Leiterin.

Für Jugendliche empfiehlt Braun „Vor uns das Meer“ von Alan Gratz. Es behandelt ein nach wie vor aktuelles Thema: Flucht. Geschickt verwebt der Autor die Geschichten dreier Jugendlicher aus unterschiedlichen Zeiten, die aus ihrer Heimat flüchten: Die von Josef, der 1939 vor den Nazis flieht, von Isabel, die 1994 von Kuba aus nach Amerika startet und Mahmoud, der 2015 von Aleppo aus nach Deutschland flieht. Ab zwölf Jahren ist es geeignet, ab zehn, wenn es gemeinsam mit den Eltern gelesen wird, so Braun.

Für die Jüngsten hat sie mit „Flemming – ein Frosch will zum Ballett“ ein lustiges Kinderbuch von Anja Ackermann parat. Wer mit seinem Kind die Pandemie thematisieren will, sei mit LeUyen Phams Bilderbuch „Drinnen Draußen“ gut beraten, in dem sie den Lockdown aus Kindersicht aufgreift. Und in „Zwei Jungs und eine Hochzeit“ von Andrée Poulin geht es um Vielfalt und Toleranz, als Emil und Mathis, die die besten Freunde sind, im Sandkasten beschließen, dass sie heiraten wollen.

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