3 500 Euro für Tierschutz / Silke Wingen gibt Vorsitz ab

Rotenburger spenden für Hund, Katze und Igel

Ein Raum voller Spendentüten: Silke Wingen (l.) und Merwel Otto-Link sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Rotenburger.
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Ein Raum voller Spendentüten: Silke Wingen (l.) und Merwel Otto-Link sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Rotenburger.

Mulmshorn – Auf Tischen und Stühlen, in den Regalen und auf dem Fußboden – überall im Aufenthaltsraum des Tierheims stapeln sich die Spenden an den Tierschutzverein und die Igelpflege Rotenburg. Zum dritten Mal hatten Tierheimleiterin Silke Wingen und Merwel Otto-Link von der Igelpflege Rotenburg beim Futterhaus im Wümmepark in der Adventszeit einen Weihnachtsbaum mit Tierfotos bestückt.

„Darauf standen Wünsche, die Kunden einlösen konnten. Die Spendenbereitschaft war in diesem Jahr besonders groß“, sagt Filialleiter Rick Pulla.

In der vergangenen Woche überreichte er die Spenden – Futter, Spielzeug, Körbchen und mehr – in einem Gesamtwert von mehr als 3 500 Euro an die beiden Vereine. „Wir haben die Aktion erneut damit unterstützt, dass Kunden einen Rabatt auf ihren Einkauf erhalten haben“, so Pulla.

Für Silke Wingen und Merwel Otto-Link geht ein anstrengendes Jahr zu Ende. Wingen hat aus gesundheitlichen Gründen den Vorsitz des Vereins Ende Oktober abgegeben und beschränkt sich seitdem auf die Leitung des Tierheims. „Beides unter einen Hut zu bekommen, ist unmöglich“, begründet sie den Schritt.

Einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für den Posten zu finden, gestaltet sich schwierig. „Ramona Hachtmeister hat sich bereit erklärt, das übergangsweise zu machen. Aber auch sie kann das nicht dauerhaft leisten. Wir brauchen deshalb dringend eine andere Lösung – aber diese zu finden, ist uns bisher leider nicht gelungen“, bedauert Wingen.

Ob sie sich selbst die Rückkehr in den Vorstand vorstellen kann, ließ sie offen: „Das kann ich noch nicht sagen. Dafür müssten die Rahmenbedingungen stimmen. In jedem Fall würde ich dafür die Tierheimleitung abgeben.“ Auch diese Lücke müsste dann jedoch gestopft werden.

Vorsichtig optimistisch bewertet Wingen derzeit die finanzielle Lage des Tierheims. „In den vergangenen Jahren standen wir häufiger kurz vor dem Aus, das ist dieses Mal nicht so. Der Jahresstart ist in jedem Fall gesichert“, betont Wingen, die nach eigener Aussage auf ein kleines, aber engagiertes Team von Helfern setzt.

Die Mittel seien jedoch weiterhin knapp und das Tierheim deshalb auf finanzielle Spenden angewiesen: „Im Moment haben wir Tierarztkosten in Höhe von monatlich 3 000 bis 5 000 Euro. Die reißen jedes Mal große Löcher in unsere Kasse.“

In diesen Tagen ist Wingen dabei, die Jahresbilanz für das Tierheim zu erstellen: 103 Fundtiere haben die Mitarbeiter demnach bis Mitte Dezember aufgenommen. Zusätzlich wurden 50 Tiere abgegeben, weil Besitzer sie aufgrund von Scheidung oder Jobwechsel nicht behalten konnten oder verstorben sind. „140 Tiere haben wir insgesamt im Laufe des Jahres vermittelt“, betont Wingen.

Besonders die Aufnahme, Pflege und Vermittlung von Katzen habe viel Arbeit gemacht. „Wir hatten sehr viele kranke oder verletzte Tiere, zum Beispiel Kitten mit Lungenwürmern, die kaum eine Überlebenschance hatten, außerdem viele Katzen, die trotz Verordnung weder gechippt noch kastriert und registriert sind.“ Zusätzlich hätten sich Unfälle gehäuft: „In mehreren Fällen musste ein Bein oder der Schwanz amputiert werden. Auch dies ist ein Grund für die hohen Tierarztkosten.“

Derzeit betreut das Tierheim 19 Katzen, vier davon sind aufgrund einer Erkrankung in Pflegestellen untergebracht. Im Tierheim lebt außerdem ein Hund mit trauriger Vergangenheit: „Brutus wurde verprügelt und hat offenbar Schäden davon zurückbehalten. Wir lassen das in der Tierklinik abklären“, berichtet Silke Wingen.

Wie in den vergangenen Jahren hat das Tierheim in der Weihnachtszeit einen Abgabestopp verhängt, der bis zum 8. Januar gilt. Damit soll verhindert werden, dass Hunde, Katzen oder Nager in dieser Zeit verschenkt werden.

Viel los ist derzeit auch bei der Igelpflege Rotenburg, wie Vorsitzende Merwel Otto-Link berichtet. „Seit Frosteinbruch haben wie extrem viele Aufnahmen. Nur wenige Igel schlafen wegen der warmen Tage kurz vor Weihnachten. Viele von ihnen sind abgemagert und wiegen zum Teil nur 200 Gramm. Weil die Nahrung knapp ist, fressen sie aus Verzweiflung sogar Nacktschnecken – die Folge sind oft lebensgefährliche Lungenwürmer.“

134 Igel versorgen die Ehrenamtlichen aktuell in Rotenburg und der Außenstelle in Bremen, täglich kommen weitere hinzu. Etwa 60 Igel befinden aufgrund schwerer Verletzungen oder Erkrankungen auf der Intensivstation und müssen zum Teil auch nachts versorgt werden.

Merwel Otto-Link berichtet von einem Rekordjahr: „Insgesamt 830 Igel wurden bei uns abgegeben, 200 weitere wurden mit unserer Hilfe von den Findern versorgt, bis diese ausgewildert werden konnten. Im Jahr 2021 kommen wir also auf mehr als 1 000 Igel, im Jahr zuvor waren es ,nur‘ 609.“ Die Gründe dafür seien vielschichtig: Einerseits fehle es den Igeln an Nahrung, weil es immer weniger Insekten gebe, außerdem würden immer mehr Igel beispielsweise durch Mähroboter verletzt. „Das was wir hier tun, ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und wird den Igel nicht vorm Aussterben retten“, fürchtet Otto-Link.

Die Pflege und Betreuung der Schützlinge ruht im Tierheim genauso wie bei der Igelpflege nicht an den Festtagen und zwischen den Jahren. Und so werden Wingen und Otto-Link mit Ehrenamtlichen auch an Heiligabend und an den beiden Weihnachtstagen im Einsatz sein.

Wer die Arbeit der Igelpflege Rotenburg unterstützen will, findet auf der Facebook-Seite einen Link zur Amazon-Wunschliste. Zusätzlich freut sich das Team jederzeit über Einmalunterlagen und Zeitungen. „Schließlich müssen die Käfige täglich gereinigt werden und dafür brauchen für Material“, erklärt Merwel Otto-Link.

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