„Kinder müssen Jacke tragen“

Rotenburger Schulleitungen starten mit gemischten Gefühlen in die Ferien

Die IGS Rotenburg
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Die Ferien haben begonnen, die Schulhöfe sind verwaist – wie es nach den Sommerferien weitergehen soll, dazu gibt es noch viele offene Fragen.

Vierte Welle - oder nicht? Die Rotenburger Schulen bereiten sich auf den Herbst vor, und stehen zudem vor der Frage, ob Unterricht in Präsenz möglich sein wird, oder ob es wieder ins Homeschooling geht.

Rotenburg – Endlich Ferien. Für die Rotenburger Schüler hat die schönste Zeit des Jahres begonnen. Auch die Lehrer haben in den kommenden Wochen frei – die meisten von ihnen kehren aber deutlich früher als sonst zurück. Denn coronabedingt gibt es einige neue Regeln, die nach den Sommerferien greifen – die Unsicherheit wegen der steigenden Inzidenzzahlen und einer drohenden vierten Welle ist außerdem groß, besonders mit Blick auf die Herbst- und Wintermonate.

Das bestätigen die beiden Schulleiterinnen Catrin Cramme (Kantor-Helmke-Schule) und Iris Rehder (Ratsgymnasium) sowie Schulleiter Sven Thiemer (IGS) auf Nachfrage der Kreiszeitung. Die Corona-Pandemie stelle die Schulen demnach weiter vor große Herausforderungen – und das Kollegium vor zahlreiche Fragen: Ist ein Präsenzunterricht auch in den kalten Monaten möglich oder müssen die Schulen zum Homeschooling zurückkehren? Wird bald ein Impfstoff für Schüler unter zwölf Jahren zugelassen? Wie entwickeln sich die Inzidenzzahlen bis zum Schulbeginn? Und welche Regeln gilt es dann, umzusetzen?

Luftfilteranlagen bleiben Mangelware

Derzeit spricht vieles dafür, dass die Schulen weiterhin dazu gezwungen sind, selbst für Frischluft zu sorgen. Luftfilteranlagen sind weiterhin Mangelware und sollen es an den städtischen Schulen vorerst auch bleiben – obwohl der Bund dem Land weitere 200 Millionen Euro für deren Ausrüstung zur Verfügung stellt.

Bürgermeister Andreas Weber (SPD) hat auf Nachfrage von Frank Westermann (CDU) jüngst im Stadtrat erklärt, dass die Verwaltung sich noch nicht um Luftfilteranlagen für die vier städtischen Schulen bemüht habe, weil diese noch nicht den Bedarf angemeldet hätten.

Dem widerspricht die Leiterin der Kantor-Helmke-Schule Catrin Cramme. Sie stellt klar, dass es darüber im Laufe des zweites Halbjahres Gespräche mit der Stadt gegeben habe. „Lüften ist bei uns in der Grundschule nach wie vor ein großes Thema, denn in der Winterzeit wird es schwierig. Kinder müssen dann warme Jacken oder eine Decke mitbringen. Besonders den Schülern, die am Fenster sitzen, wird schnell kalt. Das Problem hatten wir im vergangenen Winter auch schon.“

CO2-Ampeln für die Schulen

Die städtischen Schulen hätten deshalb frühzeitig den Wunsch geäußert, möglichst alle Klassen mit Luftfilteranlagen auszustatten – dafür jedoch vorerst eine Absage erhalten: „Uns wurde mitgeteilt, dass es aus finanziellen Gründen nicht möglich ist, alle Klassen auszustatten. Die Erklärung haben wir eingesehen.“

Weber hatte gegenüber den Ratsmitgliedern außerdem angegeben, dass die Lüfter ohnehin noch sehr laut seien und deshalb den Unterricht stören würden. Diese Befürchtung teilt Cramme nicht: „Wir haben Raumlüfter bereits dort aufgestellt, wo nicht gelüftet werden kann, weil die Zimmer keine Fenster haben – zum Beispiel im Raum unserer Schulsozialarbeiterin. Unsere Erfahrungen mit den Geräten sind sehr gut.“

Testpflicht für Lehrer entfällt

Von der Stadt Rotenburg habe die Kantor-Helmke-Schule immerhin sogenannte CO2-Ampeln erhalten. „Diese schalten zunächst auf Gelb und dann auf Rot, wenn der CO2-Gehalt zu hoch ist. Das hilft zwar ein wenig in der Winterzeit – aber es wäre trotzdem gut, einen Raumlüfter in jedem Klassenzimmer zu haben“, betont Cramme.

Weil es coronabedingt einige neue Regelungen gibt, die zum Schulstart greifen, starte sie um etwa eine Woche früher als sonst mit den Vorbereitungen auf das neue Schuljahr. „Das Kollegium und ich müssen uns gut vorbereiten.“

Nach den Sommerferien entfalle die Testpflicht für geimpfte Lehrkräfte. Schüler müssten sich dagegen weiterhin zweimal die Woche testen, bevor sie in die Schule kommen. „Die Testpflicht zieht jedoch nach sich, dass die Präsenzpflicht aufgehoben ist. Eltern können also weiterhin entscheiden, dass ihr Kind Homeschooling macht. Davon haben zuletzt sechs Familien Gebrauch gemacht – wobei zwei dieser Schüler Vorerkrankungen haben. Wir wünschen uns die Präsenzpflicht zurück.“

Cramme macht sich nach eigenen Worten Sorgen um Urlaubsrückkehrer aus dem Ausland: „Es ist wichtig, dass die Kinder negativ getestet sind, wenn sie in die Schule zurückkehren. Einige kommen schließlich aus Risikogebieten – wenn ein Schüler das Coronavirus mitbringt, haben wir ein Problem.“ Sie hoffe darauf, dass bald ein Impfstoff auch für Grundschüler zugelassen werde. „Am liebsten natürlich eine Schluckimpfung.“

Vorsicht bei den Einschulungen

Mit großer Vorsicht gestalte die Kantor-Helmke-Schule die Einschulungen. Jede der vier künftigen ersten Klassen soll ihre eigene Feier bekommen, nur Eltern und Geschwister dürfen dabei sein. „Wir wollen kein Risiko eingehen“, so Cramme.

Sie hofft darauf, dass ihre Schule im kommenden Schuljahr wieder mehr von dem umsetzen kann, was den Unterricht schön mache: „Sportunterricht und Singen zum Beispiel. Wir sind eine musikalische Grundschule – leider war das nur in eingeschränktem Rahmen möglich. Das gilt auch für gemeinsame Veranstaltungen in der Aula, auf die wir lange verzichten müssen.“

Wir sind alle ferienreif.

Sven Thiemer

„Wir sind alle ferienreif“, sagt Sven Thiemer, Schulleiter der Rotenburger IGS. Das Schuljahr sei geprägt gewesen von „unzähligen Rundverfügungen, Erlassen, Rahmenhygieneplänen und kurzfristig umzusetzenden Vorgaben“. Deshalb sei so einiges auf dem Schreibtisch liegen geblieben, das in den Ferien abgearbeitet werden müsse.

Für die Ferien hätten die Schulleitungen außerdem neue Aufgaben aus dem Ministerium und dem Landesamt bekommen. „Auch den Lehrkräften wird sicher nicht langweilig. Dennoch schauen wir alle, dass wir uns die notwendige Erholungszeit gönnen und auch mal ein paar Tage abschalten und Ferien machen.“

Das Kollegium der IGS habe gelernt, mit der Pandemie zu leben: „Wir werden zu Beginn des Schuljahres umfassend erheben, wo die Schüler stehen, welche Unterrichtsinhalte des vergangenen Schuljahres wiederholt oder nachgeholt werden müssen. Anschließend werden dann in den verschiedenen Fächern Projekttage durchgeführt“, kündigt Thiemer an.

Technisch sieht er seine Schule „gut ausgestattet – mit einem stabilen IServ-Netzwerk, digital gut geschulten Lehrkräften, mit Leih-Notebooks für Schüler und nun auch dem Glasfaserbreitband-Anschluss“.

Sorgenvoller Blick auf den Herbst

Die Corona-Entwicklung verfolge er jedoch mit Sorge: „Wir sehen ja gerade, wie die Inzidenzen bei unseren europäischen Nachbarn hochschnellen. Die nächsten Wellen und Mutationen werden kommen, und wir werden nicht auf ein schnelles Ende der Pandemie hoffen können. Sicherlich werden wir auch in Niedersachsen wieder erleben, dass wir phasenweise in das Distanzlernen wechseln müssen, vielleicht mal komplett, vielleicht mal in Halbgruppen. Ganz bestimmt werden wir nicht im Szenario A durch den Winter kommen.“

Er könne noch keine Prognose darüber abgeben, wie die Situation nach den Ferien sein werde: „Ich finde aber, dass wir schulisch gut aufgestellt sind. Die größte Belastung wird es für die Eltern jüngerer Schüler geben, die dann im Distanzlernen zu Hause beaufsichtigt werden müssen.“ Thiemer hofft, dass das Land seine Teststrategie noch intensiviert und nicht mehr pauschal die Präsenzpflicht aufhebt. „Es hat sich gezeigt, dass es den Kindern in den meisten Fällen nicht guttut, wenn sie dauerhaft zu Hause lernen.“

Für eine mögliche Ausstattung mit Lüftern befürworte er eine nachhaltige Lösung: „Wir haben einige mobile Luftreiniger. Zielführend, auch im Hinblick auf Wartung, Folgekosten und Nutzen, wäre zu überlegen, ob man in den Schulen nicht eine intelligente Lüftung einbaut, die im Winter die Klassenräume nicht auskühlt, sie trotzdem mit Frischluft versorgt und verbrauchte Luft absaugt. Das wären dann aber fest installierte Lüftungsanlagen, die nicht mal eben nachgerüstet werden können. Ansonsten bin ich froh, dass wir in den meisten Fällen geräumige Klassenräume haben, die alle gut belüftbar sind.“

Hoffen auf Präsenzunterricht

Iris Rehder, Leiterin des Ratsgymnasiums, möchte weiter den größtmöglichen Schutz gewährleisten: „Wir werden mit Testpflicht und Masken außerhalb der Klassenräume auch nach den Sommerferien verantwortungsvoll die bestehenden Hygieneregeln einhalten.“ Wie auf Inzidenzzahlen reagiert werden müsse, könne noch keiner vorhersagen. „Vorbei ist die Herausforderung sicher noch nicht.“

Die Schulleiterin hofft darauf, dass Präsenzunterricht dauerhaft möglich sein wird: „Dabei steht die Unterstützung unserer Schüler ganz klar im Vordergrund. Die Projektphase zu Beginn des Schuljahres wird Gelegenheiten für soziales Lernen geben. Wir werden aber nach einer Lernstandsdiagnose auch alle zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen, um entstandene Defizite aufzuholen. Dafür brauchen wir neben finanziellen Mitteln aber auch ausreichende Personalressourcen. Deshalb hoffe ich, dass wir nicht von weiteren Abordnungen betroffen sein werden.“

Das Lüften stelle kein großes Problem darf: „Grundsätzlich sind die meisten Räume durch Fenster gut belüftbar. Für die wenigen Räume, die komplett innenliegend sind, etwa vier, sind wir mit unserem Schulträger, dem Landkreis Rotenburg, im Gespräch.“

Arbeit an Ganztagsangebot

Darüber hinaus bemühe sich das Ratsgymnasium um Lösungen für pädagogische Mitarbeiter „und hoffentlich endlich einen Schulsozialarbeiter. Das ist nicht erst seit diesem Schuljahr mein großer Wunsch, um den ich mich hartnäckig – aber bisher leider erfolglos – bemühe.“

Das Ratsgymnasium arbeite an einem attraktiven Angebot im Ganztag, damit Schule ein Ort zum Lernen und Leben bleibe, an dem die Kinder auch mit Gleichaltrigen spannende Erfahrungen über das Lernen hinaus machen können.

Rehder hofft auf internationale Begegnungen: „Wir erwarten unsere polnischen Freunde aus Wengorcewo im September, das Kollegium plant Klassenfahrten zur Jugendbegegnungsstätte nach Lommel in Belgien. Wir werden abwarten müssen, welche dieser Pläne sich realisieren können“, so Rehder.

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