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Schulen bereiten sich auf Quarantänemaßnahmen vor

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Von: Ann-Christin Beims

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Schüler sitzen im Klassenzimmer
Die Schüler testen sich bis Schuljahresende täglich und tragen dauerhaft ihre Masken. © Beims

Mit steigenden Coronazahlen bei der sich schnell verbreitenden Omikron-Variante verändert sich die Lage an den Schulen. Diese versuchen, mit strikten Maßnahmen den Präsenzunterricht aufrecht zu erhalten. Dennoch kann es, zum Beispiel bei vielen Quarantänefällen unter den Lehrkräften, schnell zu Engpässen kommen.

Rotenburg – Die Schule hat wieder angefangen, und viele Kinder und Jugendliche freuen sich mehr als sonst nach den Ferien, wieder hinzugehen. „Präsenzunterricht ist verdammt wichtig“, sagt Sven Thiemer, Leiter der Integrierten Gesamtschule (IGS). „Wir merken, wie sehr es sie freut, unter Kindern zu sein und Spaß zu haben“, schließt sich Stadtschul-Leiterin Melanie Schumann an. Doch mit der sich schnell ausbreitenden Omikron-Variante des Coronavirus, die auch im Landkreis Rotenburg die dominierende Form ist, tauchen wieder Sorgen und Bedenken auf: Kann Präsenzunterricht bei Personalengpässen durch erhöhte Krankheitsstände, Quarantäne- oder Selbstisolationsmaßnahmen funktionieren?

Um diesen aufrecht erhalten zu können, gelten mit Start nach den Ferien strengere Maßnahmen. Und die Schüler halten sich an die Regeln, ist die Erfahrung der Schulleiter – weil ihnen diese inzwischen auch allzu vertraut sind: „Sie tragen pflichtgemäß ihren medizinischen Mundschutz, halten Abstand, wo es nötig ist, und testen sich täglich“, erklärt Schumann.

Die Tests sollen Ungeimpfte bis Ende des Halbjahres durchführen, Geimpfte und Genesene testen sich auf freiwilliger Basis. „Mit unserem Sicherheitsnetz, bestehend aus anlasslosen Selbsttests, anlassbezogenen Intensivtestungen, dem freiwilligen Testangebot für geimpfte und genesene Schülerinnen und Schüler, den Hygieneplänen und Lüftungskonzepten sowie den Impfangeboten für Kinder, Jugendliche und das Personal, sind gute Rahmenbedingungen für Präsenzunterricht mit möglichst viel Normalität gegeben“, formulierte es Kultusminister Grant Hendrik Tonne am Montag.

Dass tägliche Tests bis zum Ende des ersten Halbjahres Ende Januar durchgeführt werden sollen, nicht nur in der ersten Woche, war vielen Schulen aber zunächst gar nicht bekannt. Eine direkte Mitteilung an die Schulen kam erst am Donnerstag, berichtet Thiemer. Darin wirbt der Minister dafür, dass sich zudem auch geimpfte und genesene Schüler täglich testen. Gleich am ersten Schultag nach den Ferien hatten beispielsweise sechs IGS-Schüler positive Selbsttests. Treten in diesen Tagen nun weitere Fälle auf, muss sich automatisch die gesamte Klasse testen – unabhängig vom Impfstatus.

Die Schüler müssen viele Regeln beachten, um einen Präsenzunterricht zu ermöglichen. Als Erinnerung daran finden sich überall in den Schulen wie hier beim Ratsgymnasium Hinweisschilder, so Leiterin Iris Rehder.
Die Schüler müssen viele Regeln beachten, um einen Präsenzunterricht zu ermöglichen. Als Erinnerung daran finden sich überall in den Schulen wie hier beim Ratsgymnasium Hinweisschilder, so Leiterin Iris Rehder. © Beims

Das Überprüfen der Tests frisst Zeit, die ohnehin knapp bemessen ist. Die Lehrer müssen jeden Morgen schauen, wer sich testen muss, ob das Ergebnis und die Unterschrift der Eltern vorliegen. Konsequenter – und einfacher – wäre es von vornherein gewesen, wenn sich alle testen müssten, sagt Thiemer.

„Wichtig ist, dass möglichst viele sich nicht anstecken, und da stehen meiner Meinung nach die Erwachsenen derzeit in der Pflicht“, merkt Schumann an. „Wohl auch in der Impfpflicht.“ Zum Schutz der Grundschüler, von denen viele noch nicht geimpft sind. Sie verzeichnet in der Stadtschule Quarantänefälle, wenngleich derzeit nur wenige. Die Schüler erhalten das Material und Aufgaben, arbeiten das Versäumte zuhause nach. Digitales Verschicken ist über die Schulplattform Iserv möglich, viele Eltern holen die Unterlagen aber nach wie vor ab. „Dafür gibt es eine Abhol- und Bringstation vor dem Sekretariat“, so Schumann. Ziel ist es, mit fehlenden Kindern möglichst viel persönlich in Kontakt zu stehen.

„Vorbereitet auf andere Szenarien sind wir, wollen diese aber nicht so gerne umsetzen. Hier stellt sich die Frage derzeit nicht, da das Kultusministerium die Vorgaben ausgibt, die Schulleitungen entscheiden nicht und das ist auch gut so“, sagt Schumann. Die neuen Regeln für den Schulstart waren rechtzeitig kommuniziert und nicht verändert worden. Das hat es erleichtert, meint auch Rehder – seien diese doch „weitgehend nachvollziehbar“.

Minister Tonne und sein Team arbeiten zudem an einem „Handlungsrahmen zur Sicherstellung des Präsenzunterrichts bei angespannter Personallage“. Erste Hinweise, wie dann zu verfahren ist, haben die Schulen bekommen: Im Wesentlichen geht es darum, wo Unterricht ins Digitale verlagert oder auch gestrichen werden kann. Der IGS-Leiter macht vor Ort schon den Praxistest. Das zeigt die Anfrage der Presse, die zunächst vertröstet werden muss: Durch Krankheit und Quarantäne ist es eng im Personalstock. Gibt es in dieser Jahreszeit ohnehin oft Ausfälle, „merken wir jetzt die Omikron-Welle“, erzählt Thiemer.

Wir merken jetzt die Omikron-Welle.

Sven Thiemer, Schulleiter der IGS

Bei Infektionen innerhalb der Familien müssen auch Lehrkräfte in Quarantäne. Unterricht per Videoschalte ins Klassenzimmer ist keine Option – es müsste trotzdem eine Aufsicht vor Ort sein. Die Folge sind Vertretungsunterricht oder Ausfälle. „Wir knapsen gerade“, sagt Thiemer. Zusätzlich ist eine Kollegin schwanger, die angesichts des frühen Stadiums arbeiten könnte, durch die hohe Inzidenz aber die Schule vorerst nicht betreten soll. Als Kreativlösung wird sie die Schüler übergangsweise von Zuhause aus unterrichten. Das geht, weil ihre Stunden am Rand liegen und sich die Kinder selbst von Zuhause aus per Video zuschalten und danach in die Schule oder mittags von dort in den Heimunterricht wechseln.

Hybrid-Unterricht mit zugeschalteten Schülern in den Klassenraum hingegen müsste anders geplant werden und sei kurzfristig nicht umsetzbar, sagt Thiemer. Auch Rehder sieht darin „kein flächendeckendes Modell“. Es kann im Einzelfall möglich und sinnvoll sein. Aber: „Die Beteiligung funktioniert gerade in jüngeren Jahrgängen nur eingeschränkt.“ Hinzu kommt, dass die digitale Infrastruktur zwar verbessert ist, doch bleiben „sehr viele Videoschaltungen aus dem Schulgebäude heraus problematisch“, sagt Rehder. Zumindest zeitlich begrenzt werden einzelne Jahrgänge oder Klassen mitunter also wieder ins Homeschooling müssen. Solche Entscheidungen fallen dann in Absprache mit dem Gesundheitsamt.

Zu sagen, wie es weitergeht, fällt unter diesen Bedingungen schwer. Durch die Dauer der Pandemie fühlen sie sich gut vorbereitet – vor allem darin, neue Vorgaben zügig umzusetzen. „Bislang klappte alles“, so Schumann. „Auch wenn es manchmal belastend ist.“ Und die Belastung ist kein zu unterschätzender Faktor. „Die Änderungen und Anpassungen machen den Alltag schwer planbar“, sagt Rehder. Doch auch den Schülern fällt es zunehmend schwer, motiviert zu bleiben, fällt Thiemer auf. „Sie leiden durch die aktuelle Lage, die Lernbereitschaft sinkt.“ Und häusliche Probleme nehmen wieder zu. Schumann: „Wann wir wieder in die richtige Schulnormalität zurückgelangen, ist wohl für alle fraglich.“

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