13. Rotenburger Präventionsfachtag im Buhrfeindsaal

So ticken Jugendliche

Veranstalter und Referentinnen Burkhard Klein (v.l.), Karin Stabbert-Flägel, Sabine Reinicke, Marie Christine Bergmann, Thomas Teuber, Gabriele Schambach, Andreas Weber und Matthias Oltersdorf während der Fachtagung Prävention vor Ort. - Foto: Goldstein

Rotenburg - Von Heinz Goldstein. Die Erwachsenen werden täglich mit neuen Phänomenen aus dem Alltag von Kindern und Jugendlichen konfrontiert. Pokémon, Horror-Clowns oder Designerdrogen stoßen unter anderem bei Eltern, Lehrern und Erziehern auf Unverständnis. Mit spannenden Beiträgen sind am gestrigen Rotenburger Fachtag „Prävention vor Ort“ in der Kreisstadt Experten den Aktivitäten der jungen Generation mit Auswertungen von Studien, Ergebnissen von Befragungen und Praxisforen auf den Grund gegangen.

„Fly sein“, was in der Jugendsprache so viel heißt wie „etwas oder jemand geht besonders ab“ ist das Motto des gestrigen 13. Rotenburger Präventionfachtags im Buhrfeindsaal des Rotenburger Diako-Mutterhauses gewesen. Rund 160 Teilnehmer unter anderem Polizeibeamte, Sozialarbeiter, Pädagogen und Mitarbeiter von Jugendbehörden waren auf Einladung der Stadt, der Polizeiinspektion Rotenburg sowie der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Diakoniekrankenhauses zum Fachtag gekommen, um sich über neueste Erkenntnisse zu informieren. So präsentierte die Expertin Marie Christine Bergmann vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen Ergebnisse zum abweichenden Verhalten Jugendlicher nach einer aktuellen Studie vom April 2017.

Anstieg beim Cyber-Mobbing

„Bei der Befragung von Neuntklässlern hat sich für uns ein positives Bild abgezeichnet. Wir sehen einen Rückgang von abweichendem Verhalten bei Jugendlichen als Täter in der Gewaltkriminalität und bei Eigentumsdelikten“, erklärte Bergmann. Auch der Alkoholkonsum sei bei jungen Menschen rückläufig. Selbst in der Schule fühlen sie sich wohler (weniger Gewalt), als bei Befragungen in der Vergangenheit.

Auf der anderen Seite habe Bergmann einen Anstieg von Cyber-Mobbing festgestellt und auch bei Drogen sei ein Mehrkonsum zu verzeichnen. Dr. Gabriele Schambach von der Sinus-Akademie Heidelberg/Berlin referierte zum Thema „Wie ticken Jugendliche“ und legte erstaunliche Ergebnisse der Studie 2016 über das Verhalten junger Menschen unter 18 Jahren vor. Bei der Auswertung haben Jugendliche über ihr eigenes Verhalten in der Lebenswelt gesprochen. Dabei haben sich verschiedene Gruppen herauskristallisiert. Zu den Schwerpunktthemen – unter anderem Digitalisierung, Mobilität, Liebe und Partnerschaft und Glaube – haben Jugendliche erklärt, was ihnen dazu einfällt. Es werde in der Öffentlichkeit immer von „den Jugendlichen“ gesprochen, die lassen sich nicht alle in eine Schublade legen. „Es gibt verschiedene Jugendliche, die haben gleiche Werte und Grundorientierung“, die lassen sich in bestimmte Gruppen zusammenfassen, so Schambach.

So gebe es zum Beispiel die familien- und heimatorientierten Bodenständigen mit Traditionsbewusstsein und Verantwortungsethik, die erfolgs- und lifstyle-orientierten Networker auf der Suche nach neuen Grenzen und unkonventionellen Erfahrungen oder auch die um Orientierung und Teilhabe bemühten Jugendlichen mit schwierigen Startvoraussetzungen und einer Durchbeißermentalität.

Wenn für die Prävention Jugendliche angesprochen werden sollen, sei es wichtig zu wissen, welche Werte sie haben, um sie zu erreichen. Nach den verschiedenen Clustern können dann die Präventionsangebote ausgerichtet werden. Bei den Workshops am Nachmittag standen Themen wie „Gefahren politischer Radikalisierung“ ebenso auf dem Programm wie Prävention durch Sport, Mitmachparcours zur Alkoholprävention oder auch Aufklärung über die Gefahr des Rauchens von Cannabis.

Vor dem eigentlichen Startschuss hatten sowohl Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) als auch der stellvertretende Polizeipräsident des Regierungsbezirks Stade, Matthias Oltersdorf, auf die Bedeutung des hiesigen Fachtages hingewiesen.

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