Polizei legt Kriminalitätsstatistik vor

Landkreis Rotenburg bleibt ein sicherer Wohnort

+
Jeder dritte Einbruch wird im Landkreis aufgeklärt. Damit kann sich die hiesige Polizei brüsten schließlich liegt die Quote im Land gerade einmal bei 22 Prozent.

Rotenburg - Den Anstieg von Wohnungseinbrüchen betrachtet auch die hiesige Polizei mit großer Sorge. Nachdem am Montag Innenminister Boris Pistorius (SPD) die Kriminalitätsstatistik des Landes bekannt gegeben hatte, wurden gestern auch die Zahlen für die Region mitgeteilt. Doch trotz mancher Probleme lasse sich demnach festhalten: „Die Menschen im Bezirk der Polizeidirektion Lüneburg leben sicher“, so Lüneburgs Polizeipräsident Robert Kruse.

In seinen Zuständigkeitsbereich fallen die Landkreise Harburg, Heidekreis, Celle, Lüneburg, Lüchow-Dannenberg, Uelzen, Stade und Rotenburg. 83.174 Straftaten im Lüneburger Bereich im vergangenen Jahr bedeuten einen Anstieg von rund 5.000 Fällen. 6.728 Taten entfallen damit auf 100.000 Einwohner, womit die Polizeidirektion im Mittelfeld des Landesvergleichs und deutlich unter dem Bundesdurchschnitt (7263) liegt. Der Landkreis Rotenburg präsentierte sich 2015 demnach noch etwas positiver: Mit 10.205 bleibt die Zahl der registrierten Straftaten im Vergleich zum Vorjahr (10.185) fast gleich. Die Aufklärungsquote in Rotenburg liegt mit 61,34 Prozent (6.260 Taten) über dem Landesdurchschnitt von 61,1 Prozent und nur knapp unter der der Direktion Lüneburg mit 61,68 Prozent. Der finanzielle Schaden der Straftaten in den sechs Landkreisen ist im Vergleich zu 2014 um rund 15 Millionen Euro auf knapp 59 Millionen Euro gesunken.

Wohnungseinbrüche: „Erfreuliche Aufklärungsquote“

Im Fokus der Ermittler steht der auch bundes- und landesweit zu verzeichnende Anstieg an Wohnungseinbrüchen. „Durch die Nähe zu den Metropolregionen Hamburg, Bremen/Oldenburg und Hannover/Braunschweig mit einer sehr guten Anbindung an die Bundesautobahnen ist die Polizeidirektion Lüneburg für reisende Täter gut zu erreichen und leider ein attraktives Ziel“, so Polizeipräsident Kruse. Bei Einbruchdiebstählen sei das Sicherheitsempfinden der Bürger besonders betroffen – Vorbeugung und Aufklärung werde deswegen groß geschrieben. Da 2014 37,8 Prozent der Einbrüche im Versuchsstadium stecken geblieben seien, müsse die verstärkte Sicherung von Häusern und Wohnungen noch weiter ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken. Die Wohnungseinbrüche im Landkreis sind im Vergleich zu 2014 von 317 auf 350 Taten angestiegen. Mit 108 aufgeklärten Fällen verzeichnen die Ermittler im Landkreis jedoch eine „erfreuliche Aufklärungsquote“ von über 30 Prozent. Das liege deutlich über dem Landesdurchschnitt von 22 Prozent. Habe es noch im Jahr zuvor örtliche Brennpunkte in autobahnnahen Ortschaften wie Sittensen, Elsdorf, Mulmshorn und Stuckenborstel gegeben, so verteilten sich die Einbrüche 2015 vor allem auf die Bereiche um Rotenburg und Zeven.

Mit 4073 Diebstählen nahm insgesamt die Bearbeitung der Eigentumskriminalität den Löwenanteil der polizeilichen Ermittlungsarbeit ein. Besonders fiel den Beamten dabei ein starker Zuwachs an Ladendiebstählen auf. In einigen Fällen erlangten die Täter ihre Beute sogar mit körperlicher Gewalt. Dann lag ein Raub oder ein räuberischer Diebstahl vor. 2015 verzeichnete die Polizei insgesamt 54 Raubtaten. Mehr als zwei Drittel (37) davon wurden aufgeklärt.

Körperverletzungen und Tötungsdelikte

Körperverletzungen wurden 2015 insgesamt 1100 registriert, ein leichter Rückgang. Die Aufklärungsquote liegt hier mit 91,82 Prozent sehr hoch. Echte Mordfälle mussten die Ermittler im Landkreis Rotenburg nicht aufklären. Trotzdem verzeichnet die Kriminalstatistik sechs größtenteils versuchte Tötungsdelikte. Im spektakulärsten Fall hatte im vergangenen Oktober ein damals 62-jähriger Mann bei einem Nachbarschaftsstreit in Selsingen mit einer Waffe auf seinen 39-jährigen Widersacher geschossen. Die Kugel verfehlte aber ihr Ziel. In Rotenburg kam es Anfang des vergangenen Jahres nach Beziehungsstreitigkeiten eines jungen Paares zu Handgreiflichkeiten. Der Mann soll seine im frühen Stadium schwangere Frau geschlagen haben. Die Mutter verlor ihr Kind. Die Beamten ermittelten wegen eines Schwangerschaftsabbruchs. Zudem ist in Bremervörde im Februar ein erst wenige Wochen altes Baby mit Anzeichen eines Schütteltraumas in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Die noch sehr jungen Eltern stehen im Verdacht, einen versuchten Totschlag begangen zu haben. Im Juli hatte zudem ein Mann bei der Selsinger Polizei angezeigt, dass Radmuttern an seinem Fahrzeug gelöst worden waren. In diesem Fall entschied die zuständige Staatsanwaltschaft auf Ermittlungen wegen eines versuchten Totschlags.

Erfreulich aus Sicht der Polizei sei abschließend der Rückgang an straffällig gewordenen Kindern und Jugendlichen. Waren 2014 noch 181 strafunmündige Kinder und 514 Jugendliche als Täter aufgefallen, lag die Zahl der Kinder, die eine Straftat begangen haben, 2015 bei 155 und bei Jugendlichen bei 482. Auffällig in diesen Altersklassen sei ein erfreulicher Rückgang an Sachbeschädigungen und an Rohheitsdelikten. Häufiger traten Jugendliche allerdings bei Ladendiebstählen und bei Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz in Erscheinung.

Flüchtlinge spielen als Straftäter bislang kaum eine Rolle

Die Zahlen sind noch dürftig, aber die Rotenburger Polizei spricht beim Blick auf die derzeit mitunter hitzig geführte Diskussion um einen Anstieg der Kriminalität durch den Zuzug von Flüchtlingen und Asylbewerbern von „Entwarnung“. Die Leiterin der hiesigen Kriminalpolizei, Kriminaloberrätin Petra Guderian: „Wir können anhand einer detaillierten Auswertung nichtdeutscher Tatverdächtiger klar erkennen, dass der Großteil dieser Täter aus dem östlichen Europa und der Türkei stammt.“

Diese sind laut der Rotenburger Kriminalitätsstatistik vor allem bei Ladendiebstählen auffällig – als vielfach „überörtlich agierende Kriminelle, die von Tatort zu Tatort reisen“ und so oft schwer zu fassen seien. Der Anteil der durch Ausländer begangenen Straftaten habe sich aber nicht erheblich verändert (Grafik). Von der Herkunft der Tatverdächtigen seien im Bereich der Polizeiinspektion Rotenburg osteuropäische Täter weiter am häufigsten vertreten, aber auch nicht auffälliger als im niedersächsischen Durchschnitt. Straftaten durch Flüchtlinge spielten in der Gesamtbetrachtung eine eher untergeordnete Rolle und erzeugten keinen Kriminalitätsbrennpunkt. Sexuell geprägte Taten, wie in der Silvesternacht in Köln, seien im Landkreis Rotenburg nicht angezeigt worden. Die übergeordnete Polizeidirektion in Lüneburg berichtet, dass seit Anfang September in den sechs zugehörigen Landkreisen Harburg, Heidekreis, Celle, Lüneburg, Lüchow-Dannenberg, Uelzen, Stade und Rotenburg mehr als 10.000 Flüchtlinge in Notunterkünften untergebracht worden seien. Allerdings sei erst Anfang November damit begonnen worden, eine spezielle Auswertungsmöglichkeit zu schaffen, um Straftaten von und gegen Flüchtlinge zielgenau erfassen zu können.

Für den Tatzeitzeitraum vom 5. November bis 31. Dezember seien im gesamten Direktionsbereich 12 650 Straftaten aller Arten erfasst worden. Davon seien in 574 Deliktsfällen Flüchtlinge tatverdächtig. Hierbei handele es sich jedoch um eher „niedrigschwellige“ Straftaten, häufig wechselseitig unter Flüchtlingen begangen: leichtere Körperverletzungen, Ladendiebstähle und natürlich ausländerrechtliche Vergehen. Belastbare Aussagen seien wegen des erst kurzen Betrachtungszeitraumes kaum möglich. Bisher deuteten die Zahlen aber nicht auf eine besorgniserregende Beteiligung von Flüchtlingen am Kriminalitätsgeschehen hin, heißt es.  mk

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Sommerreise durch den Landkreis Diepholz - der Montag

Sommerreise durch den Landkreis Diepholz - der Montag

Ankunft im Landhotel Schnuck in Schneverdingen

Ankunft im Landhotel Schnuck in Schneverdingen

Boule-Meisterschaft um den Mühlenteichpokal

Boule-Meisterschaft um den Mühlenteichpokal

Freaks and Folks, Fans and Friends - 55.000 feiern beim Deichbrand

Freaks and Folks, Fans and Friends - 55.000 feiern beim Deichbrand

Meistgelesene Artikel

Auto prallt frontal gegen Baum - Fahrerin schwer verletzt

Auto prallt frontal gegen Baum - Fahrerin schwer verletzt

Chester Bennington beim Hurricane: „Einer der besten Auftritte“

Chester Bennington beim Hurricane: „Einer der besten Auftritte“

Notfallpatienten werden in Zeven nicht mehr aufgenommen

Notfallpatienten werden in Zeven nicht mehr aufgenommen

Ab Mittwoch rollt wieder der Verkehr auf der B 440

Ab Mittwoch rollt wieder der Verkehr auf der B 440

Kommentare