Reaktionen zu Corona-Beschlüssen

Politik aus der Region Rotenburg sieht keine Alternativen zum Lockdown

Schild zur Maskenpflicht in der Rotenburger Innenstadt an einem Weihnachtsbaum
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Die Maskenpflicht ist in der Rotenburger Innenstadt wie an vielen anderen Orten zum Alltag geworden.

Der Lockdown wird verlängert. Was sagt die Politik aus der Region Rotenburg?

  • Lockdown wird bis 31. Januar verlängert
  • Politik in der Region sieht keine Alternativen
  • Landkreis informiert am Mittwoch zu Impfkampagne

Rotenburg – Der Corona-Lockdown wird verlängert, und er wird verschärft. Die bisherigen Maßnahmen haben offensichtlich nicht ausgereicht, die Infektionszahlen ausreichend zu senken. Auch die Region steht weiter still, mit weitreichenden Folgen für viele Betriebe, Schulen und das gesellschaftliche Leben insgesamt. Ist das richtig so? Die Politik aus der Region ist sich einig: Es geht nicht anders – leider.

Kritische Worte fallen wenige. Vielmehr geht es um Verständnis, vielleicht auch um Ermahnungen und Lob für die, die die schwersten Lasten der Pandemie tragen: Nach den Beschlüssen von Bund und Ländern zur Verlängerung des Lockdowns mit den verschärften Maßnahmen werben die politischen Stimmen der Region am Dienstagabend in ersten Reaktionen zumeist darum, sich wirklich an die Regeln zu halten. Damit verbunden ist die Hoffnung, die Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) exemplarisch formuliert: „Durch die weiterhin erforderliche Reduzierung von Kontakten und die parallel anlaufenden Impfungen werden wir vermutlich schon Mitte 2021 erhebliche Lockerungen erleben können.“ Doch das ist noch ein weiter Weg. Weber: „Wir müssen uns weiterhin der Gefährlichkeit des Virus bewusst sein und absolut diszipliniert bleiben und die notwendigen Regeln beachten.“

Die Impfungen laufen im Landkreis Rotenburg an - aber auch langsam, wie vielerorts.

Ob die im Ganzen richtig sind, stellt der Europaabgeordnete Jan-Christoph Oetjen (FDP) aus Sottrum zumindest teilweise infrage. Die Entscheidung zur Verlängerung der Corona-Maßnahmen sei zwar „vernünftig“. Aber „dass wir erneut zu diesen Maßnahmen greifen müssen, zeigt, dass eine langfristige Strategie für Corona fehlt. Ob für Schulen, das Impfen oder die Wirtschaft.“ Niedersachsens Landesregierung lasse diesbezüglich vieles vermissen. Gerade die Einführung eines maximalen Bewegungsradius’ sieht der Liberale kritisch: „Bei uns im ländlichen Raum ist ein fester Bewegungsradius unverhältnismäßig und nur schwer umzusetzen, während sich in den Städten für die Menschen wenig ändert.“ Gastronomie und Handel müssten dringend finanziell besser unterstützt werden, sonst verliere man viele Geschäfte und Restaurants, „die das Leben in unserer Region ausmachen“.

Die Wirtschaft leidet, vielleicht noch mehr die Familien. Das betont der SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil: „Solange Schulen und Kitas geschlossen bleiben und Eltern nicht wissen, wie sie Homeschooling und die Betreuung von Kitakindern zu Hause mit ihrem Job vereinbaren sollen, brauchen wir bessere Lösungen als die bisherigen. Das hat uns der erste Lockdown im Frühjahr gelehrt. Ich persönlich mache mich deshalb für zusätzlichen Sonderurlaub für betroffene Eltern stark.“ Die Verlängerung des Lockdowns sei indes notwendig, weil man jetzt diese Kraftanstrengung brauche. „Jetzt zu lockern und dann in wenigen Wochen in den nächsten Lockdown zu gehen, wäre nicht verantwortlich“, so der Generalsekretär der Sozialdemokraten.

Menschenleben sind nicht verhandelbar.

Dirk Eberle

Bothels Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle sagt, dass es „im Sinne des sozialen Miteinanders, der christlichen Nächstenliebe und der Menschlichkeit keine Alternative zu den Maßnahmen des Lockdowns“ gibt, bis die Risikogruppen durch eine Impfung geschützt sind. „Menschenleben sind nicht verhandelbar.“ Dennoch werde er in ein paar Tagen wohl wieder fassungslos vor dem Fernseher sitzen und Menschen sehen, die „eigentlich keine Ahnung von dem Thema haben, aber plötzlich Schulter an Schulter mit Spinnern und Extremisten zu Demonstrationen gegen Regierungen, Medien und Wissenschaft antreten“.

Mehr versprochen hatte sich von den bereits zuletzt strengen Regelungen Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel. Für ihn steht nun außer Frage, dass die Schulen und Kitas noch länger geschlossen bleiben müssen, weil sich herausgestellt habe, dass das Virus auch dort weitergetragen werde, auch wenn die Kinder selbst seltener erkranken würden. Mit Kritik an der Bundes- und Landespolitik hält sich der 61-Jährige zurück: „Das lässt sich aus der Ferne schwer einschätzen. Die Situation ist für alle neu, und ich bin sicher, dass die Verantwortlichen es sich bei den Entscheidungen mit einer solchen Tragweite nicht leicht machen.“

Scheeßels Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU): „Offenbar sind die bisher gemeinsam zwischen Bund und Ländern errungenen Entscheidungen und die Umsetzung nicht ausreichend gewesen, um die Infektionszahlen in den Griff zu bekommen. Viele Menschen haben ihre Kontakte stark eingeschränkt, es ist notwendig, dass sich alle daran halten.“ Dass das bislang nicht immer so war, ist eindeutig. So sagt der Landtagsabgeordnete Eike Holsten (CDU) aus Rotenburg, dass viele sehr viel richtig gemacht hätten, und einige mit dem, was sie leisten können, an die Grenze des Zumutbaren gelangt seien. „Andererseits würde uns mehr Verantwortungsbewusstsein einzelner Mitbürger, die Regeln missachten, insgesamt sicher schneller durch die Pandemie bringen“, so Holsten.

Pressekonferenz zur Impfkampagne am Mittwoch

Und wie geht es weiter? „Tatsächlich werden wir noch eine ganze Zeit mit gewissen Einschränkungen sowie der Beachtung der Abstands- und Hygieneregeln und des Tragens der Alltagsmasken leben müssen“, so SPD-General Klingbeil. „Der Impfstoff ist unser Weg raus aus der Krise“, blickt der Europaabgeordnete Oetjen voraus. Die Umsetzung der Impfkampagne müsse jetzt oberste Priorität haben. „Spätestens ab Ostern“, so der CDU-Politiker Eike Holsten, rechne er mit einem schrittweisen Abklingen. „Die Pandemie ist, wie von vielen Wissenschaftlern von Beginn an festgestellt, ein Marathon und kein Sprint, und wir befinden uns noch nicht auf der Zielgeraden“, ergänzt Erster Kreisrat Torsten Lühring. Der hat übrigens für Mittwoch ins Kreishaus geladen – Pressekonferenz. Thema: die Impfkampagne vor Ort.

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