Rotenburger Nachtclub Smeraldo weicht einem neuen Wohnhaus

Das Ende einer Institution

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Vorbei: „Pino“ macht das Smeraldo dicht.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Zugegeben: Wirklich einladend wirkt bei Lichte betrachtet nicht mehr viel im Smeraldo. Aber das Leben im letzten Rotenburger Nachtclub hat sich eh nur abgespielt, wenn die Sonne längst untergegangen war oder bereits wieder am Morgenhimmel stand. Davon bekam der Besucher im fensterlosen Gastraum an der Goethestraße aber nichts mit. Viele Nischen zum Sitzen, eine kleine Tanzfläche und vor allem eine sehr lange Theke: Mehr brauchte es nicht, um aus dem Smeraldo einen legendären Anlaufpunkt zu machen. Am Freitag und am Samstag wird ein letztes Mal gefeiert.

„Ich glaube, Rotenburg braucht uns nicht mehr.“ Giuseppe, genannt „Pino“, Piras macht sich keine Illusionen, dass die alten Zeiten noch einmal aufleben. Er hört auf. Nach 37 Jahren ist für ihn und damit für das Smeraldo Schluss. Am 15. Januar 1978 stand er zum ersten Mal hinter der Theke, drei Jahre zuvor war das Lokal eröffnet worden. Jeden Tag Halligalli, erzählt er und lacht dabei – in den vergangenen Jahren war das Smeraldo nur noch am Wochenende geöffnet. Das jüngere Publikum blieb aus, seinen nicht unumstrittenen Ruf wurde das Lokal nicht wirklich los. Manchmal kamen die ersten Gäste erst mitten in der Nacht, erzählt Piras, das Ausgehverhalten habe sich geändert. Die, die jetzt unterwegs seien, werden auch woanders fündig, sagt er. Wenn sie denn überhaupt ausgehen und nicht nur am Computer sitzen.

Es schwingt etwas Wehmut mit, wenn Piras davon erzählt, wie er von Sardinien einst nach Deutschland kam, bei Volkswagen in Wolfsburg am Band stand und dann „viel unterwegs“ gewesen sei, eben auch in Rotenburg, wo er einen Landsmann getroffen habe, der das Smeraldo betrieb. Piras blieb, wurde heimisch – und Gastwirt. Die drei Kinder wurden in Rotenburg groß, seine Frau betreibt in der Kreisstadt einen Friseur-Salon. Und er selbst? „Ich setze mich zur Ruhe“, sagt der 63-Jährige. Allerdings mit einer Einschränkung: An diesem Wochenende sollen im Smeraldo noch einmal die alten Zeiten aufleben. Am Freitag ab 22 und am Samstag ab 21 Uhr erwartet „Pino“ seine Gäste. Darunter, so hofft er, auch viele, die er über die Jahrzehnte in seinem Nachtclub kennengelernt hat. „Die Nächte werden lang“, grinst Piras. „Wir geben noch einen aus.“ Und dann schließt sich die Tür endgültig.

Das Haus an der Goethestraße 9, in dem sich im Obergeschoss noch ein Tattoo-Studio befindet, wird womöglich noch dieses Jahr abgerissen. Die Unternehmer Bernd Kuhlmann aus Wittorf und Jürgen Plaschke aus Sottrum haben die Immobilie und das Nachbarhaus Nummer 11 erworben. Sie planen auf dem Areal 25 bis 30 neue Wohnungen, eine Gesamtwohnfläche von 1800 Quadratmetern im Herzen Rotenburgs. Der Planungsausschuss der Stadt hat dem Projekt und der Änderung am Bebauungsplan am Montag bereits wohlwollend zugestimmt. Das Internet-Café neben dem Smeraldo und die Mieter der dortigen drei Wohnungen müssen ebenfalls weichen. Wann genau, ist noch unklar. 2016 könnte Baubeginn sein. Plaschke: „Wir wollen fair und vernünftig miteinander umgehen.“

Doch irgendwann rollen die Bagger, und dann wird mit dem Smeraldo ein großes Stück Kneipen-Kultur verschwinden. Piras: „In diesen Wänden stecken viele Geschichten drin.“

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