Der Rotenburger Malte Völz ist seit einem Jahr bei Bremen Vier als Radiomoderator unterwegs

„Man muss dafür brennen“

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Auch auf der Breminale-Bühne macht der Rotenburger eine gute Figur.

Rotenburg/Bremen - Von Lars Warnecke. Seriöse Informationen und flotte Sprüche, moderate Unterhaltung und Interviews – das ist die Welt von Malte Völz. Seit einem Jahr geht der 21-jährige Rotenburger beim Hörfunkkanal Bremen Vier freiberuflich auf Sendung. Und auch außerhalb des Studios ist er präsent, zuletzt auf der Bühne der Breminale. Im Interview mit unserer Zeitung spricht der Student der Politikwissenschaften über sein Leben am Mikrofon, peinliche Pannen und sein persönliches Patentrezept gegen schlechte Laune.

Herr Völz, sind Sie eigentlich ein guter Zuhörer?

Malte Völz: Wie war die Frage gleich noch (lacht)? Nein im Ernst, ich glaube schon, dass ich gut zuhören kann. Wie gut, hängt aber letztendlich auch von meinem jeweiligen Gegenüber ab. Bei meinem Dozenten an der Uni schalte ich eigentlich immer auf Durchzug – und das, obwohl ich mir große Mühe gebe, das nicht zu tun.

Wie ist es denn für Sie, Ihre eigene Stimme im Radio zu hören?

Völz: Anfangs war das eher ein seltsames Gefühl, inzwischen habe ich mich aber daran gewöhnt. Musste ich auch, da ich mir jede meiner Sendungen im Nachhinein selbst nochmal anhöre. Nur so kann ich schließlich lernen, noch besser zu werden.

Was macht eine gute Radiostimme eigentlich aus?

Völz: Das ist reine Geschmackssache. Eine Grundhaltung sollte aber sein, langsam, deutlich und nicht zu laut zu sprechen. Die Hörer wollen schließlich nicht angeschrien werden.

Und deshalb sitzen Sie jetzt im Bremen-Vier-Studio am Mikrofon?

Völz: Naja, sagen wir mal so: Nach dem Aussehen geht es beim Radio sicher nicht. Das sieht man ja an mir selbst.

Radiomoderator – das ist für viele ein Traumberuf. Wie sind Sie zu dem Job gekommen?

Völz: Ich hatte das große Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein. Klar, ohne praktische Erfahrung im Vorfeld gesammelt zu haben, würde aber auch ich nicht heute hier sitzen – angefangen von diversen Praktika über meine freie Mitarbeit bei der Rotenburger Kreiszeitung bis hin zu meinem Moderationsjob auf einem Kreuzfahrtschiff. Bei Bremen Vier bin ich über ein sechswöchiges Praktikum eingestiegen. Von Anfang an hatte ich es mir zum Ziel gesetzt, die Studiotechnik bedienen zu können – also habe ich nach Feierabend noch ein paar Extrastunden drangehängt, bis ich‘s draufhatte. Heute arbeite ich als freier Mitarbeiter beim Sender, ich stecke ja noch mitten in meinem Studium der Politikwissenschaften.

Also gibt es dafür gar keine klassische Ausbildung?

Völz: Zum Radiomoderator nicht, nein. Ein abgeschlossenes Studium ist sicher nicht hinderlich, ein Volontariat oder der Besuch einer Journalistenschule ebenso wenig. Oder aber man rutscht wie ich über ein Praktikum da rein. Es gibt sicher keinen richtigen und keinen falschen Weg. Man muss es nur wollen, dafür brennen!

Was sagen Ihre Eltern dazu, dass ihr Sohn jetzt regelmäßig im Radio zu hören ist?

Völz: Die sind schon stolz und stehen voll hinter mir. Manchmal schütteln sie aber auch einfach den Kopf darüber, was ich hier sage und mache. Zum festen Ritual hat es sich entwickelt, dass ich ein Elternteil direkt nach der Sendung anrufe, um es um Feedback zu bitten. Ein Spruch wie „Was ich gehört habe, war in Ordnung!“ kann man schon als deren größtes Kompliment ansehen. Aber auch den Satz „Den Witz fand ich ja nun überhaupt nicht gut!“ bekomme ich hin und wieder von den Beiden zu hören.

Wie bereiten Sie sich auf Ihre Sendungen vor?

Völz: Das hängt immer vom Format und der Tageszeit ab. Meistens plane ich die Sendung mit einem Redakteur, ein anderer checkt sie gegen und auf der täglichen Konferenz werden die Themen dann nochmal abgenickt. Anschließend macht man sich grobe Stichpunkte, wie man was sagen will – aber komplette Moderationen schreibe ich mir nicht zurecht.

Das hört sich an, als könne dabei nichts mehr schief gehen. Oder gab es doch schon mal den einen oder anderen peinlichen Patzer?

Völz: Ich glaube, es gab noch keine Sendung, in der alles glatt gelaufen ist. Das meiste hören die Leute vor dem Radio zum Glück aber gar nicht. Eine Ausnahme bildete neulich ein Live-Telefonat mit einem Hörer. Nachdem ich den nächsten Titel gestartet hatte, redeten wir noch ein bisschen weiter. Dummerweise hatte ich aber vergessen, das Mikrofon auszustellen, so dass alle Welt unser „Privatgespräch“ mitverfolgen konnte. Erst eine Kollegin, die aufgeregt ins Studio platzte und mich mit Händen und Füßen auf die Panne aufmerksam machte, konnte noch Schlimmeres verhindern. Mensch, war ich froh, dass ich in den 20 Sekunden nichts Ausfallendes gesagt habe...

Normalerweise verbringen Sie mehrere Stunden am Tag ganz alleine im Studio. Macht der Job einsam?

Völz: Nein, überhaupt nicht. Vor der Studioscheibe gibt es ja auch immer Kollegen, mit denen ich sprechen kann. Man ist also nie von der Außenwelt abgeschnitten.

Auch Sie werden während einer Sendung sicher mal schlechte Laune haben – nur dass Sie sich das nicht anmerken lassen dürfen, oder?

Völz: Was ich definitiv über mich sagen kann: Ich verstelle mich auf keinen Fall. Wenn ich auf Sendung bin, habe ich immer gute Laune – das macht mir ja auch Spaß. Und wenn mich mal die Müdigkeit packt, trinke ich einen Kaffee. Koffein vertrage ich zwar nicht so gut, weil es mich auf 180 bringt, aber es erfüllt seinen Zweck.

Haben Sie auch Einfluss auf das Musikprogramm?

Völz: Nein, dafür ist eine Musikredaktion zuständig. Und da können die Hörer auch ganz froh drüber sein! Ich würde die Vielfalt an Songs, die so über den Tag gespielt wird, nicht hinbekommen.

Wie stellen Sie sich Ihre berufliche Zukunft vor?

Völz: Ich genieße gerade alles so, wie es ist. Ich habe hier jede Menge Freiheiten, kann mich viel ausprobieren. Ich kann halt auch nichts anderes außer Schnacken (grinst).

Und heute – was werden Sie nach der Sendung noch machen?

Völz: Ich fahre zurück nach Rotenburg und lerne zu Hause Statistik. Montag schreibe ich eine Klausur. Da fällt mir ein: Über das Radio kann man ja immer jemanden grüßen, ist das auch über die Zeitung möglich?

Versuchen wir‘s.

Völz: Dann grüße ich ganz herzlich meine Oma und das ganze Bremen-Vier-Team. Ich habe euch alle ganz doll lieb!

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