Der Rotenburger Kunstturm ist etwas Besonderes / Aktionen am Museumstag

Mit der Kunst ganz nach oben

Der Ausblick von der obersten Etage des Rotenburger Kunstturms lohnt sich. Im Hintergrund ist die Stadtkirche zu erkennen.

Rotenburg - Von Michael Schwekendiek. Am 21. Mai ist bundesdeutscher Museumstag. In Rotenburg wird es an diesem Sonntag besondere Veranstaltungen im Rudolf-Schäfer-Haus, dem Kunstturm und der Cohn-Scheune geben. In einer kleinen Serie stellen wir dies drei kleinen Museen noch einmal vor. Heute: der Kunstturm.

Bekanntlich kann man über Kunst streiten. Mögen die einen noch bewundernd vor den Pferde-Plastiken gegenüber vom Rathaus stehen, können andere mit dieser Form gegenständlicher Kunst wenig anfangen und verweisen auf den Jürgen-Goetz-Brunnen „Paar-oh-die“ am Neuen Markt, der bei wiederum anderen nur Kopfschütteln hervorruft. Bei dessen Installation war der Rotenburger Kunstverein nicht ganz „unschuldig“. Vor allem wollte und will dieser das Interesse an Kunst in der Kreisstadt beleben.

Der alte Schlauchturm der Rotenburger Feuerwehr sollte damals eigentlich abgerissen werden, doch der Kunstverein rettete ihn.

Begonnen hat alles 1988 im Wohnzimmer von Peter Mokrus, damals Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Rotenburg und kunstinteressiert. Etwa 15 Gleichgesinnte fanden sich da ein, um einen „Kunstverein“ zu gründen. Ziel: Kunst nach Rotenburg zu holen und Ausflüge zu interessanten Kunstwerken und Ausstellungen zu organisieren. Nach zwei Jahren hatte man schon mehr als 100 Mitglieder. „Das Interesse an Kunst war ungemein groß“, so Mokrus, der gleich zum Vorsitzenden des Vereins gewählt wurde. Hinzu kam wenige Jahre später eine etwas ungewöhnliche Idee: Der alte Schlauchturm der Rotenburger Feuerwehr am damaligen Hallen- und Freibad in der Nödenstraße sollte abgerissen werden. Aber könnte es nicht doch eine sinnvolle Nachnutzung geben? Zusammen mit den Rotenburger Stadtwerken und dem Architekten Jürgen Lohmann entstand die Idee eines „Kunstturms“: Kunst auf vier verschiedenen Ebenen im Turm zu präsentieren, 122 Stufen und 24 Meter hoch. Und so präsentiert er sich seit gut 20 Jahren – weithin sichtbar, ein „kulturelles Ausrufungszeichen“ in der Kreisstadt.

Enormer Aufwand

„Vier bis fünf Ausstellungen pro Jahr“ könne man hier einrichten, so Peter Mokrus. Das ist jedes Mal mit einem enormen Aufwand verbunden: Die Künstler müssen dafür gewonnen werden, Werke ausgesucht, alles sinnvoll gehängt oder gestellt werden; Einladungen gestaltet und verschickt, die Bewirtung bei den Vernissagen organisiert, Versicherungen abgeschlossen und schließlich auch die Aufsicht bei den Öffnungszeiten (Samstag: 15 bis 17 Uhr, Sonntag: 11 bis 13 und 15 bis 17 Uhr – immer nur während der Ausstellungen) organisiert werden. Das geschieht alles ehrenamtlich. Die laufenden Kosten für den Kunstturm werden durch die Mitgliedsbeiträge gedeckt, weitere Zuschüsse erhält der Verein hin und wieder durch Zuwendungen und Spenden, die jeweils eingeworben werden müssen. Grundsätzlich aber finanziere er alle Aktivitäten selbst.

Peter Mokrus gründete 1988 mit 15 Gleichgesinnten den Kunstverein Rotenburg. 

Immerhin: im Laufe der Jahre hat es an die 100 verschiedene und oft beeindruckende Kunstausstellungen gegeben: Künstler aus der Region, aus der gesamten Republik oder auch aus dem Ausland. Am bekanntesten wohl die ursprünglich aus China stammenden und jetzt in den USA (Chicago) lebenden Zhou-Brothers, die manchen Rotenburgern noch mit ihren „Kettensäge-Arbeiten“ vor dem Rathaus in Erinnerung sind.

„Junge Leute sind nur schwer anzusprechen“

Besucher in den Turm zu locken, ist, so der Vereins-Vorsitzende, gar nicht so einfach. Besonders junge Leute sind – wie auch in der Cohn-Scheune oder dem Schäfer-Haus – nur schwer anzusprechen. Dabei gibt's immer wieder Extra-Veranstaltungen für Schulklassen und Jugendgruppen, „aber das ist alles sehr mühsam“. Obwohl im Kunstturm wirklich was geboten wird!

Neben dem Rudolf-Schäfer-Haus und der Cohn-Scheune wird auch der Kunstturm am bundesdeutschen „Museumstag“, 21. Mai, seine Türen öffnen. Beginnen wird die Veranstaltung mit einer Vernissage um 11 Uhr. Sechs Künstler stellen dann zum Thema „Liebe“ aus (im Schäfer-Haus geht's um „Glaube“, in der Cohn-Scheune um „Hoffnung“): Susann Hartmann, Lutz Hölscher, Arne Lage, Oliver Voigt, Norman Sandler und Hermanus Westendorp. „Kuss und Kodierung. Sechs Betrachtungen über die Liebe“, lautet der genaue Ausstellungstitel. Dabei werden verschiedene Werke der Malerei, Fotografie, Grafiken und Objekte vorgestellt. Nach der Eröffnung folgt ein Büfett, bevor in den Rathaussaal zum Festvortrag von Professor Hermann Haller eingeladen wird („Glaube-Hoffnung-Liebe in der Kunst“, Beginn 14 Uhr). Am späteren Nachmittag wird es, wie in den beiden anderen Museen auch, zu jeder vollen Stunde einen Kurzvortrag zu den ausgestellten Arbeiten geben, den Hermanus Westendorp, zweiter Vorsitzender des Kunstvereins und gleichzeitig auch ausstellender Künstler, halten wird.

Der Vereinsvorstand hofft natürlich, im Rahmen dieses „Museumstages“ viele Menschen einladen zu können. Neben der Kunst bietet der Turm im Übrigen noch einen fantastischen Rundblick über Rotenburg aus den oberen Fenstern! Ansonsten bleibt leider festzustellen, dass das „Kunstinteresse in den vergangenen Jahren nachgelassen hat“. Selbst die vielen gemeinsamen Veranstaltungen mit und für Schulen haben immer nur einen kurzfristigen „Schub“ gebracht.

Auch die Verantwortlichen dieses Vereins sind überwiegend, um es moderat auszudrücken, in der zweiten Lebenshälfte. „Das bleibt problematisch“, meint Mokrus, „bei uns wie in vielen anderen Vereinen“. Trotzdem sind er und die anderen ehrenamtlich Tätigen unermüdlich weiter dabei, Rotenburg bunter und schöner zu machen. Wenn man übrigens mal alle Kunstwerke aufzählt, die seit der Gründung des Kunstvereins in Rotenburg im öffentlichen Raum entstanden und zu sehen sind, käme man – wir haben nachgerechnet – locker auf mehr als zwei Dutzend. Nicht alle gehen auf eine Initiative des Kunstvereins zurück. Aber der hatte und hat ohne Frage eine „ankurbelnde Wirkung“. Man kann nur wünschen, dass das noch lange so bleibt.

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