Guido Menker würdigt Kulturpfad

Rotenburger Kunst aus einem anderen Blickwinkel

+
Fotograf Guido Menker hat sich ein Jahr lang intensiv mit dem Rotenburger Kulturpfad beschäftigt.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Guido Menker war überrascht. 18 Jahre ist der heute 51-Jährige schon Redakteur bei der Rotenburger Kreiszeitung, meint in der kleinen Kreisstadt bald jeden und alles zu kennen. Doch dann schaut er genauer hin und entdeckt ganz neue Seiten an seiner Stadt.

Menker hat sich ein Jahr lang aufgemacht, den Rotenburger Kulturpfad wieder in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Seine Perspektive hat sich verändert – und daran lässt er alle Kunstinteressierten in den kommenden Monaten teilhaben.

Irgendwann Ende 2016 saß Menker mit Michael Burgwald zusammen. Mit dem Leiter der Rotenburger Volkshochschule (VHS) diskutierte er über seine Idee. „Da stehen ein paar Wegweiser, aber sonst nichts“, warf Menker kritisch ein und bezog sich damit auf den vor gut zehn Jahren installierten Kulturpfad. Mehr als acht Kilometer lang, 35 Stationen, „aber wir Rotenburger fahren einfach dran vorbei“, so Menker. 

Kunstwerke nur schnödes Beiwerk?

Manchmal werde über den Goertz-Brunnen am Neuen Markt diskutiert, die Pferdegruppe vor dem Rathaus von Bildhauer Claus Homfeld lädt Kinder zum Turnen ein – aber ansonsten? Sind die zahlreichen Kunstwerke in der Kreisstadt nur schnödes Beiwerk? Und gibt es eigentlich auch Auswärtige, die sich per Rad oder zu Fuß aufmachen, die Objekte zu entdecken?

Menker hat es getan. Und vor allem: Er hat sich Zeit genommen. Denn die braucht es, um die einzelnen Werke nicht nur an sich „vorbeirauschen“ zu lassen, wie er sagt. Im vergangenen Jahr begab sich der Rotenburger im Auftrag der VHS mit seinen beiden Nikon-Digitalkameras auf Entdeckungsreise vor die eigene Haustür. „Es gibt viel mehr zu sehen an den Stationen, als man glaubt“, sagt der Journalist mit dem besonderen Blick fürs Motiv. 

Man müsse dem Beobachten Zeit geben. Mal herum gehen, verweilen, Details erkennen. Und dann abdrücken, „nicht einfach nur knipsen“. Dabei lässt sich Menker auch überraschen: „Ich wusste zum Beispiel gar nicht, dass wir hier am Pferdemarkt ein Sparkassenmuseum haben“, sagt Menker. „Das ist doch schade, dass vieles unbekannt bleibt.“

Hunderte Fotos aus Menkers Sicht

Aus Menkers Sicht sind hunderte Fotos entstanden, von denen zahlreiche im aktuellen Programmheft der VHS zu sehen sind. Rund 60 gibt es zudem ab dem 4. April großformatig im Kantor-Helmke-Haus zu bestaunen. Dann wird um 18.30 Uhr die Ausstellung „KulTour – Unterwegs auf dem Rotenburger Kulturpfad“ eröffnet. 

Die „Meinungsfreiheit“ von Künstler Amir Omerovic vor dem Pressehaus, wie sie Fotograf Guido Menker sieht.

Neben dem neuen Blick auf Rotenburgs Kunstwerke gibt es Musikalisches: Thorsten Finner begleitet die Vernissage. Es ist nach 2014 Menkers zweite Ausstellung im Kantor-Helmke-Haus. Damals zeigte er Bilder seiner großen Liebe Irland.

Die Fotos und die Werkschau sind aber nur der Anfang eines langfristig angelegten Projekts. Der Kulturpfad, von Rotenburgs Verkehrsamtsleiter Stephan Lohmann einst ins Leben gerufen, dürfe in der Wahrnehmung nicht wieder „abtauchen“, betont Menker. Parallel zur Ausstellung, die bis zum 2. Mai zu sehen sein wird, lädt die VHS zu mehreren Veranstaltungen vor Ort ein. 

Stadtführungen zu Fuß oder per Rad

Es wird Stadtführungen zu Fuß oder per Rad entlang der Route geben, Blicke hinter die Kulissen und Vorträge. Zudem arbeitet Menker mit dem Team der Stadt an der Umsetzung einer komplett neuen Präsentation des Kulturpfads. 

Bislang gibt es einen Flyer und eine recht nüchterne Darstellung auf der Homepage der Stadt. Menker schwebt aber etwas Zeitgemäßeres vor, eine virtuelle Tour entlang des Kulturpfads. Dafür arbeitet er noch Texte aus, in Kombination mit den Bildern und über QR-Codes an den einzelnen Standorten könnten sich die Besucher ohne großen Aufwand per Smartphone informieren lassen. Die neue Sicht auf die Werke in der Kreisstadt würde vernetzt: online und offline, digitale Informationen und reales Erlebnis.

Kunstpfad soll erweitert werden

Zudem plant die Stadt, den Kunstpfad zu erweitern. Zu den bisherigen 35 Stationen sollen unter anderem die Gedenktafeln auf dem Waldfriedhof für NS-Opfer, die Stelen vor dem Haus Niedersachsen der Rotenburger Werke oder die Skulptur „Meinungsfreiheit“ vor dem Pressehaus hinzukommen.

In den kommenden Wochen stellen wir in loser Reihenfolge bis zum Ausstellungsbeginn einige Motive von Menkers „KulTour“ vor. Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen der Volkshochschule, die das Projekt begleiten, gibt es auch auf der VHS-Homepage.

www.vhs-row.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Auf den Trümmern einer Brücke: die Bühne der Populisten

Auf den Trümmern einer Brücke: die Bühne der Populisten

Gedenken der Opfer des Gladbecker Geiseldramas in Heiligenrode

Gedenken der Opfer des Gladbecker Geiseldramas in Heiligenrode

Gladbecker Geiselnahme: Geblieben sind Schmerz und Trauer

Gladbecker Geiselnahme: Geblieben sind Schmerz und Trauer

Aufbau für jbs-Maisfeldfete und Oldie-Abend in Westeresch

Aufbau für jbs-Maisfeldfete und Oldie-Abend in Westeresch

Meistgelesene Artikel

„Laut & draußen“-Festival auf dem Kalandshof bleibt vom Unwetter verschont

„Laut & draußen“-Festival auf dem Kalandshof bleibt vom Unwetter verschont

Lars Kühnast und Meike Loewel holen sich die Titel

Lars Kühnast und Meike Loewel holen sich die Titel

Erfolgsgeschichte: Rotenburg kommt beim Stadtradeln auf Platz eins

Erfolgsgeschichte: Rotenburg kommt beim Stadtradeln auf Platz eins

Gasalarm am Brockeler Bussardweg - Baggerfahrer reißt Leitung auf

Gasalarm am Brockeler Bussardweg - Baggerfahrer reißt Leitung auf

Kommentare