Sorge vor Covid19-Ansteckung / Kitas versuchen, Alltag zu erhalten

Ein bisschen Normalität

Kinder toben mit Erzieherin Kathrin Indorf an der Schaukel.
+
Eine Runde draußen toben heißt es für die gelbe Gruppe, Erzieherin Kathrin Indorf hilft da gerne mit ein bisschen Anschwung nach.

Rotenburg – Die Nachricht weckt keine Freude: Mehr positiv getestete Kinder in den Tagesstätten meldet das Gesundheitsamt des Landkreises Rotenburg Anfang der Woche – Kinder, die auch Symptome zeigten, was im vergangenen Jahr in diesem Ausmaß nicht der Fall war.

Die große Sorge vor einer Ansteckung schwebe immer mit, sagt denn auch Sigrid Michel, Leiterin der Kindertagesstätte Hemphöfen. Dennoch bleiben die Leiterinnen der Tagesstätten relativ entspannt, bislang gab es wenig Positiv-Fälle. Anders sieht die Gefühlslage da beim Thema Impfen und Testen aus.

Für Schüler und Lehrer besteht mittlerweile eine Testpflicht. Den Erziehern ist das bislang selbst überlassen. Für die Jüngsten gibt es bisher keine konkreten Planungen, sagt Jugend- und Sozialamtsleiterin Elke Bellmann aus dem Rathaus. „Dazu haben wir bisher keine Informationen erhalten.“ Eigeninitiativ wolle man bislang keine Kinder-Testungen einführen, zumal die Fälle in Rotenburg sich bislang in einem überschaubaren Rahmen bewegen würden. Bellmann kümmert sich um acht Kindertagesstätten in städtischer Trägerschaft. Auch müsse unter anderem geklärt werden, wer die Kosten für Tests trägt. „Aber wenn die Möglichkeit besteht, wären wir die Letzten, die es nicht anbieten würden“, so Bellmann.

Hat ein Kind nur einen Schnupfen, gibt es bislang keine Veranlassung, dass es Zuhause bleiben muss. Es sei wichtig, die Balance zu halten und nicht in Panik zu verfallen. Dennoch seien Erzieher und Eltern mittlerweile sehr sensibilisiert: „Sie melden ihr Kind früher als sonst ab, wenn es Symptome zeigt“, erzählt Marion Broocks, die die „Villa Kunterbunt“ in Trägerschaft des Diakonissen-Mutterhauses leitet. Für die Kinder sei es gerade wichtig, dass ihr Alltag weiterläuft, so gut es geht. Dafür nehmen die Erzieher das Risiko einer Ansteckung auf sich – zumal Abstandhalten mit kleinen Kindern einfach nicht möglich ist. „Wir sind froh, dass wir in den Gruppen keine Masken tragen müssen, aber natürlich macht man sich Sorgen, da sind Ängte, wenn man das jetzt hört.“ Gespräche und Austausch seien daher umso wichtiger.

Die Erzieher, Eltern und Kinder halten sich an die Hygienepläne: Gruppen werden nicht gemischt, getrennte Spielzeiten draußen. Eltern geben ihre Kinder an unterschiedlichen Eingängen ab, mit Maske. Hinein kommt nur, wer sein Kind zur Eingewöhnung bringt. „Wir versuchen auch privat, Kontakte zu vermeiden. Denn wir haben jeden Tag massiv Kontakt zu kleinen Menschen“, meint Michel. Da gelte es dann manchmal, „den Kopf auszuschalten“.

Grundsätzlich würde das Angebot der Testungen – Erzieher können zweimal wöchentlich in die Testcenter gehen – gut, aber nicht von allen angenommen. Seit dieser Woche verfügen die Einrichtungen auch über Selbsttests. Bellmann hofft, dass sie gut genutzt werden. Anfangs sei es, wie in den Schulen, schwierig gewesen, die Test-Kits zu bekommen. „Aber es gibt Sicherheit für alle“, merkt Broocks an.

Frustration ist den Leiterinnen anzuhören, wenn es um die Impfungen geht. Es ist zwar der Großteil mindestens einmal, aber eben noch nicht alle Erzieher. Über mobile Impf-Teams hätten sie sich gefreut. Ein paar möchten nicht geimpft werden, andere haben gezögert wegen des Hin und Hers mit Astrazeneca. „Das hat sie verunsichert, da sind ein paar abgesprungen“, erzählt Broocks. Und jetzt, da dieses Vakzin an jüngere Menschen ohnehin nicht verabreicht wird, sei es recht schwer, neue Termine zu bekommen.

Unklar ist auch, wie es für diejenigen weitergeht, die ihre Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten haben – kurz vor dem Stopp. „Das macht uns Sorgen, wir wissen noch nicht, was verimpft wird“, meint Michel. Was das angeht, gibt es ihrer Ansicht nach zu wenig Informationen – die aber auf allen Seiten fehlen, sagt auch Bellmann. Bislang, so der Landkreis auf Nachfrage, liege dazu eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission vor, einen mRNA-Wirkstoff, also Biontech oder Moderna, zu verabreichen.

Für die Kinder selbst sei es am einfachsten, mit der Situation umzugehen, ist die Erfahrung. Sie kennen es nicht anders. „Sie machen das erstaunlich gut mit“, meint Broocks. Sie ist froh, dass wieder alle kommen können, Eltern entlastet werden und die Kinder einen halbwegs normalen Gruppenalltag haben – wichtige Sozialkontakte, Spielzeit mit Gleichaltrigen. „Es ist kein schöner Alltag, aber es ist ein Alltag“, so Broocks. „Die Kinder können sich mit der Situation arrangieren, gleichzeitig ist es unsere Aufgabe, ihnen eine entspannte Zeit zu bieten“, meint Michel. Außerdem werden viele Kinder gerade auf den Schulstart vorbereitet, müssen gefördert und gefordert werden. „Sie sind gut vorbereitet, nur anders“, sagt Michel.

Den Erziehern falle die Situation da deutlich schwerer: „Es ist trostlos. Die Kinder vermissen nichts, was sie nicht kennengelernt haben, wir vermissen viel“: Exkursionen, Feste, Geburtstage. „Das ist nicht einfach“, so Michel. Dennoch stehen sie gerade jetzt vor besonderen Herausforderungen – die öffentlich oft so nicht wahrgenommen würden. Wertschätzung, wie in anderen sozialen Berufen, erfahren sie nicht häufig. „Viele Erzieher fühlen sich allein gelassen, das weckt bei vielen Unmut“, weiß Michel – dabei gehe es ohne sie nicht, wie die vergangenen Monate gezeigt haben.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Meistgelesene Artikel

Kritik an Öffnungsschritten: „Ein Skandal!“

Kritik an Öffnungsschritten: „Ein Skandal!“

Kritik an Öffnungsschritten: „Ein Skandal!“
Halter von Känguru melden sich – doch „Fipsi-Energy“ bleibt verschollen

Halter von Känguru melden sich – doch „Fipsi-Energy“ bleibt verschollen

Halter von Känguru melden sich – doch „Fipsi-Energy“ bleibt verschollen
23 neue Wohnungen am Rotenburger Nagelschmiedsweg

23 neue Wohnungen am Rotenburger Nagelschmiedsweg

23 neue Wohnungen am Rotenburger Nagelschmiedsweg

Kommentare