Schülerin Elina Schumacher hat ihr Ziel vor Augen

Rotenburger Jung-Pianistin zwischen Deutsch-Rap und Beethoven

Elina Schumacher sitzt an ihrem Klavier.
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An ihrem Klavier verbringt die 17-jährige Elina Schumacher viel Zeit.

17 Jahre jung ist Schülerin Elina Schumacher und am Klavier längst ein Profi. Gemeinsam mit ihrer Duo-Partnerin hat sie beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ einen ersten Platz erreicht. Jetzt wechselt sie die Schule, um sich für ihre Zukunft den Weg zu ebnen.

Rotenburg – Ein schwarzes Yamaha-Klavier steht an der Seite des Wohnzimmers ihres Elternhauses an der Wand. Elina Schumacher schlägt ein Notenheft auf, drückt es flach an das Instrument, damit es auf dem dünnen Ablagebrett stehen bleibt. Dann legt sie die Hände auf die Tasten. „Ich übe jeden Tag, da gibt es nur wenige Ausnahmen“, sagt die 17-Jährige. Und das ist mit ein Grund, warum sie so erfolgreich ist: Gemeinsam mit ihrer Duo-Partnerin Alina Kober hat sie beim 58. Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“ in ihrer Wertungsklasse „Klavier Duo/2 Klaviere“ den ersten Platz erreicht.

Und das, reflektiert sie, ist gar nicht so einfach gewesen. Es gab kein Live-Vorspielen, die Musiker mussten Aufnahmen einschicken. Neuland für die jungen Frauen: „Wir haben Kameras aufgestellt, das Tongerät und hatten beide keine Ahnung“, erzählt Schumacher amüsiert. Das Equipment hatten sie sich von der Hochschule für Künste in Bremen ausgeliehen, wo sie als Jungstudentin eingeschrieben ist, und ihre Stückauswahl im dortigen Konzertsaal aufgenommen.

„Das war viel aufwendiger.“ Zwar mussten sie im Vorfeld genauso viel üben, solo und zusammen. Doch sie haben viele Aufnahmen gemacht, immer wieder perfektioniert, das Video bearbeitet. „Das dauerte Wochen“, erinnert sich die Rotenburgerin. Gerade bei Aufnahmen finde man immer etwas, das sich verbessern ließe. Die Stücke hat ihre Dozentin Almut Cordes vorgeschlagen. Da die Freundinnen schon vorher als Duo gespielt haben, haben sie auch ehemalige Stücke genommen – mit neuer Erfahrung. „Da geht man dann noch mal ganz anders ran.“

Dass sie auch privat befreundet sind, macht das Ganze leichter. Gerade in der Wettbewerbszeit bleibt Schumacher wenig Freizeit. Jeder Tag ist mit Musik gefüllt, mitunter gut durchgetaktet. Ohne Disziplin geht nichts. Zwei- bis dreimal die Woche fährt die Rotenburgerin nach Bremen zum Üben, alleine oder mit Kober. Vier bis fünf Stunden sitzen sie schon mal da, plus Fahrzeit mit dem Zug – für Freunde oder andere Hobbys bleibt wenig Zeit. „Aber man ist nicht alleine, das macht es besser“, erklärt die 17-Jährige.

Auch das Alleinsein dort genießt sie, fährt an manchen Tagen ganz bewusst nach Bremen. „Dort habe ich weniger Ablenkung.“ Ein reines Hobby ist ihre Musik schon lange nicht mehr. Nur selbst komponieren, das macht sie noch nicht. „Manchmal spiele ich einfach drauf los, aber das ist noch was anderes.“ Sie macht das, was sie liebt, mit voller Leidenschaft. Ihre Familie steht hinter ihr, auch die Lehrer mittlerweile. „Sie unterstützen mich, weil sie sehen, dass es schulisch passt.“ Seit sie sechs Jahre alt ist, spielt Schumacher Klavier. „Ich hatte jemanden gesehen, der ein Instrument spielt. Da ermunterten mich meine Eltern, es auszuprobieren.“ Sie schwankt zwischen Geige und Klavier, gibt aber dem Tasteninstrument den Vorzug. Es fasziniert sie optisch: „Ich habe 88 Tasten und damit kann ich so viel machen. Das ist beeindruckend. Man fühlt sich damit so verbunden.“ Wer tiefer in ihrem Stammbaum gräbt, findet da schon die Liebe zur Musik. „Mein Urgroßvater und auch dessen Vater waren sehr musikalisch, spielten Gitarre und Akkordeon. Mein Vater in seiner Kindheit ebenfalls.“

Geige zu lernen, könnte sie sich gut vorstellen – ein zweites Instrument zu spielen, macht sich auch gut bei einer Uni-Bewerbung. Denn Schumacher hat ihr Ziel vor Augen: Sie möchte Dozentin werden. „Ich würde gerne unterrichten“, ganz wie Cordes. Berufspianistin zu sein, könne sie sich nicht vorstellen. „Die Konkurrenz ist in dem Business extrem stark. Das macht bestimmt Spaß, aber da möchte ich lieber etwas Festes.“

Ich habe 88 Tasten und damit kann ich so viel machen. Das ist beeindruckend. 

Elina Schumacher

Deswegen wechselt die Schülerin zum nächsten Schuljahr vom Ratsgymnasium ans Verdener Domgymnasium. „Ich habe lange überlegt, aber das passt einfach besser: Dort kann ich einen Musik-Leistungskurs belegen. Das gibt es hier nicht, weil ich die Einzige war, die das im Profil hatte.“ Dass es jetzt stressiger wird, ist ihr bewusst. „Aber im Endeffekt kann ich das machen, was ich möchte.“ Das Domgymnasium habe ihr in musikalischer Hinsicht viel zu bieten.

Für ihr Ziel steckt Schumacher auch zurück. Einfach war das nicht immer, das gibt sie zu. Gerade als Kind hat es die ganz normalen Phasen gegeben, in denen sie keine Lust hatte, am Klavier zu sitzen, lieber mit den Freunden, die an der Tür klingelten, spielen wollte. „Meinen Eltern war es aber wichtig, dass wir unsere Freizeit auch mit etwas Sinnvollem füllen. Ich habe viel Freiraum, und ich bin heute dankbar, dass sie früher darauf bestanden haben“, meint sie. Denn ohne ihre Eltern, „wäre ich heute sicher nicht, wo ich bin“.

Auch ihr jüngerer Bruder hat sich für das Klavierspielen entschieden. Doch wer jetzt denkt, die Eltern der beiden bekommen stets schöne Abendmusik, der irrt: „Meistens gehen sie dann raus“, erklärt Schumacher und muss lachen. Denn beim Üben hängt sie schon mal Stunden an nur wenigen Takten, bis sie endlich zufrieden ist. „Üben und spielen, das sind zwei ganz andere Dinge.“

Privat spielt Schumacher gerne Stücke aus der Romantik, zum Beispiel von Chopin. Wer aber einen Blick auf ihre Playlist im Handy wirft, findet da eine breite Auswahl: „Von R‘n‘B über Deutsch-Rap bis Beethoven und Schumann-Sinfonien ist alles dabei.“

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