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Rotenburger Jugendsozialarbeit: Sparflamme ist nicht mehr

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Von: Guido Menker

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Es gibt sie noch, die aufsuchende Sozialarbeit in Rotenburg. Fiona Bannenberg (v.l.), Viktoria Düver, Sandra König und Eduard Hermann gehen die neuen Herausforderungen gemeinsam an.
Es gibt sie noch, die aufsuchende Sozialarbeit in Rotenburg. Fiona Bannenberg (v.l.), Viktoria Düver, Sandra König und Eduard Hermann gehen die neuen Herausforderungen gemeinsam an. © Menker

Die Corona-Lage beruhigt sich, und damit ist für die aufsuchende Jugendsozialarbeit in Rotenburg wieder viel mehr möglich.

Rotenburg – Eduard Hermann spricht von einem idealen Zeitpunkt. Die Corona-Lage beruhigt sich nach und nach, und damit ist auch für die aufsuchende Jugendsozialarbeit in Rotenburg wieder viel mehr möglich, als in den zurückliegenden zwei Jahren. Der Bedarf ist groß, weiß er. Und deshalb ist der 46-Jährige glücklich darüber, von sofort an Teil eines Mitarbeiter-Trios zu sein.

Denn nach fast drei Jahren kehrt einerseits Viktoria Düver mit 15 Wochenstunden wieder in ihren Job zurück, andererseits hat die Studentin Fiona Bannenberg einen Vertrag für 15 Wochenstunden erhalten.

Allen voran die Mädchenarbeit habe zuletzt arg unter den widrigen Bedingungen gelitten, erklärt Hermann, der einst als Streetworker an den Start gegangen war. „Diese Arbeit lief drei Jahre auf Sparflamme.“ Nachholbedarf habe sich allerdings auf der ganzen Linie ergeben. „Wir haben es mit einem kompletten Umbruch zu tun nach Corona, an vielen Stellen müssen wir wieder bei den Grundlagen anfangen.“

Grund genug für das neue Team, sich zurückzumelden und auf sich aufmerksam zu machen. Das Motto: „Wir sind für Euch da.“ Gemeint sind Jugendliche und junge Erwachsene. Jetzt gehe es nämlich darum, erst einmal wieder mit den jungen Menschen in Kontakt zu kommen. Viele von ihnen, sagt Viktoria Düver, hätten sich nicht zuletzt wegen der Pandemie zurückgezogen – vornehmlich in die sozialen Netzwerke. Jetzt geht ein Flyer in Umlauf, mit dem sich das Team der aufsuchenden Jugendsozialarbeit als Ansprechpartner anbietet – für einen Austausch und Informationen zu jugendrelevanten Themen aller Art, für die Begleitung zu Terminen und bei Behördengängen sowie als Vermittler bei Konflikten, etwa in der Schule.

Das Trio arbeitet nicht isoliert, sondern kann auf ein großes Netzwerk zurückgreifen. Zumindest das hat sich gehalten in der Pandemie. Doch in erster Linie gehe es jetzt erst einmal darum, Präsenz zu zeigen, betont Viktoria Düver den ersten Ansatz auf einem Weg, der nur mit kleinen Schritten zu gehen ist. „Wo sind die Jugendlichen, welche Themen beschäftigen sie?“ Das seien die ersten wesentlichen Fragen. Um auf Antworten zu stoßen, muss Kontakt hergestellt werden. Also: „Auch wir müssen uns intensiv mit den sozialen Medien befassen“, so Hermann.

Die Schulen, die Vereine, das Jugendzentrum, die Kirche, das Ehrenamt, der Präventionsrat sowie der Verein Simbav – das alles seien Akteure, mit denen Hermann, Düver und Bannenberg kooperieren wollen. „Das Netzwerk gibt es, aber auch das verändert sich“, unterstreicht Düver, dass die Pandemie irgendwie alle erfasst hat. Und damit auch die Arbeit jedes Einzelnen zu einer Herausforderung mache.

Ein guter Ansatzpunkt könne das nächste Kinderferienprogramm sein. „Wir werden da sehr viel mitarbeiten“, so Düver. Dabei spielen eigentlich auch viele Vereine eine große Rolle – doch auch die haben personelle Verluste erlitten in den vergangenen zwei Jahren.

So oder so: Es soll weitergehen. Wie wichtig das ist, unterstreicht Sandra König als Leiterin des Rotenburger Amtes für Jugend und Soziales, zu dem die aufsuchende Jugendsozialarbeit gehört. „Das ist ein Dauerthema“, versichert sie. Es sei klar, dass das auch Geld kostet, „aber das ist unbedingt erforderlich“. Letztendlich sei es von großer Bedeutung, diese Arbeit auf stabile Füße zu stellen.

Stabilität ist in diesem Metier nicht leicht zu erzielen. Allein der Bereich der Sozialen Medien ist wenig griffig. Zwar sei es möglich, auch dort mit den jungen Menschen in Kontakt zu kommen und diese Verbindungen zu pflegen, aber darin sieht das Team nur eine Methode, nicht jedoch das Ziel. „Wann und wie kommen sie wieder heraus ins ,normale Leben’, wo sind ihre Bedürfnisse?“ Das sei aufzuarbeiten. Ein Plan dafür sei in der Vorbereitung. Was Eduard Hermann auffällt: „Nach der Pandemie schätzen viele Jugendlichen ihre eigenen Chancen deutlich schlechter ein, als sie es wirklich sind.“  Daher seien Vertrauen und Selbstvertrauen von zentraler Bedeutung. Viktoria Düver weiß ebenfalls von diesen Unsicherheiten. „Denen müssen wir begegnen, wir müssen sie ansprechen und dafür sorgen, dass die Jugendlichen gute Erfahrungen sammeln.“ Außerhalb der digitalen Kanäle. „Das ist ein Prozess, den wir begleiten möchten.“

Hilfe für die Jugend

Fiona Bannenberg ist die „Neue“ im Team der aufsuchenden Jugendsozialarbeit in Rotenburg. Die 21-Jährige studiert soziale Arbeit an einer Fern-Uni und hat sich eigentlich um einen Job in der Rotenburger Kita „Rappelkiste“ beworben. Amtsleiterin Sandra König indes hatte die Idee, die junge Frau in die Jugendsozialarbeit zu holen. Die junge Frau ist angetan und freut sich drauf. Sie ist erreichbar unter der Rufnummer 0163 / 7418145.
Eduard Hermann ist als „Streetworker“ schon seit vielen Jahren bekannt. Er hatte einst vor allem den Sport als Möglichkeit erkannt, um Jugendliche zusammenzubringen, die vorher keinen Platz für sich in der Stadt gefunden haben. Mittlerweile weiß auch er, dass es viele weitere Möglichkeiten gibt. Er steht unter der Rufnummer 0173 / 7417542 für Fragen, Probleme und Anregungen bereit.Viktoria Düver war lange raus aus dem Job. Jetzt, nach ihrer Elternzeit, kehrt sie zurück und hat viel vor. Ein besonderes Augenmerk legt sie auf die Mädchenarbeit. Wer sie kontaktieren möchte, wählt die Nummer 0177 / 71080 50.

Unsicherheiten, mangelndes Selbstvertrauen: Die Sozialarbeiter sehen darin einen weiteren Ausfluss der Pandemie. Düver: „Es war doch eine befremdliche Welt mit Vorschriften und Regeln, die so keiner gekannt hat.“ Jetzt geht es ans Kontakteknüpfen. Gespräche mit den Sozialarbeitern in den Schulen sind vorgesehen, mit Vertretern der Vereine ebenfalls. Es gibt auch schon Pläne, um die jungen Leute wieder zu begeistern: Es soll im Juni eine Aktion am Weichelsee geben, ein Armwrestling-Turnier ist vorgesehen, ein Klimmzug-Tag ebenfalls. In der Eichenschule will sich das Trio demnächst präsentieren, ebenso im Jugendzentrum in Visselhövede. Ein Mädchen-Sporttag soll auch folgen. „Sport ist wichtig“, so Hermann. Schließlich war es auf diesem Wege einst gelungen, viele Probleme in Rotenburg in den Griff zu bekommen beziehungsweise zu vermeiden.

Bürgermeister Torsten Oestmann unternimmt derweil weitere Anstrengungen, die angepeilte Jugendbeteiligung in Rotenburg wieder voranzubringen. Nach seinem Aufruf in den sozialen Medien hat er nun die IGS und das Ratsgymnasium besucht und mit Schülern gesprochen. Wann und wie es weitergeht, steht noch nicht fest, sagt er auf Anfrage.

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