Suche nach Namen läuft noch

Lent-Kaserne: Neuer Kommandant bereitet Truppe auf Auslandseinsätze vor

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Maik Münzner führt seit Ende September als Standortältester die Rotenburger Lent-Kaserne.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die wuchtigen Ledersessel stehen noch bereit für Besucher, und auch die schweren Vorhänge bleiben. Papierstapel, Unterlagen und persönliche Dinge sind aber verschwunden, auf dem Massivholzschreibtisch ein Rechner, die Fahne in der Ecke, das war’s: Maik Münzner mag es aufgeräumt. Damit ist er in Rotenburg genau richtig. Denn wenn der neue Kasernenkommandant aus seinem Büro im ersten Stock blickt, schaut er auf einen vorbildlichen Standort. „Im Bundeswehrvergleich sind wir gut aufgestellt“, so der 41-Jährige.

Vor acht Wochen hat Münzner das Kommando von York Buchholtz in Rotenburg übernommen. Der gebürtige Chemnitzer war 20 Jahre lang der Fallschirmjägertruppe zugeordnet, hat zuletzt als Referent im Bundesverteidigungsministerium gearbeitet. Nun ist er, wie der zweifache Familienvater sagt, „froh, wieder bei der Truppe sein zu dürfen“. 

Das, was er von seinem Vorgänger vorgefunden habe, stimme ihn „hoch zufrieden“. Der „junge, stolze Verband“ biete beste Zukunftsaussichten. Für ihn, „ein Kind der Wiedervereinigung“ und den Soldaten „aus purer Überzeugung“, hätte der Start in der Kreisstadt kaum besser laufen können, betont er.

Nach der Neuformierung des Jägerbataillons 91 beginnt nun die Arbeit für den Ernstfall. Die rund 1 000 Soldaten müssen sich auf die ersten großen Auslandseinsätze vorbereiten. Noch gebe es keinen konkreten Einsatzauftrag für den „Kampfverband“, aber das werde sich womöglich schon bald ändern. Münzner: „Auch unser Bataillon wird in den Einsatz geschickt. Die Frage ist nicht ob, sondern wann.“ Und dafür müsse er die Soldaten vorbereiten. „Der erste Auslandseinsatz kommt. Wir müssen jetzt einen Schritt nach vorne machen.“

Lehrreiches Nato-Manöver absolviert

Lehrreiche Erfahrungen sammelten die Rotenburger Jäger in den vergangenen Wochen beim Nato-Manöver „Trident Juncture 2018“ in Norwegen. Eine Kompanie mit 160 Soldaten war dort im Einsatz, um den Gefechtsstand der Brigadeführung zu sichern, zudem rund 90 Experten für spezielle Aufgabengebiete aus der Lent-Kaserne. Am Donnerstag sind die letzten Soldaten von der Großübung zurückgekehrt. 

Vieles von dem, was in der Theorie durchgearbeitet oder im kleinen Bereich geprobt wurde, sei nun unter realistischen Bedingungen im internationalen Austausch geübt worden. „Dieses Handlungstraining bringt jeden nach vorne“, betont Münzner. Er selbst sei kurz nach Dienstantritt auch vier Tage vor Ort gewesen.

Ein Thema, das Münzner gerne nicht mehr geerbt hätte, ist die Debatte um die Benennung der Kaserne. „Ein zäher Prozess“, sagt er, wohlwissend, dass alle Verantwortlichen nun sehr genau darauf achten sollten, „nicht noch einmal in die gleiche Falle zu tappen“. Der neue Name müsse auf allen Ebenen akzeptiert werden.

Nach 54 Jahren muss neuer Name her

Nach fünf Jahren mehr oder weniger intensiv geführten Diskussionen beim Militär selbst, in der Politik und der Zivilgesellschaft stand im September fest: Der Name Lent ist nicht mehr haltbar. Nach 54 Jahren muss ein neuer Name her, die Benennung nach dem Nachtjäger-Piloten der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg entspricht nicht mehr den Richtlinien der Bundeswehr. 

Münzners Vorgänger Buchholtz hatte dazu Kasernen-intern einen weiteren Meinungsbildungsprozess angestoßen, die Vertrauensleute legten einen neuen Namen fest. Wie der lautet, verrät Münzner noch nicht. Aus gutem Grund: Voreilige Diskussionen, die womöglich wieder den Standort insgesamt ins falsche Licht und damit sogar infrage stellen, will er sich ersparen. 

Den Fokus möchte er auf den militärischen Auftrag legen, nicht auf Strukturdiskussionen, die die Soldaten aus der Ruhe bringen. „Die Entscheidung ist gefallen und unumstößlich“, betont er, der Vorschlag für den neuen Namen liege aktuell aber noch zur Prüfung bei Juristen und Historikern. Allzu lange dürfte das aber nicht mehr dauern – und dann wird sich Münzner vor dem neuen Kasernenschild fotografieren lassen müssen. Auch wenn ihm dieser Fokus nicht gefällt – wenigstens wäre damit auch in seinem Sinne wieder für Ordnung gesorgt.

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