Bummeln, Mahnen, Sonnengruß

Rotenburger Fußgängerzone ist Schauplatz von Ostereinkauf und Kundgebungen

Über ein gesundes Immunsystem referiert Wolfgang Tenschert, Veranstalter der jüngsten Corona-Sprechstunde.
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Über ein gesundes Immunsystem referiert Wolfgang Tenschert, Veranstalter der jüngsten Corona-Sprechstunde.

Rotenburg – Noch sehr sonnig hat sich am Samstag das Wetter in Rotenburg gezeigt – gerade richtig für zahlreiche Besucher, noch letzte Einkäufe vor dem Osterfest in der Fußgängerzone zu erledigen oder einfach nur durch die Geschäfte zu bummeln. Die Arme voller Brötchentüten und Blumensträuße zeigten deutliche Präferenzen im Kaufverhalten.

Dabei hielt sich die Zahl derer, die gezielt mit einem Termin kamen, laut Sporthaus-Besitzer Ingo Lehmann die Waage mit jenen, die spontan hereinschauten.

An der Kasse: Ein Barcode für die Luca-App, „das funktioniert richtig gut“, so der Ladeninhaber. Die meisten Kunden würden jedoch auf das traditionelle Ausfüllen der vorbereiteten Zettel zur Erfassung der Nachverfolgungsdaten zurückgreifen, „die wenigsten haben die App schon heruntergeladen“. Der Renner: Lauf- und Wanderschuhe – nicht verwunderlich angesichts des Wetters und der Auflagen, die fast nur Individualsport zulassen.

Mahnwache auf der Geranienbrücke

Auf der Geranienbrücke mischen sich die Flaneure mit Kundgebungsteilnehmern mit Schildern: Kein Fracking, Frauen für den Frieden, Ärzte gegen Atomkrieg, Netzwerk Sauberes Trinkwasser – groß ist die Palette derer, die dem Aufruf von Ulrich Thiart gefolgt sind, anstelle des erneut ausgefallenen Ostermarschs eine Mahnwache abzuhalten. Die sei keineswegs ein Selbstgänger gewesen: Erst eine Woche vorher habe man vor dem Hintergrund der Inzidenzwerte knapp unter 100 von der Behörden die Genehmigung erhalten.

Rund 40 Friedens- und Umweltaktivisten aus rund einem Dutzend Bürgerinitiativen, Gruppierungen und politischen Parteien, aber auch Einzelpersonen, haben sich für eine Stunde zusammengefunden. Thiart ist zufrieden: „Angesichts der knappen Vorlaufzeit gar nicht so schlecht.“ Das sieht auch Mitstreiter Marc Andreßen so: „Über den Zusammenschluss ,Rotenburger Ostermarsch-Initiative‘ können die Initiativen sich vernetzen, sich darüber auszutauschen, was die anderen so machen.“

Die Themen, die die Teilnehmer mit Plakaten und Handzetteln ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken möchten, fallen grob in die beiden Bereiche Abrüstung und Umweltschutz. „Gut, dass die traditionellen Ostermärsche der Friedensbewegung in den 80ern jetzt durch das Thema Umwelt ergänzt werden“, meint Andreßen.

Auf der Geranienbrücke halten Umwelt- und Friedensaktivisten Mahnwache.

Wenig zu tun haben die beiden Polizisten, die auf Einhaltung des Abstands und der Maskenpflicht achten. Wegen der Sonderregeln über Ostern sei die Präsenz im Landkreis erhöht, erzählt Patrick Hoeft, der mit seinem Kollegen das Geschehen im Blick hat. 15 bis 20 Kräfte seien im Einsatz, „überall da, wo Ansammlungen von Menschen zu erwarten sind“. Nicht nur in der Fußgängerzone, sondern beispielsweise auch am Bullensee werden an diesem Wochenende verstärkt Streifen unterwegs sein.

Nachdem die roten Kreuze mit „NoMoorGas“ geräumt sind und auch die meisten Ladenbesitzer ihre Auslagen hereingeholt und das lange Wochenende eingeläutet haben, bleibt noch eine lange Schlange übrig. Vor dem Testzentrum der Apotheke herrscht Hochbetrieb.

Testzentrum über Ostern in Betrieb

Seit rund einer Woche sind die Termine vergeben, „wir haben sogar eine dritte Testkabine eingerichtet“, erzählt Katja Becker von der Apotheke Große, am Samstag sei sogar eine vierte Kraft an der Anmeldung. An die 300 Tests werden zwischen 9 und 19 Uhr durchgeführt, selbst Ostersonntag und -montag wird getestet, Terminvergaben erfolgen über die Website.

Unter den Gesichtern viele jüngere Menschen – die meisten hier wollen Ostern Verwandte besuchen. Eine von ihnen ist Ellen Willenbrock aus Scheeßel. Im Rahmen ihres Berufs wird die Erzieherin einmal pro Woche in Scheeßel getestet. Für den anstehenden Schwiegermutterbesuch sichert sie sich „außer der Reihe“ noch einmal ab. Sie ist von der Einrichtung begeistert: „Super organisiert, schnell und effizient – toll, dass es so etwas hier gibt.“

Die Schlange der im Fünf-Minuten-Rhythmus getakteten Testwilligen rückt schnell voran. Vor wenigen Minuten zog hier, trotz Umzugsverbot, eine Gruppe mit Schildern vorbei. „Das korrupte System muss weg“ war zu lesen. „Impfen tötet“ skandierten die Teilnehmer. Den Wartenden riefen sie im Vorbeigehen zu: „Lasst Euch nicht testen, dann steigen die Zahlen!“

Vor dem Testzentrum bildet sich eine lange Schlange.

Deutlich mehr Polizeipräsenz herrscht einige Stunden später auf dem Pferdemarkt. Nachdem der Wochenmarkt abgebaut ist, sehen sich die sieben Polizisten der Verfügungseinheit rund 30 Teilnehmern der heutigen „Corona-Sprechstunde“ gegenüber – angemeldet waren 100. Immer wieder nähern sich Teilnehmer ohne Masken.

Nicht immer reicht das vorgezeigte Attest den kontrollierenden Ordnungshütern, „der medizinische Grund, warum ein Tragen der Maske nicht zumutbar ist, muss schon aus dem Schreiben hervorgehen“, erklärt der Einsatzleiter.

Wolfgang Tenschert, dieses Mal der offizielle Veranstalter der regelmäßig abgehaltenen „Corona-Sprechstunde“, hat das Thema und die Referenten festgelegt. In dem Vortrag des ehemaligen Biologie- und Sportlehrers geht es um die Kraft des Immunsystems. Das seine, so ist er überzeugt, schützt ihn vor einer Corona-Erkrankung. Auf dem Platz erntet er dafür Applaus, „aber wir erreichen hier nur Leute, die eh mit dem übereinstimmen, was wir sagen“, gibt der 71-Jährige später im Gespräch zu. Privat spalte er mit dieser Ansicht schon mal. Der Freundeskreis bestehe aus Gleichgesinnten, „aber wenn Familienmitglieder nicht zu Besuch kommen mögen, ist das schon ein Vertrauensverlust“.

Bevor Referentin Eva Rothmaler die Relevanz der Darmgesundheit schildert, hat er mit den wegen des Abstandsgebots verstreut auf dem Platz verteilten Zuhörern einen Sonnengruß vollzogen. Später wird der medizinische Coach und Bewegungslehrer Helmut Jäger zu gemeinsamen Atemübungen anleiten – die eigentlichen körperlichen Übungen wurden untersagt. Während ein kollektives „Ahhh“ und „Zeee“ über den Platz schallt, wissen die Polizisten: Es wird wohl ein ruhiger Nachmittag in der Rotenburger Innenstadt.

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