Alternative zum Mulmshorner Tierheim

Aufnahmestopp: Rotenburger Fundtiere sollen nach Brinkum

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Das Tierheim „Arche Noah“ in Brinkum. Dort, so planen es derzeit die Südkreis-Kommunen, sollen bald die Fundtiere aus Rotenburg und Umgebung untergebracht werden.

Rotenburg/Brinkum - Von Matthias Röhrs. Die Kommunen im Südkreis Rotenburg planen nach dem vom hiesigen Tierschutzverein vor einem Monat verhängten Aufnahmestopp für Fundtiere mit dem deutschlandweit agierenden Bund gegen Missbrauch der Tiere (BMT) mit Sitz in Köln zusammenarbeiten.

Das haben der Botheler Samtgemeindebürgermeister Dirk Eberle und der Rotenburger Ordnungsamtsleiter Frank Rütter gegenüber der Kreiszeitung bestätigt. Demzufolge soll das BMT-Tierheim „Arche Noah“ in Stuhr-Brinkum zukünftig die „Fundsachenbetreuung Tier“ übernehmen. Dennoch soll es in der kommenden Woche noch einmal Gespräche mit dem Rotenburger Tierschutzverein geben.

Dessen Ankündigung vom 11. Mai hat die Städte, Samtgemeinden und Gemeinden kalt erwischt. „Absoluter Aufnahmestopp“, hatte es damals in einem Facebook-Post geheißen – ohne vorherige Rücksprache mit den Verwaltungen. Die Kommunen haben daraufhin gemeinsam nach einer Lösung, einer Alternative zum Mulmshorner Tierheim gesucht. Dabei verfolgten sie eine „unumstrittene gemeinsame Position“, wie es Eberle formuliert.

Die Alternative ist gefunden: Den Plänen nach sollen Fundtiere zukünftig in Brinkum bei Bremen, etwa 45 Kilometer von der Stadt Rotenburg entfernt, untergebracht werden. Das dortige Tierheim „Arche Noah“ sei die „nächstgelegene, leistungsfähige Möglichkeit“, so der Samtgemeindebürgermeister aus Bothel. Der Hintergrund: Grundsätzlich sind die Kommunen – wie bei allen anderen Fundsachen auch – für die Tiere zuständig. In der Praxis allerdings geben sie diese Aufgabe in der Regel an Tierschutzvereine ab und zahlen entsprechend für die erbrachten Leistungen – alles vertraglich festgelegt und bis vor einem Monat wurde das auch im Altkreis Rotenburg so gehandhabt. 

Mit dem Aufnahmestopp hat der Tierschutzverein den Vertrag im Prinzip aufgelöst, sagt Rütter. Mit der Option Brinkum in der Hinterhand wollen die Verwaltungschefs am Mittwoch jedoch noch einmal mit dem Verein und seiner Vorsitzenden Regina Buchhop – „unserer ersten Ansprechpartnerin“, so Rütter – das Gespräch suchen. Danach wollen sich die Kommunen endgültig festlegen und Details veröffentlichen, wie die „Fundsachenbetreuung Tier“ in Zukunft über die Bühne geht.

Kommunen wollen langfristige Lösung

Das Rotenburger Tierheim in Mulmshorn hatte im Mai aus finanziellen Gründen den Aufnahmestopp ausgesprochen. Schon seit Jahren greife man auf Rücklagen zurück, um die Kosten zu decken, hieß es. Buchhop warf den Kommunen damals öffentlich vor, sie würden nicht genügend für die erbrachten Leistungen zahlen. Dem Verein drohe eigener Aussage nach die Zahlungsunfähigkeit.

Es ist fraglich, ob sich die Städte und Gemeinden kurzfristig doch noch mit dem Verein einig werden. Die Kommunen streben eine „definitiv langfristige Lösung“ an. Das Thema soll im kommenden Jahr nicht schon wieder auf den Tisch kommen. Die Herausforderung: der Spagat zwischen den wirtschaftlichen Interessen eines Tierschutzvereins sowie den eigenen. „Das müssen wir alles im Blick haben“, sagt Eberle. Zudem benötigen die Kommunen transparente Zahlen, um für die Leistungen des Tierheims aufkommen zu können. Der Haushalt grüßt. Eberle: „Wir wollen mehr zahlen, wir müssen aber wissen wofür.“ Eine Information, die in der Vergangenheit fehlte. So war es bereits Mitte Mai zu hören.

Der BMT mit elf Tierheimen und zehn Geschäftsstellen im gesamten Bundesgebiet dagegen arbeite in dieser Sache sehr transparent, auch wenn noch niemand konkret sagen will, was man sich diese Option kosten lassen würde. Es sei aber eine gute Lösung für Tier und Steuerzahler, beteuert Eberle.

Wunsch nach verlässlicher Lösung

Brinkum sei als Reaktion auf das Vorgehen des Tierschutzvereins zu verstehen, so der Botheler Samtgemeindebürgermeister. Es sei keinesfalls eine Kritik an die tierschützerischen Leistung von Buchhop und ihrem Team. Doch die Kommunen bräuchten eben eine gute, zuverlässige Lösung für sich und natürlich das Fundtier. Derzeit greifen bei dessen Versorgung übrigens Einzelfallentscheidungen: Wird eines in einem Fundbüro abgegeben, bringe man es bei Tierärzten oder anderen Tierheimen in der Umgebung unter, so Rütter – je nachdem, wo Platz ist. Das sei aber ganz klar keine dauerhafte Lösung.

Wer ein herrenloses Tier findet, wird aber nicht nach Brinkum fahren müssen. Eine Abgabe in den Fundbüros der Kommunen ist vorstellbar, Details soll es in der kommenden Woche geben. Aus dem Sottrumer Rathaus wird indes die Tierklinik in Posthausen als Auffangstation ins Spiel gebracht. Dort hat der Samtgemeindeausschuss unlängst den Beschluss gefasst, einen Vertrag mit dem BMT abzuschließen. Dieser soll ein Jahr gültig sein, sich aber immer automatisch um ein weiteres verlängern, bis er aufgekündigt wird, so Jürgen Schlusnus, Allgemeiner Vertreter des Sottrumer Samtgemeindebürgermeisters Peter Freytag. Er sei „heilfroh“ über diese Lösung. Tiere könne man schließlich nicht wie Fahrräder einfach in den Keller stellen.

Trotz des viel beschworenen gemeinsamen Weges müsste jede Kommune einen eigenen Vertrag mit dem BMT abschließen. Sie seien in dieser Sache laut Eberle aber noch unterschiedlich weit fortgeschritten.

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