Inzidenz in Rotenburg wieder über 100

Sicherheitsdienst überwacht Quarantäne in Freikirche

Kordel vor Kirchenbank
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Gottesdienste dürfen auch bei hohen Zahlen in der Pandemie stattfinden. Dafür gibt es aber klare Regeln und viele Selbstverpflichtungen – offensichtlich aber nicht in allen Gemeinden.

Die Inzidenz steigt wieder, die Notbremse bleibt - und Rotenburger Kirchen geraten wegen eines Fallgeschehens unter Generalverdacht.

  • Gesundheitsamt bemängelt Kooperation von Rotenburger Freikirchengemeinde.
  • Dezentrale Impftermine in Wittorf und Oerel am Samstag.
  • Neue Service-Hotline des Landkreises.

Rotenburg – Auch wenn am Dienstag Bund und Land einige Lockerungen der Corona-Beschränkungen in Aussicht gestellt haben, gilt die „Notbremse“ im Landkreis Rotenburg unter anderem mit nächtlicher Ausgangssperre weiter: Nach zwei Tagen leichter Entspannung bei der Inzidenz ist die Zahl der Neuinfektionen binnen einer Woche in Bezug auf 100 000 Einwohner am Dienstag wieder über 100 gestiegen – sie liegt jetzt bei 112, heißt es vom Gesundheitsamt. Zwölf neue Coronafälle gibt es seit Montag. Kreisweit gibt es 354 Infizierte, von denen sich 17 Personen in stationärer Behandlung befinden.

Weiterhin gibt es zwei größere Fallgeschehen im Landkreis. Zum einen bei der Firma Fricke in Heeslingen, dem das Gesundheitsamt 32 positive Coronafälle von Personen, die ihren Wohnsitz im Landkreis haben, zuordnet. Drei weitere Folgefälle seien aus dem familiären Umfeld gemeldet worden. Hat man es bei dem weltweit tätigen Landmaschinen-Handel noch mit klaren Strukturen zu tun, gestaltet sich die Aufarbeitung bei der Ausbreitung in Rotenburg schwieriger. Von offizieller Seite heißt es, es handele sich um ein Cluster in einer „freikirchlichen Gemeinde“. Nähere Angaben macht die Kreisverwaltung auf Nachfrage nicht, auch seitens der Stadt herrscht diesbezüglich auf Nachfrage Schweigen. Dabei gibt es einige Gemeinden, die man grob in das Raster einordnen kann – und die nun gerade in den sozialen Medien unter Generalverdacht geraten. Auf Nachfrage versichern die Immanuel-Gemeinde Rotenburg, die islamische Gemeinde der Kleinen Ayasofya Moschee und auch die Zeugen Jehovas, alle Corona-Regeln einzuhalten und keine Infektionen ausgelöst zu haben. Dasselbe gelte für die Gemeinden der evangelischen Landeskirche im Stadtgebiet und die in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) kooperierenden Gemeinden wie die Baptisten, versichert Rotenburgs Superintendent Michael Blömer.

In Corona-Zeiten haben Religionsgemeinschaften eine Sonderrolle, das Grundrecht freier Glaubensäußerung wird gewahrt und dazu gehören auch Gottesdienste. Die fallen aber auch mal aus, wenn es die Situation nicht hergibt. So gibt es auch in der katholischen Pfarrgemeinde Corpus Christi strenge Hygieneauflagen: Jeder Gottesdienst muss gemeldet werden und es stehen Ordner bereit, die für die Einhaltung der Regeln sorgen, erklärt Pastor Hans-Günter Sorge. „Die Leute sind angewiesen, sich entsprechend zu verhalten. Und wenn kein Platz mehr ist, werden sie auch mal abgewiesen.“ Auch für Open-Air-Gottesdienste gelten die AHA-Regeln. Den Ausbruch rund um eine freikirchliche Gemeinde beobachtet auch er mit Skepsis. „Die Möglichkeiten des Treffens, die wir haben, machen sie durch ihr Verhalten kaputt“, äußert er ganz klar. Er könne sich vorstellen, dass sich in diesem Fall nicht an die Vorschriften gehalten worden ist. „Wir können das Verhalten in der Kirche garantieren, aber was ist danach? Oder auf dem Heimweg? Da liegt die Verantwortung auch bei jedem Einzelnen.“ So würden sie auf ihrem Gelände Kleingruppen rigoros auflösen, sollten sich nach Gottesdiensten noch Bekannte unterhalten.

Die Kooperationsbedingungen mit der betroffenen Gemeinde sind schwierig und erfordern erheblichen Nachdruck seitens des Gesundheitsamtes.

Kreissprecherin Christine Huchzermeier

Kreissprecherin Christine Huchzermeier bestätigt auf Nachfrage, dass von den in der Kreisstadt aktuell 101 Coronafällen 34 der Freikirchengemeinde zugeordnet werden, für 70 Kontaktpersonen gelte die häusliche Quarantäne. Dass diese auch eingehalten wird, sei für die Verwaltung eine schwierige Aufgabe: „Die Kooperationsbedingungen mit der betroffenen Gemeinde sind schwierig und erfordern erheblichen Nachdruck seitens des Gesundheitsamtes. Es erfolgt eine Quarantäneüberwachung durch einen Sicherheitsdienst.“ Ob die Infektionen bei einem Gottesdienst oder einer anderen gemeindlichen Versammlung weitergetragen wurden, wird nicht beantwortet. Huchzermeier: „Eventuelle Ordnungswidrigkeiten werden aufgegriffen, sobald das akute Infektionsgeschehen gestoppt ist.“

Die Polizei ist in Ermittlungen rund um das Rotenburger Fallgeschehen noch nicht involviert. Sprecher Heiner van der Werp sagt auf Nachfrage, er wisse noch nicht, um welche Gemeinde es sich handelt. „Letztlich zuständig ist das Gesundheitsamt.“ Das könne dann der Staatsanwaltschaft bei möglichen Verstößen gegen die geltenden Regeln auch direkt Meldung erstatten. „Wir sind bislang nicht eingebunden.“

Impftermine in Wittorf und Oerel

Der Landkreis kann erneut dezentrale Impftermine anbieten. Der Grund: Es gab zwei zusätzliche Lieferungen des Impfstoffes Astrazeneca. Am kommenden Sonnabend, 8. Mai, können Personen über 60 Jahren in Wittorf und Oerel dieses Vakzin bekommen. In Oerel stehen rund 450, in Wittorf rund 350 Termine zur Verfügung, heißt es in der Mitteilung. Da diese Termine aufgrund technischer Schwierigkeiten wieder nicht ins Landessystem eingetragen werden konnten, nutze das Impfzentrum dafür noch einmal das eigene Buchungssystem. Anmelden können sich Personen, die ihren Wohnsitz im Landkreis haben und über 60 Jahre alt sind. Dass Angebot gelte aber nicht für Menschen, die bereits einen festen Impftermin vom Land Niedersachsen zugeschickt bekommen haben. Anmeldungen unter www.lk-row.de/impfen8mai.

Landkreis richtet Impftelefon ein

Da beim Bürgertelefon, Gesundheitsamt und anderen Ämtern der Kreisverwaltung viele Fragen zum Impfzentrum in Zeven gestellt werden, hat der Landkreis nun vor Ort selber eine Servicenummer eingerichtet. Diese ersetzt aber nicht die Impfhotline des Landes, sondern soll die Fragen beantworten, die direkt vom Impfzentrum bearbeitet werden können.

Das Zevener Impftelefon ist der Mitteilung nach montags bis freitags von 8.30 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 04281/7117960 erreichbar. Anfragen können auch per E-Mail an anmeldung.impfzentrum@lk-row.de gestellt werden. Beantwortet werden Fragen zur Impfung im Impfzentrum, Impfberechtigung (Priorisierung) und Verschiebung oder Stornierung von Terminen. Fragen zur Warteliste und wann jemand über die zentrale Vergabestelle des Landes seinen Termin bekommt, können hier nicht beantwortet werden, heißt es.

Wer einen Termin machen möchte oder Fragen zur Warteliste und zum Impfen allgemein hat, wendet sich weiterhin an die Impfhotline des Landes unter 0800 / 9988665. Impftermine können auch online über das Impfportal des Landes auf https://www.impfportal-niedersachsen.de gebucht und gegebenenfalls auch wieder storniert werden.

Weiterhin geschaltet sei zudem das allgemeine Bürgertelefon des Landkreises, das Fragen zur aktuellen Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen und zum Infektionsschutzgesetz beantwortet. Das Bürgertelefon ist montags bis freitags von 9 bis 13 Uhr unter der Telefonnummer 04261 / 983 983 zu erreichen. mk

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