Rotenburger Erlebnisbad verliert 2015 Besucher – wie die Branche insgesamt

„Kein Ronolulu-Effekt“

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Ronolulu-Badleiter Burkhard Oelkers hält das Freibad bis zum 1. Mai kommenden Jahres geschlossen.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Das schlechte Wetter? Ein geändertes Freizeitverhalten der Jugendlichen? Konkurrenz durch den Weichelsee? So ganz lassen sich die Gründe, warum die Besucherzahlen des Rotenburger Erlebnisbades Ronolulu seit Jahren zurückgehen, nicht erklären. Seit Montag hat das Freibad geschlossen – und Badleiter Burkhard Oelkers befürchtet weiter rückläufige Zahlen.

38 Grad, Deutschland schwitzt. Es ist der 4. Juli, ein Samstag dazu, und es gibt nur eine Lösung, die Hitze zu ertragen: ab ins Schwimmbad. 2800 Gäste zählt das Ronolulu am heißesten Tag des Jahres 2015, absoluter Rekord. Ein Ausnahmetag, auch wenn später noch ein sehr warmer, sonniger und gut besuchter August folgt. Doch insgesamt: zu wenig. „Bis Ende August hatten wir rund 13000 Besucher weniger als im Vorjahreszeitraum“, zieht Oelkers am ersten Schließtag des Freibades eine Zwischenbilanz 2015. Insgesamt komme man in diesem Jahr wohl auf rund 240000 Besucher, „wenn es gut läuft“.

Der September jedoch war schon mal kein guter. Wie üblich schließt nach den Sommerferien für zwei Wochen das Hallenbad für Instandsetzungsarbeiten, zudem war und ist kein Altweibersommer in Sicht. Oelkers: „Der September wird uns noch einmal reinreißen.“ Auch wenn einige Stammgäste den Wunsch geäußert hatten, dass das Freibad wie in einigen Vorjahren noch bis Anfang Oktober geöffnet bleibe, müsse die Badleitung der Realität und damit der Wettervorhersage ins Auge blicken: „Wir schmeißen sonst Heizkosten hinaus.“

1992 wurde das Ronolulu für 250000 Besucher jährlich als Erlebnisbad konzipiert, zur Hochzeit um die Jahrtausendwende kamen bis zu 340000 Besucher. Davon ist man heute weit entfernt. Über die Gründe rätseln die Verantwortlichen. Zuletzt ist eine Umfrage unter Gästen und Nicht-Gästen in Auftrag gegeben worden, um mehr Klarheit zu erlangen. Und auch wenn die Auswertung noch läuft, verrät Hans-Joachim Boschen, Marketing- und Vertriebsleiter der betreibenden Stadtwerke: „Die ersten Hinweise deuten darauf hin, dass die Gäste zufrieden sind.“ Diejenigen, die kommen, hätten also nicht viel auszusetzen. Und doch bemühe sich das Ronolulu wie mit den Umgestaltungen im Eingangsbereich, dem vergrößerten Saunabereich oder neuen Kursangeboten stetig etwas attraktiver zu werden. Stadtwerke-Chef Reinhard David hat unlängst allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen als Ursachen des Rückgangs ausgemacht. Ganztagsschulen schränkten die freie Zeit ein, zudem säßen viele Kinder und Jugendliche viel zu viel zu Hause vor dem Computer oder vor Spielekonsolen. „Es wächst eine Generation der Stubenhocker und Bewegungsmotoriker heran“, bedauert er. Und das schlage sich dann in der gesamten Bäderbranche wieder, heißt es aus Rotenburg. Boschen: „Es gibt keinen Ronolulu-Effekt.“

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