Rotenburger Diakonieklinikum zählt mehr Patienten und Mitarbeiter / Problem Notfallambulanz

Wachstum mit Schattenseiten

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Ein Problem, das das Diako mit einem neuen Parkdeck auf dem Mutterhausgelände lösen will: Es gibt zu wenig Parkplätze für Patienten und Mitarbeiter.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Weiterhin gibt es an vielen Stellen große Fragezeichen, wie sich die Krankenhauslandschaft im Landkreis Rotenburg entwickeln wird. Die Hängepartie um die Ostemed-Kliniken in Zeven und Bremervörde und den kartellrechtlich noch fragwürdigen Einstieg der Stader Elbe Kliniken lässt sich der Landkreis nach aktueller Planung bis zum Jahr 2021 31 Millionen Euro kosten. Am Rotenburger Agaplesion Diakonieklinikum steht mit den nun erhobenen Zahlen für das vergangene Jahr dagegen fest, wohin es geht: weiter aufwärts.

„Die Patienten schenken uns ihr Vertrauen“, freut sich Diako-Geschäftsführer Rainer W. Werther über die Zahlen 2015. Die Zahl der stationären Patienten ist um rund 1000 auf 32000 gewachsen, ambulant wurden 91000 Patienten fachärztlich versorgt (2014: 85000), und ebenfalls um rund zehn Prozent ist die Zahl der Geburten auf 1115 gewachsen. Das Personal wurde innerhalb des vergangenen Jahres um 50 auf 2300, davon rund 300 Ärzte, aufgestockt. Die Auslastung im 800 Betten-Haus beträgt 85 Prozent, in der Psychiatrie sogar 95 Prozent. 6,2 Tage bleibt der stationäre Patient im Durchschnitt in der Klinik. Insgesamt ein Wachstum um rund vier Prozent, „und das ist viel“, so Werther. Denn: Eigentlich mache der Demografie-Faktor, also der Anstieg der Patientenzahl aufgrund der alternden Gesellschaft, nur rund ein Prozent aus. 2015 lag das Durchschnittsalter der Diako-Patienten bei 52,7 Jahren – wohlgemerkt inklusive der Neugeborenen. 2014 noch bei 51,17 Jahren.

Werther begründet den Rotenburger Aufschwung mit der Unsicherheit in den Ostemed-Häusern im Nordkreis, einer eingeschränkten Personalsituation bei der Versorgung von Herzinfarkt-Patienten im Heidekreis-Klinikum und dem stetig ausgebauten, eigenen Leistungsspektrum. Ein „Maximalversorger“ auf dem Land – eine Rarität in der bundesweiten Krankenhauslandschaft.

Allerdings werfen die steigenden Zahlen im Diakonieklinikum auch Fragen und Probleme auf: Wie kann das Krankenhaus weiter wachsen? Und leidet die Qualität darunter? Bezogen auf die Qualitätsfrage ist für Werther insbesondere die Situation in der Notfallambulanz schwierig. Dort ist die Zahl der Fälle 2015 innerhalb eines Jahres von 14500 auf 16000 gewachsen. Erfreulich zunächst, weil es den Zuspruch zeige. Aber eben auch: „Verbunden mit Schattenseiten.“ Denn immer häufiger komme es vor, dass Menschen mit Krankheiten vorstellig werden, die eigentlich beim Hausarzt erscheinen müssten. Mit Husten und Schnupfen zur Notaufnahme? „Das kommt leider immer häufiger vor“, so Werther. Der Anteil der Patienten, die auch durch Notfallpraxen hätten versorgt werden können, wird auf 30 Prozent geschätzt. Dadurch steige die Arbeitsbelastung der Ärzte, die Wartezeiten erhöhten sich und für tatsächliche Notfälle werde es eng. Zudem sei es ein Kostenfaktor: Tatsächlichen Kosten von rund 125 pro Notfallpatient stünden 35 Euro Kassen-Erstattungen gegenüber. Das Diako selbst will diesem gesamtgesellschaftlichen Trend mit „Gesundheitserziehung“ oder auch Tele-Medizin wie Online-Sprechstunden entgegen wirken – Bestandteile der Überlegungen im großen „Masterplan 2025“.

In naher Zukunft steht für das Diako der Ausbau der Endokrinologie, also der Hormon-Medizin (Werther: „Einmalig in der Region“), und die Planung eines Mutter-Kind-Zentrums an. Insbesondere die intensivmedizinische Betreuung von Kindern mit ihren Eltern soll verbessert werden. Zudem hat sich das Diako dem Dauerthema Parkplätze angenommen. Zu den bisherigen 920 Stellplätzen im Parkhaus und auf den Freiflächen sollen mit einem Parkdeck auf dem Buhrfeind-Gelände 380 hinzukommen. Eine Millionen-Investition, für die sich das Krankenhaus Zuschüsse von Stadt und Landkreis verspricht. Die Verhandlungen laufen.

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