Kommentar von Michael Krüger

Verloren bereits ohne Urteil

Kommentar von Michael Krüger. Es gibt wie immer mindestens zwei Seiten der Geschichte. Und natürlich lässt sich ein jahrelanger Konflikt auf persönlicher und beruflicher Ebene nicht durch ein Urteil, über das auch noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, beenden.

Michael Krüger

Es gibt viele Ursachen für ein Zerwürfnis im Rathaus, keine endgültige Wahrheit. Aber es gibt ein erstes Wort der Justiz. Und das ist, wenn sich die Richter in Verden nicht völlig geirrt haben, nicht viel weniger als ein Skandal. Die drastische Wortwahl, mit der die Vorfälle zwischen dem damaligen Bürgermeister Eichinger und dem (aus welchen Gründen auch immer) in Ungnade gefallenen Mitarbeiter beschrieben werden, dürften in dieser Art bundesweit einmalig sein. Von einer „Demontage“ wird im Urteil gesprochen, systematisches Mobbing eines leitenden Beamten, der nach allem, was man von verschiedenen Seiten hört, nicht einfach ist – was aber in keinem Fall eine Behandlung, wie sie die Richter nun bestrafen, rechtfertigen könnte.

Schon im Wahlkampf 2014 kochte das Thema einer schlechten Stimmung im Rathaus mit dem Abschied von Stadträtin Ute Scholz hoch. Damals war die Empörung groß, weil öffentlich Kritik an Missständen geäußert wurde. Auch wir als Tageszeitung wurden angegriffen, weil wir das Thema dem Vorwurf nach einseitig zu Ungunsten des damals amtierenden Bürgermeisters und CDU-Kandidaten hochgespielt hätten. Alles nur politisches Kalkül, Stimmungsmache? Offensichtlich nicht. Es lief etwas schief in der höchsten Amtsstube der Kreisstadt, aus einem internen Vorgang ist eine Schieflage von öffentlichem Interesse geworden, weil es auch um viel Steuergeld geht.

Hat das Urteil auch vor dem Oberlandesgericht bestand, muss es Konsequenzen geben. Die Frage des Vorsatzes, der bewussten Manipulation und Herabsetzung, ist dann zu klären. Und die kann zu Regressansprüchen führen: Die Allgemeinheit hat nicht für die Verfehlungen Einzelner einzustehen. Bis dahin ist das Urteil von Celle abzuwarten. Egal, wie es ausgehen wird, Verlierer gibt es schon jetzt: Glaubwürdigkeit und Ansehen von Politik und Verwaltung dürften ein weiteres Mal leiden..

Rubriklistenbild: © Mediengruppe Kreiszeitung

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