Kommentar von Elisabeth Stockinger

Ab in den Unterricht!

Kommentar von Elisabeth Stockinger. Adolf Hitlers „Mein Kampf“ ist ein Mega-Bestseller. 1945 lag die Gesamtauflage bei mehr als zwölf Millionen. Das Buch ist zum Werk der Zeitgeschichte avanciert, nach der Bibel eine der bekanntesten Schriften weltweit.

Und doch hat sie gefühlt kaum jemand gelesen, lagert das Werk doch seit Ende des Zweiten Weltkrieges im „Giftschrank“. Fast schämen muss sich derjenige, der „auf Omas Dachboden“ mal einen Blick in das Buch geworfen hat. Aber warum? Schließlich hat erst der Ruhm Hitlers das Werk zu einem Verkaufsschlager gemacht, nicht umgekehrt. Durch das Verteufeln wurde der Mythos „Mein Kampf“ erschaffen. Verbote wecken Begehrlichkeiten. Leser mit gesundem Menschenverstand wissen das einzuordnen und können „Mein Kampf“ als das enttarnen, was es ist: die Hetzschrift eines Geisteskranken. Doch wie komme ich dazu, so etwas zu behaupten? Ich habe das Buch nie gelesen – war ja verboten. Mir sind nur Auszüge bekannt. Zeitgenössische Werke hingegen, von Ulfkotte und seinen Gesinnungsgenossen, sind aufgrund des zunehmenden Rassismus weitaus gefährlicher. Für jedermann frei erhältlich nutzen sie aktuelle Probleme für ihre propagandistischen Zwecke. Angesichts der Gefahr einer Propagandaschrift ist es umso wichtiger, die neue Fassung von „Mein Kampf“ auch in den Schulunterricht einzubinden.

Kein Neonazi wird in Springerstiefeln in die örtliche Buchhandlung laufen, um „Mein Kampf“ zu kaufen. Bei Bedarf wurde die Sehnsucht nach dem Buch längst gestillt, meist über illegale Wege, in die Kasse fragwürdiger Händler. Diese Einnahmequelle könnte nun versiegen. Ein Grund mehr für die Veröffentlichung.

Rubriklistenbild: © Mediengruppe Kreiszeitung

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