Potenzialfläche am Ahlsdorfer Forst soll aus dem Raumordnungsprogramm raus

Rotenburg will Windpark nicht

Neubaugebiet an der Brockeler Straße neben erweitertem Windpark – diese Vorstellung gefällt Rotenburg nicht. - Foto: Krüger

Rotenburg - Von Michael Krüger. Julian Helmich ist „einigermaßen erstaunt“. Der Wirtschaftsingenieur hatte Ende April im Rotenburger Rathaus öffentlich die Pläne der Reon AG aus Lilienthal und der Capcerta GmbH aus Wohlsdorf vorgestellt, östlich des Rotenburger Stadtgebiets am Ahlsdorfer Forst den „Windpark Wohlsdorf“ zu bauen. Die Resonanz damals: durchaus positiv.

Nun aber wehren sich die Rotenburger Verwaltung und Politik gegen das Projekt. Im Ausschuss für Planung und Hochbau wurde eine entsprechende Stellungnahme am Montagnachmittag auf den Weg gebracht. Die Folgen sind noch unklar.

Streitpunkt ist die Potenzialfläche 34 für Windenergienutzung im Entwurf des neuen Regionalen Raumordnungsprogramms. Auf diesem 97 Hektar großen Gebiet, gelegen zwischen Rotenburg, Wensebrock und Bartelsdorf/Wohlsdorf und nicht weit entfernt vom Neubaugebiet an der Brockeler Straße, planen die Unternehmer sechs Windenergie-Anlagen der neuesten Generation.

Helmich und seine Kollegen sprechen von Windrädern des Typs „E141“ mit einer Nabenhöhe von rund 160 und einem Rotordurchmesser von 140 Metern – was also einer Gesamthöhe von rund 230 Metern entspricht und damit als „raumbedeutsam“ gilt. Diese sechs Anlagen sollen in etwa so viel Strom liefern wie die bisherigen 16 Anlagen in unmittelbarer Nähe, jährlich etwa 75 Millionen Kilowattstunden, was der Versorgung von 19 000 Vier-Personen-Haushalten entspreche.

Alles im Einklang mit den Vorgaben des Landkreises, alles innerhalb der Richtlinien, was Lärmbelästigungen, Emissionen und Schattenwurf angeht. Aber dennoch: nicht ratsam für Rotenburg. Darin waren sich die Ausschussmitglieder von SPD und CDU einig. Es ginge nicht um die Diskussion über Windkraft insgesamt, sondern um die Frage, wie sich Rotenburg als wachsende Stadt entwickeln könne, so Bürgermeister Andreas Weber (SPD).

Denn: Innerhalb der kommenden fünf bis 20 Jahre müsste ein weiteres Baugebiet an der Brockeler Straße in Richtung des geplanten Windparks ins Auge gefasst werden. Rotenburgs Wachstum sei durch Naturschutzgebiete, die Bahnlinie, Rodau und Wümme begrenzt – mit dem „Windpark Wohlsdorf“ würde man sich einer seiner wenigen Optionen berauben. Weber: „Es würde schwierig werden, ein Baugebiet dort attraktiv zu entwickeln.“ Statt mit den raumbedeutsamen Anlagen könnte auch durch die Stadt selbst – zum Beispiel mit den Stadtwerken als Partner – einen Windpark auf diesem Gebiet mit kleineren Anlagen bauen, die entsprechend weniger Auswirkungen hätten.

Über diese Aussagen freute sich auch die CDU. Und sie bedankte sich, es beginnt der Wahlkampf, in Person von Fraktionschef Klaus Rinck dafür, dass SPD und Verwaltung sich der Position seiner Partei angenommen habe. Weber konterte, bezugnehmend auf eine diesbezügliche Flugblattaktion der CDU, dass der Stadtratsopposition die Haltung des Bürgermeisters und seiner Verwaltung lange bekannt gewesen sei, als sie damit begann, anderes zu behaupten.

Abseits dieser politischen Spielchen betonten Helmich und die Investoren, dass die Argumentation in der Stellungnahme ein „Rückfall in das St. Florians-Prinzip“ sei: Windkraft ja, aber nicht hier. Es würden alle Richtlinien eingehalten, Belastungen für Anwohner minimiert. Da man Verständnis für die Befürchtungen der Bürger hätte, würden sogar technisch gar nicht notwendige Maßnahmen zusätzlich ergriffen: „Unser Vorhaben steht einer Entwicklung weiterer Wohnbauflächen nicht entgegen.“ Das sahen auch die beiden Grünen-Vertreter Matthias Hülsemann und Ekkehard von Hoyningen-Huene so. Sie votierten als einzige gegen die Position. Sie bezeichneten die Argumente zu Belastungen und Wertminderungen als durchgehend „irrational“.

In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob das auch die Regionalplaner des Landkreises so sehen. Ab Juni werden die Stellungnahmen ausgewertet. Werden die Einwände für stichhaltig erachtet, folgt eine erneute Auslegung des Entwurfs. Das letzte Wort zum Regionalen Raumordnungsprogramm hat der Kreistag. Gibt er grünes Licht, kommt der Windpark Wohlsdorf, das wird die Stadt nicht mehr verhindern können. Helmich und seine Kollegen glauben fest daran, trotz des Rotenburger Einwandes: „Ja. Das Vorhaben erfüllt alle Kriterien des Kreises, uns liegen positive Umweltgutachten vor, und der Windpark erfährt von Seiten des Wohlsdorfer Ortsrates große Zustimmung.“

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