„Stadtradeln“ kann das Bewusstsein fördern

Rotenburg will fahrradfreundliche Kommune werden

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Viele Rotenburger nutzen das Fahrrad, wenn sie innerstädtisch unterwegs sind. Aber es sollen noch mehr werden. Deshalb hat die Stadt noch eine Reihe von Projekten im Auge, um die Kreisstadt noch fahrradfreundlicher zu machen.

Rotenburg - Von Guido Menker. Es ist ja nicht so, dass die Rotenburger kein Fahrrad fahren. Ein gutes Indiz dafür: Wer auf dem Rotenburger Bahnhof nach einem Abstellplatz für sein Rad sucht, hat es mitunter schwer. Viele Pendler steuern mit dem Fahrrad den Bahnhof an, und nicht wenige von ihnen klagen über mangelnde Abstellplätze, an denen sie ihre Räder anschließen können. Das soll sich ändern: Die Stadt will dort nicht nur neue Parkplätze für Autos, sondern auch zusätzlich Fahrradabstellplätze schaffen.

Das passt ins Konzept von Bürgermeister Andreas Weber (SPD). Der wirbt in diesem Jahr zum vierten Mal voller Überzeugung für die Teilnahme am Stadtradeln – und spricht mit der Kreiszeitung im Vorfeld der dreiwöchigen Aktion über das, was sich im Laufe der vergangenen Monate in der Kreisstadt zur Verbesserung des Fahrradverkehrs getan hat und was als nächstes in Angriff genommen werden soll. Das alles macht die Stadt, um den Anteil des Fahrrades am städtischen Verkehr weiter zu erhöhen.

Das Zertifikat fehlt noch, aber Weber ist sich ganz sicher, in den kommenden Jahren für Rotenburg auch die Anerkennung als fahrradfreundliche Kommune zu erhalten. Den Radverkehr zu fördern, sei aus verschiedenen Gesichtspunkten sinnvoll: „Man ist schneller unterwegs, bewegt sich an der frischen Luft, die Menschen begegnen sich, und es fördert das Wir-Gefühl.“ Stephan Lohmann, im Rathaus für den Bereich Verkehr zuständig, ergänzt: „Es geht dabei auch um Vernetzung.“ Und eben die spiegele sich nicht zuletzt auch in den vielen Teams wider, die sich Jahr für Jahr für das Stadtradeln bilden. Diese Aktion wiederum trage dazu bei, ein Bewusstsein zu schaffen, vielleicht doch häufiger das Auto stehen zu lassen und auf das Rad umzusteigen, so Andrea Rieß vom Umweltschutzbüro.

„Geld in die Hand nehmen“

Den Anteil des Radverkehrs in der Kreisstadt zu erhöhen ist also das Ziel. „Dafür müssen wir aber auch Geld in die Hand nehmen, um noch fahrradfreundlicher zu werden“, erklärt Weber. Mit dieser Absicht ist die Stadt Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK). Der Weg zum Ziel ist ein gut funktionierendes Wegenetz im gesamten Gebiet – und dazu gehören auch die Ortschaften Waffensen, Mulmshorn, Unterstedt sowie Borchel.

Bei der Planung orientiert sich Rotenburg am Radverkehrskonzept von 2013. „Dabei haben wir die gesamte Situation analysiert und 150 Standorte aufgezeigt, wo der Schuh drückt“, erinnert Lohmann an diese Arbeit. Im Arbeitskreis Radverkehr schließlich haben die Männer und Frauen am Tisch eine Prioritätenliste erstellt. Und die ersten dicken Brocken sind inzwischen nahezu fertiggestellt.

• Angenehmes Radfahren ist jetzt auch auf dem Ebberskamp als Verbindung zwischen dem Grafeler Damm und dem Ginsterweg möglich.

• Die Stadt hat den Sandhasenweg bis hin zum Brockmanns Wiesenweg verlängert – es fehlt nur noch das letzte Teilstück mit einer Länge von etwa 200 Metern. Das soll bald folgen. Und genau dort knüpft ein weiteres Vorhaben an: Ins Auge gefasst ist eine Verbindung von dort bis hin zum Brockeler Bahnhof – in Kooperation mit den Gemeinden Brockel und Hemsbünde, so Andreas Weber

• Froh sind auch viele Radfahrer über die neu erstellte Verbindung zwischen Rönnebrocksweg und Imkersfeld mit einer Abzweigung zum Aral-Kreisel.

EU-Förderung in Höhe von 50 Prozent

Diese drei Maßnahmen hat die Stadt in den vergangenen anderthalb Jahren umgesetzt. Kostenpunkt: rund 400 000 Euro. Aus dem EU-Topf gab es eine Förderung in Höhe von 50 Prozent, berichtet Andreas Weber. Und auf die baut die Stadt auch beim nächsten Projekt – dem Ausbau des Luhner Weges von der Lebenshilfe-Gärtnerei bis in Gewerbegebiet Hohenesch inklusive einer Querungshilfe auf der Bundesstraße 71.

Bereits umgesetzt worden ist aber noch viel mehr, um die Stadt fahrradfreundlicher zu gestalten: Zwei Fahrradstraße sind eingerichtet worden (Hemphöfen und Gerberstraße), und außerdem hat die Stadt Hunderte von Fahrradbügeln installiert.

Andreas Weber hat – unabhängig von den weiteren Eckpunkten auf der Prioritätenliste – auch die Goethestraße im Auge. „Die möchten wir gerne fahrradfreundlicher gestalten.“ Sollte das in den kommenden Jahren gelingen und ist die Harburger Straße erst einmal neu ausgebaut, könnte es auch mit dem Zertifikat für eine fahrradfreundliche Kommune klappen. Andreas Weber: „Wir arbeiten daran.“

Der Startschuss fällt am 27. Mai auf dem Neuen Markt

Zum vierten Mal nimmt die Stadt Rotenburg dieses Jahr am bundesweiten Wettbewerb „Stadtradeln“ des Klima-Bündnisses teil, und mit jeder Teilnahme hat sich die Zahl der Mitradlerinnen und -radler deutlich gesteigert: von 456 Aktiven im Jahr 2015 zum Start dieser Aktion über 699 im Jahr 2016 bis hin zu 724 Teilnehmer 2017. In diesem Jahr findet das Stadtradeln in Rotenburg vom 27. Mai bis zum 16. Juni statt. Wer dabei sein möchte, kann sich online auf der Seite www.stadtradeln.de oder auch per Formular im Rotenburger Rathaus anmelden. 

Mitmachen kann jeder, der in Rotenburg lebt oder hier arbeitet. Wo die Kilometer gesammelt werden, spielt dann keine Rolle – auch im Urlaub ist das möglich. Die Teilnehmer können einzeln dabei sein oder sich auch einer Gruppe anschließen. Für das Stadtradeln kann zum Übertragen der gefahrenen Kilometer auch eine App genutzt werden, die für Android und auch für iOS-Geräte in den jeweiligen Appstores kostenlos erhältlich ist. Teilnehmer des Stadtradelns erhalten später im Jahr eine Einladung zu einer Abschlussveranstaltung, bei der es Preise zu gewinnen gibt.

Der Startschuss in Rotenburg fällt bei der Auftaktveranstaltung am 27. Mai um 11.30 Uhr auf dem Neuen Markt. Von dort aus startet eine Fahrradtour zum „Haus der Zukunft“ in Mulmshorn. - men

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