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Rotenburg will Energie sparen - doch wie?

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Von: Andreas Schultz

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Anne Senkel und Volker Meyer
Die Stadtwerke machen’s vor: Sie erneuern Fenster am Verwaltungsgebäude. Welches Vorgehen bei öffentlichen Gebäuden helfen soll, werden sie voraussichtlich mithilfe Kommunalen Energiemanagements aufzeigen. Die Fäden dafür laufen bei Projektingenieurin Anne Senkel und Stadtwerke-Chef Volker Meyer zusammen. © Andreas Schultz

Auch Rotenburg muss schauen, wie Energie gespart werden kann. Mit dem Kommunalen Energiemanagement wird ein Schritt vorgenommen, den andere schon hinter sich haben. Die Stadtwerke sollen als Partner mit an Bord.

Rotenburg – Vertraglich ist noch nicht alles unter Dach und Fach, dennoch: Das Kommunale Energiemanagement (KEM) der Stadt Rotenburg ist vom Rat beschlossene Sache. Läuft alles nach bisherigem Fahrplan, dann übernehmen die Stadtwerke das. Jetzt braucht es nur noch den rechtsgültigen Auftrag an die städtische Tochterfirma. Angefangen hat sie trotzdem schon mal, denn der Energielieferant ist dank erwartbarer Zustimmung aus der Politik in den vergangenen Wochen „bereits in Vorleistung gegangen“, wie es Geschäftsführer Volker Meyer ausdrückt.

Dazu zählt beispielsweise die Ausschreibung für einen „Projektingenieur Energiedienstleistung“. Die haben die Stadtwerke bereits eingetütet: Den Posten besetzt seit Anfang des Monats Anne Senkel. Neben einer Vielzahl anderer Tätigkeiten in der Firma werden bei ihr und dem hinter ihr stehenden Projektteam nun alle Fäden zusammenlaufen, solange es um das KEM geht.

25.000 Euro im Etat

Und wozu das Ganze? „Das KEM hilft, Energiekosten im Betrieb der kommunalen Gebäude zu reduzieren ohne Komforteinbußen mit nicht- oder geringinvestiven Maßnahmen“, heißt es in der Präambel des Vertragsentwurfs. Oder wie Stadtwerke-Chef Meyer es zusammenfasst: „Das große Thema ist: Wie können wir Energie einsparen?“ Eine Fragestellung, die nicht nur im Hinblick auf die Klimakrise große Bedeutung hat, sondern auch mit Blick auf den Ukraine-Krieg und den damit verbundenen Auswirkungen auf den Energiemarkt.

25 000 Euro stellt die Stadt für das KEM und die zugehörige Erstellung des Energieberichts im Haushalt bereit. Ansätze wie diese muss die Stadt zwar nicht in voller Höhe ausschöpfen, aber diese Summe fällt auch beim Pressegespräch mit den Stadtwerken. Ein guter Teil davon dürfte für die entsprechende Monitoring-Software draufgehen, die die Stadtwerke entweder entwickeln lassen oder einkaufen. Sie soll die Datenaufnahme, deren Verwaltung und damit auch die Erstellung eines Energieberichts erleichtern, der am Ende des Managements stehen soll.

Das große Thema ist: Wie können wir Energie einsparen?

Stadtwerke-Chef Volker Meyer

Die Stadtwerke werden nach der voraussichtlichen Auftragserteilung die öffentlichen Gebäude durchleuchten: Wie hoch sind die leitungsgebundenen Verbräuche? Mit anderen Worten: Was braucht so ein Bau an Wärme, Strom, Gas und Wasser? Daran gebunden ist die Ermittlung des jeweiligen baulichen und technischen Zustands. Und auch der CO2-Verbrauch der Gebäude spiele eine Rolle.

Das wiederum fängt schon bei ganz einfachen Fragen an: Wie wird geheizt? „Heizöl emittiert nun mal mehr CO2 als Erdgas“, stellt Meyer fest. Er geht den Prozess beispielhaft am Ratsgymnasium durch: Zunächst schauen sich die Experten der Stadtwerke die Schule direkt vor Ort an, besorgen sich die Pläne, tragen alles zusammen, was für die Ermittlung der Daten von Belang ist. Wie die Beleuchtung funktioniert, wann und wie geheizt wird. Auch die Schwachstellen, über die das Gebäude am meisten Wärme nach draußen abgibt, werden Thema werden. „Wir schauen uns das mit der Wärmebildkamera an. Das machen wir dann im Winter, wenn es schön kalt ist. Dann sieht man das am besten“, sagt Meyer.

Grundlage für Sanierungspläne

Letztendlich vergleichen die Stadtwerke die erhobenen Daten mit denen eines jeweiligen Referenzgebäudes. „Das ist nicht irgendein Gebäude: Für jeden Typen gibt es ein entsprechendes Muster. Beispielsweise für eine Schule, die in den 70er-Jahren gebaut worden ist“, erklärt Senkel. Die jeweiligen Differenzen geben Aufschluss darüber, wo der größte Handlungsbedarf herrscht, wo das meiste Potenzial für Kostenersparnis über entsprechende Maßnahmen liegt. Laut Vertragsentwurf sind da einerseits geringinvestive Maßnahmen wie Regelung, Vorlauftemperatur und Prüfung der Nutzungszeiten Thema. Andererseits soll der Energiebericht, der aus dem KEM entstehen soll, der Stadt als Grundlage für Sanierungsplanung und sachgerechte Investitionsentscheidungen dienen.

Im ersten Entwurf des Vertrags steht eine Laufzeit von zwei Jahren. Aber, darauf weisen Bürgermeister Torsten Oestmann und die Erste Stadträtin Bernadette Nadermann vorsorglich hin, das Dokument befindet sich hausintern noch in der Prüfung. Bevor der Kugelschreiber letzten Endes über die Unterschriftenzeile gleitet, wird der Rat sich noch einmal mit dem Vertragsentwurf befassen.

Management-Typen

Das Kommunale Energiemanagement ist eine Pflichtaufgabe der Kommunen. Sie geht auf das Niedersächsisches Gesetz zur Förderung des Klimaschutzes und zur Minderung der Folgen des Klimawandels zurück. Unter Paragraf 8 ist verankert, dass die Kommunen Energieberichte zu erstellen haben. Anders verhält es sich mit dem Klimaschutzmanagement: Das ist keine Pflicht, dennoch haben sich im Südkreis beispielsweise Fintel, Sottrum und jüngst auch Scheeßel zur Installation entschlossen. Eines der Tätigkeitsfelder eines Klimaschutzmanagers ist es, privaten Hausbesitzern mithilfe von Energieberatung dazu verhelfen, dass ihre Verbräuche (und Kosten) sinken, was sich positiv auch auf den CO2-Ausstoß auswirkt.

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