Dr.-Walter-Mecke-Damm betroffen

Wegen NS-Bezug: Rotenburg will Straße umbenennen

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Der Dr.-Walter-Mecke-Damm trägt seinen Namen seit rund 20 Jahren. Noch in diesem Jahr wird ihn der Rad- und Fußweg zwischen Lindenstraße und Fasanenweg wegen der NS-Vergangenheit des Namensgebers aber wohl verlieren.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Eine nach neuen Erkenntnissen zweifelhafte Vergangenheit kann Jahrzehnte später zu großen Diskussionen führen. Das ist in Rotenburg durchaus bekannt durch die Debatten um Pastor Johannes Buhrfeind und Pilot Helmut Lent und ihre Verstrickungen in die Verbrechen zur Zeit des Nationalsozialismus. Ein weiterer Name dürfte aus genau diesem Grund schon bald aus dem öffentlichen Stadtbild verschwinden: Der Dr.-Walter-Mecke-Damm soll umbenannt werden. Sein Namensgeber war vor seiner Zeit als Arzt am Diakonieklinikum SA-Sturmbannarzt.

Dr. Uwe Kaminsky hat viel gewühlt. Über ein Jahr lang arbeitete sich der Spezialist für Diakonie-Geschichte der Bochumer Ruhr-Universität durch verschiedene Archive, um im Auftrag des Diakonissen-Mutterhauses eine wissenschaftliche Aufarbeitung dessen Vergangenheit in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu erstellen. 

Das Ergebnis liegt als Buch mit dem Titel „Über Leben in der christlichen Kolonie: Das Diakonissen-Mutterhaus Rotenburg, die Rotenburger Anstalten der Inneren Mission und die Rolle ihrer Vorsteher 1905-1955“ vor. Im April ist es erstmals öffentlich vorgestellt worden, es geht in der Arbeit vor allem um die Rolle von Pastor Johannes Buhrfeind, der die Anstalten und Diako von 1903 bis 1942 in prägender Weise geleitet hat. 

Das Mutterhaus hat sich damit auch der Frage gestellt, ob die Straße und Häuser mit Buhrfeinds Namen umbenannt werden müssen. Das Ergebnis ist bekannt: Die kritische historische Auseinandersetzung ist an die Stelle einer einfachen Verdrängung getreten. Etwas anders verhält es sich wohl mit Walter Mecke, auf dessen Bewerbungsunterlagen Kaminsky im Archiv des Mutterhauses gestoßen ist.

1933 in die SA eingetreten

Dort ist nachzulesen, dass Mecke 1933 in die SA eingetreten war und sich als Sturmbannarzt in Göttingen, Berlin und Höxter engagierte. 1937 fing er dann im Diako an, leitete die Innere Abteilung bis zu seiner Pensionierung 1969. Im Ruhestand war Mecke schließlich noch als Biologie-Aushilfslehrer am Ratsgymnasium tätig. 1996 ist Walter Mecke gestorben.

„Ich weiß nicht, ob oder in welchem Umfang er sich selbst Verbrechen schuldig gemacht hat“, sagt Matthias Richter, Vorstandsvorsitzender des Diakonissen-Mutterhauses. Aber auch: „Ich gehe davon aus, dass ein aktiver SA-Sturmbannarzt, der stolz auf diese Position ist, ein überzeugter Anhänger der verbrecherischen NS-Ideologie gewesen sein muss.“

Der Dr.-Walter-Mecke-Damm führt als Rad- und Fußweg von der Lindenstraße durch die Wiedau- und Rodauniederung bis zum Fasanenweg. Nach dem Tod Meckes hatte sich „die Verwaltung auf Antrag einer Rotenburger Bürgerin im Jahr 1997 mit dem Thema beschäftigt und auf Vorschlag der SPD-Fraktion im Planungsausschuss, dann im Verwaltungsausschuss und schließlich im Stadtrat am 1. Juli 1999 die Namensgebung einstimmig entschieden“, so Bürgermeister Andreas Weber (SPD). Der Vorschlag sei gemacht worden, weil sich Mecke für den Bau des Dammes und damit für den befestigten Geh- und Radweg erfolgreich eingesetzt hatte und im Volksmund ohnehin schon vom Mecke-Damm gesprochen worden sei. Bürgermeister Weber bekennt heute aber auch: „Das Wirken von Walter Mecke während der Zeit des Dritten Reichs war während der Benennung des Dammes offensichtlich nicht bekannt.“

Positive Signale für eine Namensänderung

Angesichts der neuen Erkenntnisse sollte eine „grundsätzliche Überprüfung der Namensgebung“ stattfinden, betont der Verwaltungschef. „Ich werde dem Stadtrat eine Namensänderung noch in diesem Jahr vorschlagen.“ Von den Stadtratsfraktionen habe es entsprechende Anträge zwar noch nicht gegeben, aber in ersten Gesprächen sei von verschiedenen Seiten Unterstützung signalisiert worden. Zudem soll der bisherige „Rentnerweg“ zwischen Mecke-Damm und dem Kirchhof einen richtigen Namen bekommen.

Im Diakonieklinikum taucht der Name Mecke außerhalb der Unterlagen im Archiv nicht mehr auf. Pastor Matthias Richter: „Im Mutterhaus und im Krankenhaus erinnert heute nichts mehr an diesen Mann. Insofern ergibt sich für uns kein Handlungsbedarf.“ Er wünsche sich aber, dass mehr seriöse und unabhängige Informationen über diesen Arzt gesammelt und bewertet werden und dann über eine Umbenennung entschieden wird. 

Dass Mecke damals in seiner Bewerbung ausdrücklich auf die SA-Tätigkeit verwiesen habe, mache dessen Gesinnung deutlich. „Dieses allein ist für mich das entscheidende Kriterium, das für eine Umbenennung spricht.“ Und: „Selbst wenn sich der Stadtrat dagegen entscheiden würde, könnte es in keinem Fall so bleiben, dass der erklärende Hinweis unter dem Mecke-Damm-Schild auf seine Tätigkeit im Diako verweist, sein SA-Engagement aber verschweigt.“

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