Teilnehmer gesucht

Planspiel zur Nitratbelastung soll Lösungsansätze liefern

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Gerlinde Wiese und Rudolf Rantzau hoffen auf weitere Teilnehmer für das Planspiel.

Rotenburg - Von Joris Ujen. Lösungen finden zum Nährstoffüberschuss in der Landwirtschaft. Das ist das gesetzte Ziel eines Planspiels der agrarwissenschaftlichen Fakultät Göttingen, das von Freitag bis Sonntag, 25. bis 27. Mai, in den Berufsbildenden Schulen (BBS) Rotenburg stattfindet. 35 Teilnehmer haben sich für das Experiment bereits angemeldet, weitere sind laut Projektleiterin Gerlinde Wiese ausdrücklich erwünscht.

Denn von der neuen Düngeverordnung (DüV) sind nicht nur Landwirte betroffen, sondern auch Lohnunternehmen, Landhändler, Wasserverbände, Lebensmittelhändler, die Bevölkerung im ländlichen Raum und jeder Verbraucher. An den drei Tagen werden die Probanden per Losverfahren in eine andere Rolle schlüpfen. Ein Landwirt könne dann beispielsweise als Umweltschützer oder für die Presse fiktiv agieren. Aber auch die Rollen als viehhaltender Landwirt, Ackerbauer, Wasserversorger, Umwelt- oder Landwirtschaftsminister, Düngebehörde, Lohnunternehmer, Lebensmittelhändler und Verbraucher werden vergeben. Aufgeteilt in Gruppen von drei bis fünf Personen, geht es dann ans Werk.

Mithilfe einer extra für das Planspiel bereitgestellten Internetplattform tauschen sich die Gruppen dann an dem Wochenende untereinander aus, fällen Entscheidungen und erleben im Zeitraffer die Folgen ihres Handelns, erklärt Gerlinde Wiese. Ihr zur Seite steht neben weiteren Spielleitern Rudolf Rantzau. Der ehemalige Referent für Ökolandbau im Landwirtschaftsministerium Hannover: „Die hohe Nitratbelastung in deutschen Gewässern ist ein Problem, das wir nicht aussitzen können“, und fordert eine „funktionierende Düngebehörde.“

Lob für Agrarministerin Barbara Otte-Kinast

Positiv bewertet Rantzau die dafür nötige Herangehensweise der Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU), der es wichtig sei, dass „Niedersachsen bei der Reduzierung des Nährstoffeintrags eine Vorreiterrolle einnimmt und der Herausforderung mit konkreten Vorschlägen begegnet“. Vielleicht zeigen sich dann am Sonntag, wenn das Planspiel endet, einige interessante Lösungsansätze. Das neue Düngerecht, das vor knapp einem Jahr in Kraft getreten ist, stelle laut Rantzau speziell für Niedersachsen eine besondere Herausforderung dar. Nicht nur die rechtlichen, technischen und personellen Voraussetzungen im Ministerium und seinen nachgelagerten Behörden – wie zum Beispiel die Düngebehörde – gilt es, zu verbessern. Mentale Voraussetzungen müssen laut Rudolf Rantzau geschaffen werden, um eine effiziente Einführung und Umsetzung des neuen Düngerechts zu schaffen. „Dies wird nämlich für alle Landwirte Folgen haben. Sei es durch zusätzlichen Flächenbedarf für Nachweisflächen, durch Pachtpreiserhöhungen oder durch direkt einschränkende Vorgaben“, erklärt Rantzau. Gegenwärtig seien diese Folgen für den einzelnen Landwirt noch gar nicht genau absehbar. Fest stehe aber, dass ein Ignorieren oder sich Drücken vor den neuen Anforderungen des Düngerrechts nicht akzeptiert werden kann und kurz- oder mittelfristig zu rechtlichen Konsequenzen führen würde.

Bedeutet: Die Betroffenen (Landwirte, Berater, Funktionäre und Behörden) müssen die neuen Regelungen kennen und verstehen sowie Chancen und Risiken erkennen. Der Vorteil beim Planspiel: Da die Teilnehmer nicht unter einem Zwang bei ihren Aufgabenstellungen stehen, gibt es hierbei auch keine Risiken. Insgesamt rund zwölf Stunden haben sie über das Wochenende verteilt Zeit, Handlungsmöglichkeiten gefahrlos auszuprobieren.

Wiese und Rantzau erhoffen sich, durch die Simulation bisher unbekannte Zusammenhänge und die Folgen von Handlungen zu erkennen. Zudem solle das Planspiel ein Verständnis für die Belange und das Verhalten der betroffenen Akteure schaffen.

Ablauf und Anmeldung

Das Planspiel in den Berufsbildenden Schulen Rotenburg beginnt am Freitag um 14 Uhr mit einem Vortrag zum Düngerecht von Professor Klaus Dittert von der Uni Göttingen. Anschließend werden die Rollen der Teilnehmer per Losverfahren verteilt und den jeweiligen Gruppen zugeordnet. Bis 18 Uhr planen und spielen die Probanden das erste Mal. Nach einem Abendessen geht es von 19 bis 21 Uhr weiter mit der Simulation.

Samstag wird das Vorhaben von 9 bis 12.30 Uhr sowie von 13.30 bis 18 Uhr fortgesetzt. Dazwischen gibt es ein Mittagessen. Abends grillen die Teilnehmer draußen bei der anliegenden Jugendherberge. 

Am Sonntag von 9 Uhr an sitzen die Gruppen ein letztes Mal zusammen, ehe die Auswertungsrunde folgt. Das Ende ist für 14 Uhr angedacht. Die Teilnahme inklusive Verpflegung ist kostenlos. Spezialkenntnisse werden nicht benötigt. 

Mitzubringen ist ein eigener Laptop (sofern vorhanden). Interessierte melden sich an bei Gerlinde Wiese per E-Mail an gwiese@uni-goettingen.de oder unter den Rufnummern 0551 / 50419008 sowie 0177 / 6111897. Weitere Informationen zum Planspiel gibt es auf der Internetseite der Universität Göttingen.

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