Heiko Kehrstephan über prominente Gäste

Wachtelhof-Hoteldirektor: HSV-Besuch „für uns als Stadt unbezahlbar“

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Der HSV war in der Stadt und machte auch ein Spiel gegen den RSV. Dennis Diekmeier (l.) vernascht hier Lucas Chwolka.

Rotenburg - Von Guido Menker. Das Rotenburger Hotel Landhaus Wachtelhof hat sich auch in Fußballer-Kreisen einen Namen gemacht. Gerade erst ist das Trainingslager des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV an der Wümme zu Ende gegangen, und schon in einer Woche kommt mit West Ham United aus der englischen Premier League das nächste Star-Ensemble in die Kreisstadt. Auch die Engländer haben das Fünf-Sterne-Haus als Herberge gewählt, um die Trainingseinheiten dann auf dem Sportplatz in Bothel zu absolvieren. Die Profi-Kicker sind nicht die einzigen Prominenten, die das Hotel an der Gerberstraße zu schätzen wissen. Wir haben darüber mit Direktor Heiko Kehrstephan gesprochen.

Herr Kehrstephan, wann werden Sie Ihr Hotel umbenennen?

Heiko Kehrstephan: (lacht) Nein, wieso? Die Marke „Wachtelhof“ entwickelt sich doch sehr gut, und das kontinuierlich seit über 25 Jahren. Spaß beiseite. Da haben wir noch nie drüber nachgedacht.

Nun, in letzter Zeit haben Sie häufig Profi-Fußballer zu Gast. Fast könnte man meinen, aus dem Landhaus wird das „Sporthotel Wachtelhof“…

Kehrstephan: Ja, sicherlich verändert sich unser Publikum seit Jahren ständig. Es wird jünger und natürlich um einiges durchmischter, Stammgäste bleiben, und neue kommen hinzu. Da gehören dann Sportler einfach auch vermehrt dazu. Aber auch diese haben wir seit Jahren, wenn auch im Verborgenen. Sportler, die sich einfach ihre Auszeit gönnen zum Beispiel. Aber wir haben auch immer noch Gäste von Bayern München, die heute privat hierher kommen.

Heiko Kehrstephan

Aber mal im Ernst, wie interessant ist dieser „Markt“ mittel- und langfristig für das Hotel und damit auch für Rotenburg?

Kehrstephan: Dazu muss man sicherlich sagen, dass es ein Markt von vielen ist, aber dieser fällt in der Öffentlichkeit wohl am stärksten mit auf. Aber er ist interessant und macht viel Spaß. Und irgendwie passt er wieder ins Gesamtkonzept, welches zum Ziel hat, viele Stammgäste zu gewinnen, und da zählen wir den HSV jetzt einfach schon mal dazu.

Wie lässt es sich mit dem normalen Hotelbetrieb vereinbaren, wenn immer wieder mal Fußball-Teams zu Ihnen ins Haus kommen und eine Vielzahl der Zimmer belegen?

Kehrstephan: Klar werden wir gefragt, ob wir auch noch für unsere Gäste außerhalb der Profi-Fußballwelt zur Verfügung stehen, gerade wenn ein Team wie West Ham alle Zimmer gebucht hat. Aber das tun wir natürlich. Wir haben das Wochenende davor und danach Hochzeiten im Landhausgarten, und abgesehen von West Ham United – für die eine Anfrage schon seit über einem halben Jahr vorliegt – konnten während der Aufenthalte des HSV zum Beispiel ja auch andere Gäste im Hotel wohnen. Der Restaurantbetrieb oder aber die Wachtelhof-Therme laufen ganz normal weiter.

Welche Herausforderungen sind für Sie als Hoteldirektor und für Ihre Mannschaft – von der Küche bis zum House-Keeping – mit den sportlichen Gästen verbunden?

Kehrstephan: Die halten sich in Grenzen Das Einzige, was auffällig ist, ist die Flexibilität in Bezug auf Zeiten. Wir sind bei allen Gästen Gastgeber aus Leidenschaft und versuchen alles möglich zu machen. Aber wenn dann eine Truppe von fast 50 Mann – Frauen sind da wirklich die Ausnahme – mal spontan für heute Abend ein Barbecue wünscht, Ankunft- oder Abreisezeiten um einige Stunden verschiebt, dann ist von unserer Seite wirklich Teamwork gefragt, um da schnell reagieren zu können.

Reserve des Rotenburger SV trifft auf Hamburger SV

Sie selbst treten mitunter sogar selbst als Organisator auf – wie jetzt im Fall des englischen Teams von West Ham United. Gehört das mit zum Service, oder haben Sie einfach nur alles getan, um diese Gäste am Ende nicht noch zu verlieren?

Kehrstephan: Nicht nur „mitunter“, sondern immer. Die Fußball-Anfragen kamen stets über das Hotel, und wir haben dann den Kontakt zur Stadt respektive zum Platz hergestellt. Dass nun die gewünschte Verlängerung des Aufenthaltes von West Ham, die drei Tage länger bleiben wollten, was einen Tag mehr an Training bedeutet hätte, vonseiten der Stadt als nicht möglich verwehrt wurde, veranlasste uns dazu, nach Alternativen für die Verlängerung zu suchen. Dass ich als Botheler dann an „meinen“ Sportverein herangetreten bin, war das Naheliegendste. West Ham United wollte aber nicht umziehen, und somit waren wir dankbar, dass sowohl die Gemeinde als auch der TuS Bothel sofort bereit waren, für einen Tag, aber auch für die gesamte Zeit einzuspringen. Diesen Service machen wir bei allen Gästen. Egal, ob wir Hochzeitsanfragen haben und Standesämter empfehlen, Kutschfahrten und Gästeführer organisieren, Kanutouren auf der Wümme oder ein Catering als Incentive auf der grünen Wiese. Dies ist das Rundum-Sorglos-Paket, welches wir für alle Gäste und Wünsche anbieten.

Was sagen Ihnen die Manager und Trainer, warum Sie so gerne zu Ihnen ins Haus kommen?

Kehrstephan: In erster Linie ist dies die Größe des Hotels, die Gastfreundschaft des Teams und die Küche. Während Fußball-Mannschaften in größeren Hotels einen Trakt für sich haben, reichen unsere 38 Zimmer für ein Team meistens so aus, dass sie fast unter sich sind und im Hotel Ruhe und Abgeschiedenheit erleben. Ein Service mit voller Aufmerksamkeit und schnellen Lösungen wird besonders erwähnt. Einer der wichtigsten Punkte ist die Küche, welche sich unter den Aspekten einer sportlergerechten Ernährung dennoch einen Ruf als äußerst schmackhafte und ausgezeichnete Küche gemacht hat. Danach kommen die Punkte Lage, wie nah zur Innenstadt, aber auch sofort im Grünen, und natürlich die Möglichkeiten der Trainingsanlagen.

Mit dem FC Bayern München hatte es vor vielen Jahren begonnen, dann kam die Nationalmannschaft von Trinidad & Tobago – danach war es lange Zeit mit Blick auf den Fußball wieder etwas ruhiger geworden. Warum?

Kehrstephan: Es muss einfach immer alles zusammenpassen. Während Bayern München einmal durch unsere Anzeigen auf uns aufmerksam wurde und uns sogar zweimal besucht hat, haben sie dann der Fifa den Tipp gegeben, als es um die WM ging, und der Weltfußballverband kam dann auf uns zu. Natürlich gab es danach auch immer wieder Anfragen von Vereinen, aber damit sich da wirklich etwas entwickeln kann, gehören dann einfach Kontakte und ein Netzwerk dazu, welches aufgebaut werden musste.

Welche Bedingungen müssen Sie erfüllen, wenn eine Profi-Fußball-Mannschaft zu Ihnen ins Haus kommt?

Kehrstephan: Die selben wie für alle anderen Gäste auch! Herzlichkeit und ein Service, der menschelt. 110 Prozent geben, ohne aufgesetzt zu wirken, und Liebe zum Detail.

HSV absolviert erstes Training in Rotenburg

Inwieweit müssen Sie sich dann mit dem Thema Sicherheit auseinandersetzen?

Kehrstephan: Das ist für uns kein großes Thema. Natürlich informieren wir die Polizei, wenn sich solch prominente Gäste einquartieren und dann auch Wege von und zum Trainingsplatz zurücklegen oder gar öffentliche Trainings absolviert werden. Aber im Hotel hatten wir noch nie Probleme, bei denen wir bezüglich der Sicherheit aufpassen mussten. Die meisten Vereine haben auch ihre eigene Security dabei, die aber nie groß was zu tun hatte. Lediglich bei der WM war das Hotel durch die Security der Fifa so abgesichert, dass auch ich die ersten Tage meinen Zutrittsausweis zeigen musste, um hinein zu dürfen.

Prominente Gäste sind für den Wachtelhof nichts Ungewöhnliches. Hatten Sie diese Gäste von vornherein im Blick, oder hat sich das alles so ergeben?

Kehrstephan: Sowohl als auch. Natürlich haben wir uns um prominente Gäste bemüht, wie zum Beispiel bei unseren Lesungen. Allerdings haben dort einige auch schon wieder Empfehlungen ausgesprochen, sodass wir mittlerweile Anrufe bekommen von prominenten Autoren, die fragen, ob sie nicht auch einmal zur Lesung kommen könnten, weil sie gehört hätten, dass es bei uns sehr schön wäre. Bei den Fußballvereinen ist es sicherlich auf unsere Arbeit und Kontakte zurückzuführen, die über lange Zeit aufgebaut wurden. Und natürlich hatten und haben wir viele prominente Gäste, die einfach kommen, um das Haus zu genießen, und über die haben wir noch nie ein Wort verloren. Ich denke, das freut diese Gäste, dass sie so sein können wie jeder andere auch und sie ihren Aufenthalt in Ruhe verleben können.

Aus welchen Genres kommen die Prominenten, die sich bei Ihnen einbuchen?

Kehrstephan: So ziemlich aus allen. Film, Sport, Politik, Musik. Aber was ist prominent? Wir haben Gäste, die nach vielen, vielen Aufenthalten erst erzählen, dass sie ihr Unternehmen mit einigen hundert Mitarbeitern von Null an selbst aufgebaut haben. Oder andere, die einen Hochzeitstag nutzten, um eine der mittlerweile größten Wohltätigkeitsveranstaltungen in Hamburg aufzubauen. Das ist für mich eine Prominenz und ebenso spannend wie Sportler, die für mehrere Millionen Euro gehandelt werden.

Es heißt, Dieter Bohlen sei hin und wieder in der Stadt, Hermann van Veen hat bereits bei Ihnen übernachtet. Wer war bislang denn der prominenteste unter den Prominenten in Ihrem Haus?

Kehrstephan: In Bezug auf die letzte Frage muss ich da wirklich einen Moment überlegen. Ja, Dieter Bohlen war mal da, Herrmann van Veen schon öfter. Der war scheinbar nicht so prominent, da eine jüngere Mitarbeiterin die Kollegin dann fragte, wer er denn eigentlich sei. Als eine andere Mitarbeiterin daraufhin zu singen anfing „Warum bin ich so fröhlich, so fröhlich, so fröhlich“ und danach erst merkte, dass er in Hörweite saß, musste er herzhaft lachen. Aber ein Ranking fällt mir da wirklich schwer. Ich denke aber, es war Trinidad und Tobago. Diese WM-Underdogs in unserem Haus zu haben, war eines der öffentlichkeitswirksamsten und spannendsten Projekte unserer Zeit. Aber diese Geschichten würden für ein Interview zu weit führen. Ansonsten waren Hoheiten zu Besuch, Stars und Sternchen, und keinen möchte man in seiner Erinnerung missen.

Zurück zum HSV, der in dieser Woche – wieder einmal – in Rotenburg trainiert hat. Lassen Sie uns etwas daran teilhaben: Wer von den Spielern sitzt abends am längsten an der Bar? Wer verdrückt die meisten Brötchen beim Frühstück? Wer hat die meisten Sonderwünsche?

Kehrstephan: Wir sind Gastgeber aus Leidenschaft und für unsere Gäste da. Über Internas wird von uns nie ein Wort nach außen dringen, so auch hier nicht. So leid es mir für Sie und die Leser tut.

Nicht nur für Sie und Ihr Hotel, sondern auch für Rotenburg sind diese Besuche etwas Besonderes. Sie sind ja auch Vorsitzender des Rotenburger Wirtschaftsforums (RWF). Inwieweit profitiert die Kreisstadt davon?

Kehrstephan: Wenn ich mir alleine die Berichterstattung während der letzen beiden Aufenthalte des HSV ansehe, haben sowohl das Hotel als auch die Stadt gewonnen, da sie sich bestens präsentieren. Wenn ich – wie diese Woche – lese, dass der HSV zurück ins Reitercamp fährt oder mittlerweile ins Stammcamp, dann zeigt dies unseren guten Ruf, und der wurde sehr, sehr breit gestreut. Von der Süddeutschen über die Mopo, Bild, Hamburger Abendblatt und Welt bis zur Rotenburger Kreiszeitung – alle haben sie berichtet. Fernsehsender hatten es in den Hauptnachrichten oder im Morgenmagazin, Internet-Videos dieser Stationen haben Zehntausende Klicks. Das ist ein Stadtmarketing, für welches wir ansonsten nie das Budget hätten – also für uns als Stadt unbezahlbar. Was will man mehr?

Haben Ihre Mitarbeiter eigentlich Autogrammjagd-Verbot?

Kehrstephan: Das ist eine gute Frage. Unsere Mitarbeiter sind es ja doch gewohnt, prominente Gäste zu empfangen und deshalb im Umgang mit denen sehr professionell. Allerdings, wenn so ein Fußballerherz für den Hamburger SV schlägt, wie zum Beispiel bei unserem Restaurantleiter, dann wird es schon schwerer, nicht sofort zu fragen. Aber auch hier läuft es über Professionalität und extremen Einsatz zum Wohl der Gäste und wie im Beispiel HSV der Sache. Und dann kommen ganz persönliche Momente und Eindrücke, die ein Autogramm nicht toppen können – wenngleich diese dann auch noch – von ganz alleine kommen.

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