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Rotenburger Videokünstler Michael Hawk räumt mit „Moontalk“ ab

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Von: Ulla Heyne

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Der gemeinsame Spaziergang vor dem Hintergrund des Infernos entstand wie die gesamte Romanze am Schneidetisch.
Der gemeinsame Spaziergang vor dem Hintergrund des Infernos entstand wie die gesamte Romanze am Schneidetisch. © Hawk

Internationalen Erfolg hat im Moment der Rotenburger Michael Hawk mit seinem Film „Moontalk“. Das Besondere: Er hat seine Drehpartnerin noch nie von Angesicht zu Angesicht getroffen.

Rotenburg – Zwei Liebende liegen nebeneinander im Gras, teilen Momente des Miteinanders. So weit, so gewöhnlich – auch im Film. An „Moontalk“, der neuesten Kreation des Rotenburgers Michael Hawk, die in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Künstlerin und Schauspielerin Lizet Benrey entstand, ist allerdings ziemlich wenig gewöhnlich – noch nicht einmal die beschriebene Szene.

Denn die beiden Protagonisten haben sich zu den Dreharbeiten nicht getroffen. Mehr noch: Sie haben sich noch nie im Leben von Angesicht zu Angesicht gesehen, die meisten Szenen wurden im Wümmeort und Amerika gedreht und in Hawks heimischem Studio zusammengesetzt.

Paradoxerweise ist Nähe, Liebe – zum Menschen und zum Leben – in dem gut dreiminütigen Kurzfilm, der derzeit bei einigen Filmfestivals Preise abräumt (zuletzt Gold beim Montreal Independent Film Festival und bei den San Diego Movie Awards für den besten experimentellen Kurzfilm), das Kernthema. Die beiden Künstler, die sich 2009 virtuell über das „human emotion“-Projekt eines südafrikanischen Videokünstlers kennengelernt und seitdem sporadisch Kontakt gehalten hatten, hatten bereits 2010 gemeinsam „Secret Place“ realisiert und große „Deckungsähnlichkeiten, Ideen und Perspektiven“ festgestellt. 2020 nahmen sie wieder Kontakt auf, „da war das Thema Corona schon auf dem Tisch“, so Hawk. Der Gedankenaustausch warf große Fragen auf, die es filmisch umzusetzen galt: „Wie sieht die Welt aus, wie geht der verängstigte Mensch mit der Situation um, was ist mit den verlorenen Perspektiven?“ All das mündete in monatelangem Hin und Her zwischen den Köpfen und Welten in einem gemeinsamen Storyboard.

Telefonisch und per E-Mail mussten die an beiden Orten gedrehten Szenen genau geplant werden, um später auf Hawks Schneidetisch übereinander zu passen – gerade bei den doppelbelichteten Porträts der beiden, die sich subtil überschneiden und wie Vexierbilder ineinander übergehen, eine Millimeterarbeit. Dabei empfand Hawk seine Rolle vor und hinter der Kamera, als Schauspieler, Regisseur und Post-Production-Spezialist, keineswegs als Belastung – ganz im Gegenteil: „Gerade bei solchen Herzensprojekten ist es gut, jedes Detail unter Kontrolle zu haben!“

Hauptakteur des preisgekrönten Kurzfilms aus der Wümmestadt: Der Greenscreen im heimischen Studio.
Hauptakteur des preisgekrönten Kurzfilms aus der Wümmestadt: Der Greenscreen im heimischen Studio. © Heyne

Ist „Moontalk“ ein Corona-Film? Ja, aber nicht auf den ersten Blick oder so plakativ, wie man vermuten könnte. Der Mond, von dem die geliebte Partnerin aus der fernen Galaxie zu kommen scheint, seine Entfernung ist für den Filmemacher eine Metapher für den Abstand unter Covid-19. Und auch der Tod der Partnerin, den der Protagonist zunächst nicht fassen kann, wird thematisiert. Die dargestellten Gefühle sind hingegen universell: Liebe – zur Partnerin, zum Leben, das Sehnen nach Nähe. Dessen werden die beiden Protagonisten durch ein Unglück beraubt. Ob die Feuerwand einen terroristischen Akt darstellt oder eine Naturkatastrophe, bleibt dem Auge des Betrachters überlassen, wie so vieles in diesem Mosaik bildlicher Andeutungen.

Auch, wer die minutiös von den beiden bis ins Detail erarbeitete Geschichte nicht genau kennt, also nicht weiß, dass es sich um Zena und Gizón aus unterschiedlichen Paralleluniversen handelt, wird die Sprache opulenter Bilder und sphärischer Audio-Untermalung, bei denen auch vorab gefilmte Sequenzen und einiger Stock-Videos Eingang fanden, verstehen – eine Bildsprache, die sich auch bei Hawks Werbefilmen findet. Ein Widerspruch, im künstlerischen Bereich ähnliche Stilmittel einzusetzen wie im Werbebereich? „Nein“, meint der Videokünstler: „Bei beiden geht es darum, Emotionen zu transportieren, eine Geschichte zu erzählen, die Menschen zu berühren – egal, ob Doku oder Kunstshort: Eine Umsetzung mit Herz ist in beiden Bereichen das Wichtigste.“ So wäre für ihn die schönste Reaktion, wenn der Zuschauer sagt: „Der Film hat mich bewegt.“

Zu sehen ist „Moontalk“ derzeit allerdings nur auf den internationalen Online-Festivals. Denkbar sei vielleicht im Sommer nach der Freigabe für die Öffentlichkeit mal ein Screening, wie schon bei „Ich bin stolz, Rotenburg/in zu sein“, mit Rahmenprogramm. Ganz ohne „cinemotiontv“ müssen Interessierte jedoch nicht auskommen: Schon in wenigen Wochen erscheint der Trailer, an dem er gegenwärtig arbeitet: Ein von der Stadt Rotenburg in Auftrag gegebener Teaser für den ersten „Genusssommer“. Und damit nicht genug: Leser der Kreiszeitung können sich „Moontalk“ exklusiv am Wochenende unter diesem Link (Passwort: jupiter) ansehen!

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