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Stadt Rotenburg verleiht Preis für Umweltprojekte mit Signalwirkung

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Von: Ann-Christin Beims

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Antje (M.) und Anja Doil erhalten ihren Preis von Bürgermeister Torsten Oestmann.
An diesem Abend sind viele lächelnde Gesichter zu sehen. So auch bei den Schwestern Antje (M.) und Anja Doil, die den ersten Preis in der Kategorie „Firmen“ für ihren Unverpackt-Laden „Stück vom Glück“ erhalten. © Beims

Zum 16. Mal verleiht die Stadt Rotenburg den Umweltschutzpreis. Er ist eine Wertschätzung für das Engagement vieler Bürger für Flora und Fauna auf vielfältige Weise.

Rotenburg – „Ich mach mir die Welt, widdewiddewie sie mir gefällt“: Das Titellied von Pippi Langstrumpf, gespielt von Stephan Orth im Rotenburger Ratssaal, passt an diesem Montagabend wunderbar zur Veranstaltung. Denn es geht um die Verleihung des Umweltschutzpreises 2021 der Stadt – und da darf und soll es „bunt, lebendig und insektenfreundlich“ sein, beschreibt Laudator Niels Kruse, als er einen der mit insgesamt 2 500 Euro dotierten Preise verleiht.

Seit 1990 gibt es die Wertschätzung, die alle zwei Jahre verliehen wird. Trotz Pandemie – die dazu geführt hat, dass die Feier erst jetzt durchgeführt wird – gab es 16 Bewerbungen und Vorschläge. Eine Auszeichnung gab es auch für die Firma Snoek Naturprodukte – allerdings außer Konkurrenz: Das Unternehmen hat zwar seinen Sitz in Mulmshorn, aber sein „ökologisch wertvolles“ Projekt – die Umwidmung einer drei Hektar großen Fläche zu einem Lebensraum für Insekten – liegt außerhalb des Stadtgebietes.

Beim Besuchen der Projekte hatten die Jurymitglieder Maike Düspohl, Hansjörg Eggers, Niels Kruse, Heiner Schröder, Andreas Weber, Koordinatorin Andrea Rieß vom Umweltschutzbüro und Bürgermeister Torsten Oestmann gut zu tun: Zwölf Besichtigungen gab es, das bisher „umfangreichste Arbeitspensum seit Bestehen des Preises“, so Oestmann. Bewerbungen sind in allen vier Kategorien eingegangen. „Besonders bei den Vereinen, Betrieben und Privatpersonen war die Anzahl und Vielseitigkeit hoch, was zu einer starken Konkurrenz geführt hat“, sagt er.

Mathilda Droschinski zieht den Gewinner des Essensgutscheines.
Als Ehrengast zieht die sechsjährige Mathilda Droschinski den Gewinner des Essensgutscheines. © Beims

Sechs Projekte wurden von Rotenburgern vorgeschlagen. Unter ihnen wird ein Essensgutschein in Form von fünf Rotenburger Zehnern verlost. Diese Aufgabe übernimmt Ehrengast Mathilda Droschinski. Die Sechsjährige hatte in einem Brief an den Bürgermeister geschrieben „wie doll ich für den Umweltschutz bin“ und dass diese geschützt werden soll. Daraufhin hat er sie als Glücksfee eingeladen – was sie für Gewinner Christoph Dembowski dann ist. Vom stolzen Papa gibt es später ein „High Five“. Und auch viele andere stolze Gesichter gibt es:

Vereine/Institutionen

Der dritte Platz mit einem Preisgeld von 200 Euro geht an den Rotenburger Nabu für zwei aktuelle Projekte: „Säen, pflegen, ernten“, bei dem Kindertagesstätten kostenlos Hochbeete erhalten, und die ökologische Aufwertung der Rodauwiesen. In die Ausführung der Baumaßnahme werden gut 130 000 Euro fließen, erklärt Vorsitzender Roland Meyer. In allen drei Bewertungskategorien – ökologische Wertigkeit, Vorbild- und Signalcharakter sowie perönlicher Einsatz – gibt es Punkte von der Jury.

Merwel Otto-Link nimmt einen Preis für die Igelpflege entgegen.
Merwel Otto-Link nimmt einen Preis für die Igelpflege entgegen. © Beims

Weil die Entscheidung schwer gefallen ist, gibt es hier zwei erste Preise mit jeweils 300 Euro: Zum einen für die Biologische Schutzgemeinschaft Wümmeniederung, die mehrere Streuobstwiesen angelegt hat. Unter anderem mit Schulanfängern, die Einschulungsbäume gepflanzt haben. Um den Ertrag nachhaltig zu nutzen, sammeln sie die Ernte und lassen sie in der Finteler Mosterei Engelmann zum „Rotenburger Apfelsaft“ verpressen. Eine „besonders hohe Bewertung der Jury“ in allen Kategorien ist das Lob. Der zweite erste Platz geht an Merwel Otto-Link und ihre Igelpflege. Seit 2013 pflegt sie hilfsbedürftige Tiere. Allein 2021 haben sie und ihr großes Team an Helfern 1 448 Igel versorgt, berichtet sie. Ihre Arbeit sei „hochwertig und wertvoll“, so die Jury, mit einem 24/7-Engagement der Beteiligten.

Urkunden und ein Preisgeld von jeweils 50 Euro gibt es außerdem für den DRK Ortsverein für das Einsparen von Müll bei den Blutspenden sowie für den Ünnerstedter Spieker, dessen Mitglieder mehrere Wildblumenstreifen angelegt haben.

Mitglieder der Biologischen Schutzgemeinschaft Wümmeniederung erhalten einen Preis für Apfelsaft von eigenen Wiesen.
Für die Biologische Schutzgemeinschaft Wümmeniederung (l.) gibt es einen der ersten beiden Preise in der Kategorie „Vereine/Institutionen“ für den „Rotenburger Apfelsaft“ von den eigenen Streuobstwiesen. © Beims

Firmen

Der dritte Platz geht an Bauer Henning Poppe aus Waffensen. Er hatte 2018 an der B 75 eine Maisanbaufläche zur Wildblumenwiese umgewidmet. Zwar musste er sie inzwischen umbrechen, aber weitere Projekte sind in Planung. Das Jury-Urteil vom vergangenen Jahr bescheinigt ihm „eine große Wirkung auf die Öffentlichkeit“ und Signalwirkung für weitere Landwirte. Kinder der Kita haben zudem Einblicke in den Lebensraum von Flora und Fauna erhalten.

Der zweite Platz geht an ein „Herzensprojekt“ von Rieß: 200 Euro gibt es für Ute Müller-Pott von Bamans Hof in Unterstedt. Dort gebe es eine Vielfalt von Maßnahmen, sowohl im Pensionsbetrieb als auch im Bauerngarten und angrenzenden Flächen: Kochen mit regionalen Produkten, selbstgebaute und restaurierte Möbel teils aus „Scheunenholz“ oder die Schaffung von Lebensräumen für Tiere. Das beeindruckte die Jury.

Der erste Platz geht an ein „Leuchtturmprojekt“, nennt es Christoph Dembowski in seinem Vorschlag: der Unverpackt-Laden „Stück vom Glück“ der Schwestern Antje und Anja Doil. Die Jury erkennt das „beeindruckende Engagement“ an und vergibt die höchste Punktzahl.

Kindergärten/Schulen

Der erste Platz geht an die Stadtschule Rotenburg. Diese hat eine Pflanzaktion durchgeführt, um das Bewusstsein der Schüler im Umgang mit Lebensmitteln zu schärfen.

Für die Kita „Unterstedter Strolche“ gibt es eine Urkunde und einen Gutschein. Die Kinder und Erzieher haben im Projekt „Wildblumenwiese im Topf“ das Keimen und Heranwachsen beobachtet.

Jörn Katzschmann und Christine Schlicker stehen im Ratssaal und halten ihre Urkunde.
Jörn Katzschmann und Christine Schlicker tun in ihrem Garten einiges für den Naturschutz. © Beims

Privatpersonen

Den dritten Platz gibt es für die Rotenburger Familie Kahl. Insektenhotels, Nistkästen, ein Selbstversorgerbereich mit Hochbeeten und viele Stauden machen ihren Garten zu einem sehenswerten, bunten, lebendigen Ort, so Laudator Niels Kruse.

Auf Platz zwei landet der Schrebergarten „Wildwuchs“ von Susanne Peschel im Kleingartenverein Heideblick. Er sei ein „wunderbares Kleinod für Mensch und Natur“, der seinem Namen alle Ehre macht, so die Bewertung der Jury.

Ebenfalls mit einem Garten machten Christine Schlicker und Jörn Katzschmann auf sich aufmerksam. Bei der Anfahrt hätte es keine Hausnummer gebraucht, scherzt Oestmann. Mit verschiedenen Maßnahmen und Elementen schafft das Paar eine Oase für die Vogel- und Insektenwelt. Ihre Stauden- und Kräuterbeete „gehören zu den größten, die die Jury auf vergleichbaren Grundstücken gesehen hat“, zollte diese Respekt.

Für ihr „stilles“ Engagement, das Aufsammeln von Zigarettenkippen bei der täglichen Gassirunde, gab es ein Dankeschön für Martina Warnke. Auch Dieter Pahnke erhielt eines für sein langjähriges Engagement, in diesem Fall für das Anlegen einer Streuobstwiese in Unterstedt.

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