Stadtrat will sich Resolution der Ortsräte anschließen / Zuspruch aus Berlin

Rotenburg vereint gegen „SuedLink“

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Rotenburgs Bürgermeister (v.r.) Uwe Lüttjohann (Unterstedt) , Hans Worthmann (Borchel), Detlef Eichinger (Rotenburg), Mattina Berg (Mulmshorn) und Hartmut Leefers (Waffensen) schauen sich mit Stadtplaner Clemens Bumann die Trassenführung an. 

Rotenburg - Von Michael Krüger. Rotenburg muss sich positionieren – da sind sich alle Bürgermeister einig. Nach Waffensen, Unter-stedt und Mulmshorn will sich auch die Stadt selbst im Juni der Resolution zur geplanten Stromtrasse „SuedLink“ anschließen. Kernthemen darin: grundsätzliche Bedenken an der Sinnhaftigkeit insgesamt, und wenn Bau, dann unterirdisch. Am 19. Juni sollen die Ratsmitglieder zustimmen.

„Es wäre sträflich, jetzt nicht zu reagieren“, sagt Borchels Ortsvorsteher Hans Worthmann. Auch wenn Borchel von der geplanten Trassenführung gar nicht direkt betroffen wäre, sieht er es als Verpflichtung an, sich den Statements der drei Ortsräte im Stadtgebiet anzuschließen: „Das ist einfach eine Frage der Solidarität.“

Anfang April wurde kreisweit in Waffensen die erste Bürgerinitiative (BI) gegen die 800 Kilometer lange Gleichstrom-Trasse, die auf rund 50 Kilometern Länge den Landkreis ab 2022 zerschneiden könnte, gegründet. Die BI „Waffensen lässt sich nicht (Sued)-linken!“, in der auch Ortsbürgermeister Hartmut Leefers (CDU) und Bürgermeister Detlef Eichinger vertreten sind, hat dann für die Ortsräte die Resolution entworfen. Waffensen, Unterstedt und Mulmshorn haben dieser jeweils einstimmig zugestimmt. Darin heißt es, dass sich die Gemeinden „mit Nachdruck für eine dezentrale Energiewende“ aussprechen. Durch die „SuedLink-Trasse“ würden nur einmalige Windspitzen ineffizient und teuer übertragen. Leefers: „Die Trasse wird für den Transport des Windstroms aus dem Norden nicht gebraucht. Das ist Kokolores.“ Die Notwendigkeit der Stromtrasse sei ernsthaft infrage zu stellen. Sollte es dennoch zum Bau der Trasse kommen, fordern die Ortschaften eine unterirdische Verlegung der Stromleitungen. „Das würde auf der gesamten Länge sechs bis sieben Mal soviel kosten, entspräche aber dem Stand der Technik und kostet den Stromkunden nur 0,6 Cent pro Kilowattstunde“, sagt Leefers.

Den Vorwurf, lediglich dem Sankt-Florians-Prinzip zu folgen und die Tasse anderen Gemeinden aufzudrängen, lässt Leefers für Rotenburg nicht gelten. Für die unterirdische Streckenführung habe er bereits entlang vorhandener Verkehrswege Alternativen erarbeitet. Anders als bei Biogas-Anlagen oder Windparks, die auch für die Region produzieren, lasse sich für die bis zu 70 Metern hohen Masten keine Akzeptanz schaffen: „Warum sollen diejenigen die Hauptlast tragen, die zufällig hier wohnen aber gar nicht profitieren?“

Eichinger hofft, dass die Stadt mit der Resolution ihre Position in der Diskussion stärken kann. Es sei ja noch nichts entschieden, die formelle Planung noch nicht eingeleitet. „Unsere Politiker sollen das regionale Statement mit nach Berlin nehmen.“ Zudem sei der Kreistag gefordert, sich der Resolution anzuschließen. Eichinger: „Das wäre die Kür.“

Reinhard Grindel (CDU) und Lars Klingbeil (SPD), die die Region im Bundestag vertreten, lassen bereits Zustimmung durchblicken. Grindel: „Ich bin für die Alternative Erdverkabelung, wo Mensch und Natur durch ‚SuedLink‘ besonders betroffen sind.“ Die Trasse habe eine sehr lange Lebensdauer, sodass sich höhere Investitionskosten volkswirtschaftlich kaum negativ auswirkten. Der CDU-Politiker hält es für realistisch, das in Rotenburg hinzubekommen. Ähnlich äußert sich Klingbeil: „Die beste Lösung wird nicht immer die billigste sein. Auf dem Landesparteitag der SPD Niedersachsen Ende April haben wir deswegen die Forderung beschlossen, Erdverkabelung auszuweiten. Hierfür setzt sich auch die Landesgruppe der niedersächsischen SPD-Abgeordneten im Bundestag ein, die ich leite.“

Antworten, wie es mit „SuedLink“ weitergehen könnte, soll es am 7. Juli geben. Dann wird der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, nach Rotenburg kommen. Dass er ein offenes Ohr für die Region haben dürfte, ergibt sich aus seiner Vita: Homann stammt aus Rotenburg.

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