CDU-Kreis-Chef: „Offene Feldschlacht tut uns nicht gut“

Rotenburg tendiert zu Söder

Söder soll’s machen – diese Stimmungslage überwiegt nach Ansicht von Marco Prietz (v.l.), Eike Holsten und Marco Mohrmann im CDU-Kreisverband. Carsten Büttinghaus (r.), Prietz und Mohrmann würden für den bayerischen Ministerpräsidenten plädieren.
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Söder soll’s machen – diese Stimmungslage überwiegt nach Ansicht von Marco Prietz (v.l.), Eike Holsten und Marco Mohrmann im CDU-Kreisverband. Carsten Büttinghaus, Prietz und Mohrmann würden für den bayerischen Ministerpräsidenten plädieren. Nicht weniger wichtig: Es sollte schnell über die Kanzlerkandidatur entschieden werden.

Rotenburg – Wer es nicht besser wüsste, könnte angesichts der aktuellen Diskussionen innerhalb der Union fast den Eindruck gewinnen, den Beteiligten ist es inzwischen egal, wer am Ende für die CDU und die CSU als Kanzlerkandidat in die Bundestagswahl am 26. September geht. „Wichtig ist es jetzt, dass es schnell geht“, sagt CDU-Landratskandidat Marco Prietz. Damit spricht er vielen Christdemokraten aus der Seele. Egal ist ihm das Ergebnis dieses Ringens zwischen Markus Söder und Armin Laschet allerdings nicht. „Ich tendiere zu Söder“, sagt er am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion.

Der bayerische Ministerpräsident könne nicht nur stärkere Sympathiewerte aufweisen, sondern auch seine Art des Auftretens sowie seine Argumentation seien „überzeugender“, findet Prietz. Doch er betont vor allem dies: „Diese Hängepartie ist das Letzte, was wir jetzt brauchen.“ Viel wichtiger sei zurzeit die Bewältigung der Pandemie und damit dann auch die Frage „Wie kommen wir da raus?“. Es sei einfach nicht die Zeit für die Karriereplanung zweier Herren. Prietz: „Wir brauchen die Handlungsfähigkeit der Politik.“

Mit Blick auf die Kommunalwahlen am 12. sowie auf die Bundestagswahl am 26. September erklärt Prietz im Gespräch mit unserer Redaktion ganz deutlich: „Es ist gut, dass die Termine nicht auf einen Tag fallen.“ Schließlich sei er sich sicher, dass die Menschen vor Ort zu unterscheiden wissen zwischen dem, worum es hier im Landkreis und eben in Berlin geht. „Und Rückenwind sieht anders aus.“ Die Entwicklung, die die CDU zurzeit nehme, sehe er „mit Sorge“. Nachdem Angela Merkel sich vom Parteivorsitz verabschiedet hatte, sei es zu einem „Machtvakuum“ gekommen. „Jetzt gibt es erkennbare Probleme damit, die Lücken mit Programmen und mit Köpfen zu füllen.“ Jeder Tag mehr in der Kandidaten-Debatte gehe daher zulasten der Partei.

Der CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende in Rotenburg und Landtagsabgeordnete Eike Holsten, hält sich mit einer Aussage zu seinem Favoriten mehr zurück: „Ich transportiere die Stimmung von der Parteibasis in unseren Landesverband, dass es eine Tendenz für einen Kandidaten Söder gibt.“ Er sagt aber auch: „Dieser Schlagabtausch bekommt der Partei nicht.“ Was aber bleibt von dieser Auseinandersetzung wirklich hängen bis zum September? „Überschaubar“, glaubt Holsten. Man sehe ja, wie schnelllebig Umfragen und die Großwetterlage sind. Es gelte, Probleme zu lösen – vor allem hinsichtlich der Pandemie. Wenn das gelingt, gehe es inhaltlich im Herbst auch wieder um die Zukunftsfragen des Landes, „und an denen wird sich die Wahlentscheidung der Menschen nachher orientieren“. Dabei beobachtet Holsten allerdings auch, wie sich nun Friedrich Merz hinter Laschet stellt und die Union Geschlossenheit beschwört. Holsten: „Diese Geschlossenheit lassen wir öffentlich schon etwas zu lange vermissen. Wenn wir zu ihr zurückfinden, bleibt nichts hängen – und wir gehen geschlossen in die Wahlen.“

Der CDU-Bundestagskandidat Carsten Büttinghaus, wirkt deutlich entspannter bei der Bewertung dessen, was aus München und Berlin in diesen Tagen zu vernehmen ist. „Die Kandidatensuche ist völlig normal.“ Doch er gibt zu: „Die sinkenden Werte der Union gefallen niemandem.“ Er selbst hätte schon bei der Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden auf Merz gesetzt – „dann hätten wir die Debatte jetzt nicht“. Dieses Votum hatten auch die Delegierten des Kreisverbandes auch in den digitalen Parteitag genommen.

Viele Mitglieder der CDU haben inzwischen einen dicken Hals. Büttinghaus auch? „Es geht“, sagt er. Der 38-jährige Polizist sieht ebenfalls am liebsten einen Markus Söder als Kandidaten. Letztendlich jedoch wolle er sich auf einen Wahlkampf vor Ort konzentrieren. Die Pandemie spiele dabei gewiss eine Rolle, darüber hinaus jedoch auch weitere Themen – wie zum Beispiel alles, was mit der inneren Sicherheit zu tun hat. Das seien seine Themen. Als Polizist, sagt er, sehe er jeden Tag, was die Pandemie mit den Menschen macht, für welche Probleme sie sorge und wie die große Masse darüber denkt. Büttinghaus ist in Wilsede zu Hause und als Polizist im Landkreis Harburg im Einsatz. „Dort muss ich umsetzen, was die Politik vorgibt.“ Und hier vor Ort wolle er sich auch politisch reinknien. Er bleibt also eher entspannt. Das gilt auch für die „Masken-Affäre“, die die Union zuletzt stark belastet hat. Büttinghaus: „Verfehlungen hat es auch schon in anderen Parteien gegeben.“

Der CDU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Marco Mohrmann stellt im Kreisverband ebenso wie Holsten eine Tendenz zu Söder fest, sagt jedoch: „Es gibt auch andere Stimmen.“ Er selbst glaubt, dass die Union am Ende mit dem bayerischen Ministerpräsidenten die besseren Chancen habe dürfte. „Aber wir entscheiden es nicht, das machen die zwei unter sich aus.“ Es gebe eben kein klares Verfahren dafür – „vielleicht“, so Mohrmann, „müssen wir darüber mal nachdenken.“

„Ich bedaure, dass es zu einer offenen Feldschlacht gekommen ist. Dabei hatte ich gehofft, dass sie das vorher regeln.“ Angesichts der Kommunalwahl vor allem stellt der Kreisvorsitzende daher fest: „Das tut uns nicht gut.“ Es müsse jetzt schnell eine Entscheidung her, dann könne man im September noch unbeschadet „an die Sache herangehen“. Das gelte nicht weniger für die Bundestagswahl. Mohrmann: „Rückenwind gibt es nur, wenn es jetzt schnell geht.“ Der Landtagsabgeordnete verkneift sich allerdings auch diesen Hinweis nicht: „Die Grünen machen uns vor, wie es geht.“ Diese geräuschlose Variante hätte er sich auch für seine Partei gewünscht.

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