Neubaugebiet am Grafeler Damm deckt nur einen Teil des Interesses

Rotenburg sucht Wohnraum

Wiese am Grafeler Damm
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Dort, wo jetzt noch Kühe grasen, sollen am Grafeler Damm bald rund 50 neue Grundstücke entstehen.

Die Kreisstadt soll am Grafeler Damm ein neues Baugebiet bekommen. Rund 50 Grundstücke sind geplant. Dass man damit die mehr als 500 Interessenten auf der städtischen Liste nicht bedienen kann, ist klar. Deswegen muss es auch andere Lösungen geben wie die neuen Quartiere.

Rotenburg – Der Bedarf ist groß und das Angebot eher klein – keine ganz neue Erkenntnis, wenn es ums Wohnen in Rotenburg geht. Seit vielen Jahren ringt die Stadtplanung damit, wie man die Situation entspannen und so den Interessen der Menschen aus der Stadt selbst und von außen gerecht werden kann. Doch dann kam Corona, eine markante Folge: noch mehr Interesse. Die Stadt braucht Wohnraum – und bekommt nun ein weiteres Neubaugebiet am Grafeler Damm. Dafür hat der Planungsausschuss die ersten Weichen gestellt.

Norbert Behrens hat gleich mehrere Erklärungen. Der Architekt und Geschäftsführer der Planungsgemeinschaft Nord (PGN) ist genauso umtriebig wie manches mal umstritten in der Kreisstadt, mischt sich auch in politische Debatten ein, aber mit seinen jüngsten Aussagen erntet er keinen Widerstand: Als beauftragter Planer für die Quartiersgestaltung auf dem Kalandshof hat er einhellig Applaus geerntet, die Kombination aus Gewerbe, Wohnen, Pflege, Kultur und sozialen Einrichtungen mit der gleichzeitigen Öffnung des Kerngebiets der Einrichtung für Menschen mit Behinderungen als Vorzeigemodell für Inklusion begeistert. Aber das reicht nicht, wie er als einer, der mit seiner Firma immer nach neuen Projekten und Modellen auch vor der Haustür sucht, sagt. „Wir haben in den vergangenen Jahren mehr als 400 Wohnungen geschaffen in Rotenburg. Alle weg.“

Selbst Reihenhäuser wieder begehrt

Reihenhäuser funktionierten gar nicht mehr. Einst geboomt, sank die Nachfrage einige Jahrzehnte rapide. Das ist vorbei, sagt Behrens, und mit Blick auf die jüngeren und neuen Bauvorhaben in der Stadt wird das deutlich. Zwar dominiert auch nach Aussagen von Stadtplaner Clemens Bumann vor allem der Wunsch nach dem Einfamilien- oder Doppelhaus, aber auch alles andere, was geschaffen wird, ist begehrt. Da geht es vom Studentenappartement über die Seniorenwohnung bis zum Luxus-Penthouse. Corona habe seinen entscheidenden Teil dazu beigetragen, die Nachfrage anzufeuern. Wer bisher in der Stadt gewohnt habe, nun aber die Vorzüge des Homeoffice zu schätzen weiß, pendle dann eben an ein oder zwei Tagen auch etwas länger in die Metropolen und genieße ansonsten mit der Familie die Vorzüge einer verkehrstechnisch gut angebundenen Kleinstadt. Wald vor der Haustür, Supermärkte um die Ecke, gut geführte Schulen und Kitas, die Bahn fährt im Halbstundentakt und die Autobahnen in alle Richtungen sind nicht weit: Wer will sich da noch im Hochhaus in der lauten City niederlassen?

Der Kalandshof in Rotenburg soll zu einem neuen städtischen Quartier werden.

Auf der städtischen Liste, wo sich Interessenten auf einen Bauplatz bewerben können, sind mittlerweile mehr als 500 Personen registriert. Diese Interessenten beziehen sich ausschließlich auf die Kernstadt. Mehr als 430 Bewerber haben sich allein seit 2018 auf die Liste neu eingeschrieben, die letzten Bauplätze im Gebiet Brockeler Straße II sind bald weg. Also müssen Lösungen her. Nachverdichtung und Lückenbebauung in den zentralen Gebieten sind die eine Seite, innovative Quartiere wie am Kalandshof oder bald an der Lindenstraße die andere. Aber es gibt eben auch klassische Wünsche: das Haus mit Garten. Dafür prüft die Stadt fortlaufend verschiedene Areale. Zuletzt wurden Bereiche nördlich der Soltauer Straße, westlich der Knickchaussee, auf dem alten Rathsmann-Areal und am Grafeler Damm Südost untersucht. Scheiterten die Zielsetzungen teilweise an nicht verkaufsbereiten Grundeigentümern oder schlechten Bodenverhältnissen, rückte die 4,3 Hektar große Fläche am Grafeler Damm südlich der Häuser an der Königin-Christina-Straße in den Fokus. Man sei mit den drei Besitzern der Äcker in guten Gesprächen, sagt Stadtplaner Bumann. Das werde man lösen, auch wenn die anschließende Erschließung teurer werde als gewöhnlich. Der Grund: Es muss rund ein halber Meter Mutterboden abgefahren und dann wieder ein Meter Sand aufgeschüttet werden. Weil das Interesse der Bauwilligen aber so groß sei für diesen Bereich am Mühlenende, werde die Stadt den Verkauf „wirtschaftlich darstellen“ können. Mit anderen Worten: Die Quadratmeterpreise dürften über dem bisherigen Durchschnitt von 100 Euro im Stadtgebiet liegen. Festgelegt wird das aber erst im weiteren Verlauf des Verfahrens.

Rund 50 Grunstücke am Grafeler Damm

Ein erster Gestaltungsplan sieht rund 50 Grundstücke für Einzel- und Doppelhäuser, Geschossbauten sowie Reihenhäuser vor. Angebunden würden die Häuser über den Grafeler Damm, wobei Bumann sagt, dass es weitere Optionen gibt. Ziel sei bei einem weiteren Ausbau in diesem Bereich – Bürgermeister Andreas Weber (SPD) spricht von einem Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren – eine Verbindung über die Knickchaussee direkt zur Bundesstraße 440, damit der Verkehr nichts durchs gesamte bisherige Wohngebiet geleitet werden müsse.

Wie lange der größere Flächenverbrauch durch Neubaugebiete in der von Moor, Bahnlinie und Naturschutzgebieten sowie Flussniederungen begrenzten Stadt noch verträglich gestaltet werden kann, wird die Rotenburger Politik in den kommenden Jahren viel beschäftigen. Man muss auch andere Wege für besseres Wohnen suchen, weiß Stadtplaner Clemens Bumann: „Wir tun das eine und lassen das andere nicht.

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