Vorbereitungen für geregelteren Ablauf der Bullensee-Maitour

Rotenburg setzt auf Freiwilligkeit

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2 500 dieser „Kult-Armbänder“, wie sie Bürgermeister Andreas Weber nennt, hat die Stadt Rotenburg produzieren lassen. Sie sollen gegen eine freiwillige Spende von fünf Euro abgegeben werden – für Jugendprojekte und den Naturschutz.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Vernunft, Freiwilligkeit, Selbstverpflichtung: Auf diese drei Schlagwörter setzt die Stadt Rotenburg bei der Bullensee-Maitour in diesem Jahr. Knapp drei Monate nach der Ankündigung eines Alkoholverbots am Rotenburger Mühl-ende und gut drei Wochen vor dem XXL-Partymarsch ist sich die Ordnungsbehörde sicher, den richtigen Weg eingeschlagen haben. Bürgermeister Andreas Weber (SPD) am Donnerstag im Pressegespräch: „Ich habe die große Hoffnung, dass es nicht die letzte Maitour war.“

Es ist die letzte Chance für tausende Partywillige, die altbekannte Tour zu retten. Das haben Polizei, Stadt und Landkreis in den vergangenen Wochen immer wieder deutlich gemacht. Es gab Gespräche mit Initiativen, die sich vor allem über Facebook zur Rettung der Maitour gebildet hatten, es gab aber auch klare Ansagen – trotz massiver Kritik am Verhalten „der da oben“: Im Rotenburger Süden sind am 1. Mai in der Zeit zwischen 8 Uhr und Mitternacht das Mitführen und Trinken alkoholischer Getränke sowie das Mitführen von Glasflaschen und Trinkgläsern auf öffentlichen Wegen untersagt.

Mit einer „Allgemeinverfügung“ sind die lange diskutierten Vorgaben Ende Mai rechtlich festgezurrt worden. „Wir wollen zwei Dinge regeln: Scherben vermeiden und öffentliche Trinkgelage verhindern“, betonte Weber. Durch die frühzeitige Information seit Ende Januar habe man das Problem zurück in die Köpfe der jungen Menschen bekommen. Und die engagierten sich jetzt vorbildlich: Ein Kern von 50 Personen habe eine Kooperation fest zugesagt.

Die Freiwilligen sollen unter anderem als Wege-Scouts eingesetzt werden, bekommen dafür entsprechende T-Shirts von der Stadt. Alle 1 000 Meter würden Müll- und Pfandstationen aufgebaut, auch Mülltüten sollen verteilt werden. Zudem hat die Stadt 2 500 „Kult-Ambänder“ (Weber) produzieren lassen, die an einer Station hinter dem Floradies an der Knickchaussee gegen eine „freiwillige Spende“ von fünf Euro abgegeben werden – als Zeichen, sich für die Selbstverpflichtung zur Müll- und Lärmvermeidung einzusetzen. Wenigstens 1 000 hofft die Stadt, unters Partyvolk bringen zu können. Die Einnahmen daraus und aus den Pfandsammelstellen sollen zur Hälfte Jugendprojekten und dem Naturschutz zufließen, auch ein Grillabend für die Helfer steht in Aussicht.

Vor Ort am Bullensee, das war bereits Bestandteil der „Allgemeinverfügung“, sei der Uferbereich fürs Partyvolk tabu. Da das Bullensee-Areal im Landschaftsschutzgebiet liege, greifen laut den Behörden die Paragrafen der Landschaftsschutzgebietsverordnung. Ruhestörungen oder Vermüllung könnten im Extremfall sogar mit Geldbußen von bis zu 25 000 Euro geahndet werden. Auch wird es, anders als im Vorjahr, keine Getränke- oder Imbissbuden geben. „Der Landkreis will nicht einen zusätzlichen Magneten schaffen“, so Weber.

Da der Besuch des Bullensees und auch das Pavillongeländes natürlich nicht grundsätzlich verboten ist, überlegen die Betreiber des „Lottchens“, ob der dortige Kiosk vielleicht geöffnet hat. Sassa Weyandt, Vorsitzende des Vereins „Lotte am Bullensee“, ist jedenfalls anders als die Behörden angetan von ihrem ersten 1.-Mai-Erlebnis im vergangenen Jahr, als sie mit ihren Mitstreitern eine „Schnippelparty“ veranstaltet hatte, um dann vor Ort dem Partyvolk Suppe anzubieten. Eine ähnliche Idee schwebe dem Verein wieder vor, doch eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Gerade das „alternative Volk“ auf dem Pavillongelände, das dort gespielt und gepicknickt habe, habe sich sehr zivilisiert verhalten. Der Verein, der sich der Nachhaltigkeit und Müllvermeidung verschrieben habe, wolle „insbesondere an so einem Tag zeigen, dass es geht“. Ob allerdings alle mitziehen, könne auch sie nicht sagen.

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