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Es rumort wieder im Reitclub Rotenburg

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Von: Guido Menker

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Der Reitclub Rotenburg steht vor einer Zerreißprobe. Es knistert im Gebälk, es gibt einen Riss im Vorstand.
Der Reitclub Rotenburg steht vor einer Zerreißprobe. Es knistert im Gebälk, es gibt einen Riss im Vorstand. © Menker

Dicke Luft im Reitclub Rotenburg – und das, obwohl der neue, für drei Jahre gewählte Vorstand noch nicht einmal ein halbes Jahr im Amt ist. Bei der Jahreshauptversammlung am 11. März werde eine Neuwahl auf der Tagesordnung stehen; die Führungsriege in der jetzigen Konstellation habe keine Zukunft mehr. Das sagt der Vorsitzende Stefan Pahl.

Rotenburg - Stefan Pahl und die Schriftführerin Neele Osmers wollen auf keinen Fall mehr mit dem stellvertretenden Vorsitzenden Emile Stuijt, der Kassenwartin Karin Busch sowie der Sportwartin Imke de Boer vom Reitclub Rotenburg weiter zusammenarbeiten. Ein Riss geht also durch den Vorstand. Zwei Tage nach dem Gespräch des Vorsitzenden mit unserer Redaktion schmeißt dann Neele Osmers die Brocken hin, stellt ihr Amt mit sofortiger Wirkung zur Verfügung.

„In der jetzigen Form geht das nicht mehr“, betont Pahl. Angetreten war er im Oktober, um den Reitclub mit seinen 102 Mitgliedern wieder auf Vordermann und dann auf Kurs zu bringen. Doch nach nur wenigen Wochen geht es stattdessen vor allem um Anzeigen, Schuldzuweisungen, mangelndes Vertrauen. Eine Begründung für ihren Rücktritt liefert Neele Osmers übrigens nicht. „Das ist sehr ärgerlich“, sagt Pahl. Aber er könne es verstehen.

Pahl und Osmers bildeten bis Sonntag die eine Seite des Vorstandes, Stuijt, Busch und de Boer die andere. Jetzt steht Pahl alleine da. Und dann ist da auch noch die Pächterin Angelique Sieg. Sie hat einen dicken Hals und sagt auf Anfrage: „Mein Pachtvertrag läuft noch anderthalb Jahre. Dann bin ich raus.“ Sie werde sich neu orientieren. „Es müsste ein Wunder geschehen, dass sich an dieser Entscheidung etwas ändert.“

Der Vorsitzende indes unterstreicht, dass es sich aktuell um den dritten Vorstand handele, der „an der Pächterin zerbrochen ist“. Und er fügt hinzu: „Es gibt keinen Pachtvertrag.“ Grund: Am 3. April vergangenen Jahres habe Sieg eben diesen Vertrag „fristlos zum 30. September 2022“ gekündigt. „Formal nicht richtig“, betont der Vereinsvorsitzende. Zudem habe der alte Vorstand ihr am 1. August 2022 fristlos gekündigt. Der Vereinsanwalt habe am 14. Oktober diese Kündigung bestätigt. „Damit ist das Pachtverhältnis gekündigt.“ Sieg sieht das anders, bezieht sich auf ihren Anwalt. Bis heute zahlt sie ihre Pacht und ist vor Ort. Aber nach dem jetzigen Stand der Dinge nur noch auf absehbare Zeit. Denn auf im Raum stehende Forderungen will sie nicht eingehen. Es gehe um das Hausrecht. „Ich habe hier das volle wirtschaftliche Risiko, und deshalb lasse ich mich nicht wie eine Wirtschafterin behandeln.“

Dicke Luft im Reitclub also. Auch, weil es zu einer Reihe von Koliken bei auf der Reitanlage an der Visselhöveder Straße untergestellten Pferden gekommen sein soll. Sieg spricht von einer Sandkolik. Die Weiden seien in einem „katastrophalen Zustand“, sagt sie. Es fehle die Substanz. „Die Tiere haben viel Sand aufgenommen nach der Trockenheit im vergangenen Jahr.“ Das sei auch an anderen Orten in der Region so gewesen. „Es ist lächerlich, das auf mich zu schieben.“ Das Pferd der Familie Pahl ist inzwischen woanders untergebracht. Auch Neele Osmers soll das Pensionsangebot auf der Anlage nicht mehr nutzen, heißt es.

„Man sieht, der Spalt im Vorstand wird breiter.“ Das stellt der stellvertretende Vorsitzende Emile Stuijt fest. „Hätten wir es nur mit Pferden zu tun, wäre es einfacher.“ Es gehe um unterschiedliche Sichtweisen und um einen Vorsitzenden, der die Mehrheit im Vorstand nicht vertrete. Die Kommunikation zwischen Stuijt und der Pächterin laufe freundlich und kooperativ.

Doch die Sichtweisen sind unterschiedlich, wenn es um die Frage geht, wie Verein und Pachtbetrieb weiterlaufen sollen. Pahl stellt die Möglichkeit in den Raum, konzeptionell den Pensionsbetrieb und die Reitschule voneinander zu trennen. Stuijt indes sagt dazu: „Stefan Pahl spricht von einem Risiko, aber wenn wir das splitten, bleibt dieses Risiko gleich.“

Anzeigen und Kommunikationsprobleme

Was ist da nur schiefgelaufen in den vergangenen drei Monaten? „Es geht vielleicht um die Erwartungen.“ Der Anfang des neuen Vorstands sei gut gewesen, Stefan Pahl habe sich voll reingekniet. „Das könnte was werden“, habe Stuijt gedacht. Dann aber sei man abgedriftet. Festmachen ließe sich das an einem Turnier im November. An der Organisation und der Durchführung seien viele freiwillige Helfer beteiligt gewesen. „Diese Freiwilligen sind das Kapital des Vereins“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende. „Klar, keiner ist perfekt, aber wenn es um Fehler geht oder Dinge, die vielleicht nicht so gut gelaufen sind, muss man die Helfer nicht an den Pranger stellen.“ Dazu sei es aber gekommen. Angelique Sieg: „Ja, mit dem Turnier ist alles gekippt. Alle haben was auf den Sack bekommen.“ Das Turnier sei bei allen gut angekommen. „Es lief“, so Sieg. Doch nach der Standpauke des Vorsitzenden ohne Dank und Anerkennung frage sie sich vor allem eines: „Was läuft hier in die falsche Richtung?“

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Sieg selbst hat gerade eine Anzeige vom Vorsitzenden kassiert, weil sie im Auftrag des Vereins einen Auftrag erteilt habe, nachdem die Wasserzufuhr der Tränken eingefroren war. Stuijt bestätigt, er habe grünes Licht gegeben. Eine Anzeige gab’s auch für die Kassenwartin: Sie, so Pahl, habe schließlich die Rechnung bezahlt.

Der Vorsitzende stellt fest, dass Sieg mit ihm nur noch über einen Anwalt kommuniziere. Es fehle die Kooperationsbereitschaft, und einen neuen Vertrag inklusive Konzept wolle sie nicht. Pahl: „Dabei hält sie sich noch nicht einmal an den alten Vertrag.“

Es ist eine Situation, die auch im Vereinsforum für viele Beiträge sorgt. Zudem gehen Briefe hin und her. Einer, der der Redaktion vorliegt, trägt die Überschrift „Es ist zum Weinen“. Pahl spricht derweil von Verleumdungen und hat noch eine Anzeige erstattet – gerichtet gegen den Mann der Kassenwartin. Zudem will der Vorsitzende noch prüfen, ob die aus seiner Sicht gehäufte Zahl an Koliken meldepflichtig ist. Es rumort also weiter im Reitclub Rotenburg.

Untreue-Verdacht: Ermittlungen dauern an

Die aktuelle Entwicklung im Reitclub Rotenburg, geprägt von Anzeigen, zerstörtem Vertrauen und Schuldzuweisungen innerhalb des neuen Vorstands und zum Teil auch in der Kooperation mit der Pächterin Angelique Sieg, sind nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite laufen immer noch die Untreue-Ermittlungen gegen den ehemaligen Kassenwart. Mehr als 70 000 Euro aus dem Vereinsvermögen sind verschwunden. „In dem Zusammenhang ist die Akte hier eingegangen, die Ermittlungen sind jedoch noch nicht abgeschlossen und dauern an“, sagt Martin Schanz als Sprecher der Staatsanwaltschaft in Verden. Es werde wegen des Verdachts der Untreue ermittelt, wobei es sich um Gelder des Reitclubs handeln soll, die der ehemalige Amtsträger für private Zwecke entnommen haben soll. Der Verdacht habe sich neben einer Anzeige im Auftrag des Vereinsvorstandes „aus einer Selbstanzeige des Genannten“ ergeben. Ein Anfangsverdacht gegen andere Personen habe sich im Laufe der bisherigen Ermittlungen nicht ergeben. Ob und wann es zur Anklage kommt, sei offen, erklärt der Staatsanwalt auf Anfrage. men

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