Zurück zum Tierheim

Rotenburg schließt als erste Kommune wieder Vertrag für Fundtiere ab

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Silke Wingen und ihr Team vom Tierschutzverein für den Landkreis Rotenburg sind bereit, wieder Fundtiere aufzunehmen. 

Mulmshorn - Von Michael Krüger. Die Stadt Rotenburg wird ihre Fundtiere wieder ins Tierheim nach Mulmshorn bringen. Das hat Bürgermeister Andreas Weber (SPD) angekündigt. Rotenburg ist damit die erste Kommune im Altkreis, die mit den neuen Betreibern um die Tierschutzvereinsvorsitzende Silke Wingen wieder einen Vertrag abschließt. Wingen zeigte sich am Dienstag erleichtert: „Es ist ein Einstieg.“ Ohne die Aufnahme von Fundtieren steht der Tierschutzverein und damit das Tierheim vor dem finanziellen Aus.

Am Dienstag am späten Nachmittag wurden im Rathaus Details des neuen Vertrages festgezurrt. Der sieht im Kern das vor, was bis Mai 2017 galt: Vor allem Katzen und Hunde, die im Stadtgebiet gefunden werden, finden ein vorübergehendes Zuhause im Mulmshorner Tierheim. Die Betreiber erhalten dafür eine entsprechende Entschädigung. Pro Quartal 4. 500 Euro, so der Plan der Stadt Rotenburg fürs kommende Jahr, erhält der Tierschutzverein.

Dieser hatte selbst vor eineinhalb Jahren einen Aufnahmestopp für die Fundtiere verhängt. Die damalige Vorsitzende Regina Buchhop hatte dies mit zu niedrigen Beiträgen der Kommunen begründet und auf die desaströse finanzielle Lage des Vereins verwiesen. Die Kommunen wiederum bemängelten die Buchführung des Vereins, es kam zum Zerwürfnis. Fortan kamen die Fundtiere aus dem Südkreis über die Zweigstelle in Posthausen ins Tierheim „Arche Noah“ in Brinkum (Kreis Diepholz). Im Mai legte Buchhop schließlich ihr Amt nach fast 40 Jahren nieder, Silke Wingen ließ sich zur Vorsitzenden wählen. Seit Angang November ist der Vorstand wieder komplett, und mit den Versäumnissen der Vergangenheit – auch finanzieller Art – wird aufgeräumt. Was weiter bleibt, ist die kritische Lage in der Vereinskasse.

Dass sich die Vereinbarung über die Fundtiere im vergangenen Jahr zerschlagen hat, wird heute allerdings nicht kritisiert. Die Gründe seien ebenso vielschichtig gewesen wie nachvollziehbar: das fehlende Finanzmanagement und die Unordnung auf dem Gelände an vorderster Stelle. Buchhop sei unbestritten eine Tierfreundin, aber der Betrieb des Tierheims sei ihr „über den Kopf gewachsen“, deutet der Vorstand an. Die Gebäude seien heruntergekommen gewesen, das Außengelände in schlechtem Zustand, in den Futtercontainern habe es eine „Rattenplage“ gegeben. Nicht einmal die Toilette im Bad sei richtig angeschlossen gewesen. Die meisten Wände des immer wieder erweiterten Gebäudes aus den 60er-Jahren nass und schimmelig. Mit viel Eigenleistung, zahlreichen Helfern und Sponsoren bei geringem finanziellen Aufwand habe man das Tierheim wieder hergerichtet. Das lobt auch Rotenburgs Bürgermeister Weber: „Das hat jetzt eine ganz andere Qualität.“ Er bescheinigt eine „sehr positive Entwicklung“. Dass „uns damals die Tür zugeschlagen wurde“, spiele jetzt mit dem neuen Team und der Neuausrichtung keine Rolle mehr. Die Stadt habe Vertrauen, dass die Arbeit dort gut gemacht und sich gut um die Fundtiere gekümmert werde. Rotenburg leiste eine „Anschubfinanzierung“ für das Tierheim.

Doch auch Wingen weiß, dass allein der Rotenburger Beitrag nicht ausreichen wird. Für den Betrieb des Tierheims seien nur noch Mittel für „wenige Monate“ vorhanden, hatte sie Anfang November gesagt. Deswegen wolle man sich jetzt mit Patenschaftsprogrammen und neue Kooperationen bemühen, der „Gabentisch für Tiere“ stehe an und es sollen Gespräche geführt werden mit weiteren Bürgermeistern, um wieder großflächig für Fundtiere zuständig zu sein.

Ob das klappt, ist noch fraglich. Denn aus den Rathäusern in Sottrum, Scheeßel und Visselhövede hieß es am Dienstag, dass man sehr zufrieden sei mit der aktuellen Situation. Auch gebe es keine Notwendigkeit, innerhalb der Südkreis-Kommunen einen einheitlichen Weg zu gehen. Das sei zuletzt nur „aus der Not geboren“, so der Allgemeine Vertreter des Sottrumer Samtgemeindebürgermeisters, Jürgen Schlusnus. Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel lobt zudem die Fachkompetenz der „Arche“: „Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, dass gleich eine tierärztliche Versorgung stattfindet.“ Offen für Gespräche sei man aber allemal, heißt es – vor allem auch für gute Argumente.

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