Es geht um Erfahrungen

Iranerin hospitiert am Rotenburger Ratsgymnasium

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Samira Eslampour (M.) freut sich, am Rotenburger Ratsgymnasium zu hospitieren. Bei Schulleiterin Iris Rehder (l.) ist sie für drei Wochen untergebracht, und Susanne Rohde kümmert sich für sie um ein abwechslungsreiches Programm.

Rotenburg - Von Guido Menker. Es ist eine Premiere für das Rotenburger Ratsgymnasium: Zum ersten Mal hat die Schule an der Gerberstraße über den Pädagogischen Austauschdienst (PAD) eine Hospitantin zu Gast. Samira Eslampour aus dem Iran ist für drei Wochen zu Gast und will in dieser Zeit erfahren, wie eine deutsche Schule und auch die Ausbildung der Lehrer funktionieren.

Der PAD ist als einzige staatliche Einrichtung in Deutschland im Auftrag der Länder für den internationalen Austausch und die internationale Zusammenarbeit im Schulbereich tätig, heißt es. Der PAD bilde eine Abteilung im Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland und betreue seit 1952 im Auftrag der Kultusministerien europäische und internationale Maßnahmen für den Schulbereich. Seit 1995 sei der PAD auch Nationale Agentur für EU-Programme im Schulbereich. Samira Eslampour hat sich für das Austauschprogramm beworben und den Zuschlag erhalten. „Wir haben eine entsprechende Anfrage erhalten und sofort – ohne Einschränkung – zugesagt, denn wir sind sehr neugierig auf neue Erfahrungen“, berichtet Iris Rehder, die Leiterin des Rotenburger Ratsgymnasiums.

Am vergangenen Freitag dann ist die junge Iranerin auf dem Flughafen in Hamburg gelandet und seitdem bei Iris Rehder untergebracht. Ihre Kollegin Susanne Rohde, im Ratsgymnasium Koordinatorin der Auslandskontakte sowie Betreuerin der Gäste, hatte sie am Flughafen in Empfang genommen. Die 26-Jährige ist also erst wenige Tage in Deutschland, aber ihre ersten Eindrücke sind bestens: „Rotenburg ist einfach schön“, sagt sie. Allerdings ist ihr in dieser kurzen Zeit auch klar geworden, „dass das Schulsystem kompliziert ist.“ Aber ihr ist auch die gute und moderne Ausstattung aufgefallen. Aus dem Iran kenne sie es nicht, dass die Schüler eine W-Lan-Anbindung in der Schule nutzen können, es in vielen Klassenräumen White Boards und Beamer gibt.

Kurze Schonzeit zum Auftakt

Die ersten Tage in Rotenburg dienen der Eingewöhnung, aber die junge Frau aus Teheran darf sich sicher sein, dass die Schüler gerne die Chance nutzen und ihr viele Fragen stellen werden. „Ich werde sie viel im Schlepptau haben“, sagt Iris Rehder schmunzelnd. Und darüber hinaus kümmert sich Susanne Rohde um weitere Programmpunkte für Samira Eslampour. An einem Tag wird sie eine Rotenburger Grundschule besuchen, und auch eine Stippvisite in den Berufsbildenden Schulen ist geplant.

Die Iranerin arbeitet an mehreren Tagen in der Woche in einem Fremdsprachen-Institut in Teheran als Deutschlehrerin. Zuvor hat sie Übesetzungswissenschaft studiert. Damit ist ihre Karriereplanung jedoch bei weitem nicht abgeschlossen: „Ich möchte gerne in Deutschland Deutsch als Fremdsprache studieren“, erklärt sie. Mit 19 hatte sie als Studentin begonnen, Deutsch zu lernen – inzwischen spricht sie es nahezu fließend. Sie möchte künftig mehr unterrichten, deshalb sei es ihr auch so wichtig, hier in Deutschland entsprechende Erfahrungen zu sammeln. Das beruht allerdings auf Gegenseitigkeit. Iris Rehder und Susanne Rohde wissen es zu schätzen, einen internationalen Austausch zu pflegen, denn dabei kommen zu vielen Themen unterschiedliche Sichtweisen zur Sprache. 

„Ich bin sehr gut aufgenommen worden an der Schule“, berichtet der Gast aus dem Iran. Aber ihr Besuch beschränkt sich nicht allein auf die Schule. Vorgesehen seien Ausflüge nach Hamburg, Bremen und Amsterdam sowie an die Nordsee. Auch Berlin wird sie einmal ansteuern – dort war sie bereits im vergangenen Jahr. Wie ernst sie es meint mit ihren Kontakten nach Deutschland, zeigt sich auch in ihrer freien Mitarbeit für den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). In dessen Auftrag berät und informiert die junge Frau in ihrer Heimat Studenten, die sich Hoffnung auf ein Stipendium machen. Da drängt es sich förmlich auf, an einem Programm teilzunehmen, wie es der PAD anbietet. Und so bietet sich ihr auch die Gelegenheit, einmal in aller Ruhe mit dem Fahrrad durch die Stadt zu fahren. Im Iran ist das den Frauen nämlich verboten.

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