Aktion Stadtradeln beginnt am Sonntag mit einer Tour nach Borchel

Rotenburg radelt wieder

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Rotenburg steigt wieder aufs Rad. Am Sonntag beginnt die zweite Auflage des Stadtradelns, und jeder Bürger ist dazu aufgerufen, die Kilometer, die er in die Pedalen tritt, als Zeichen des Klimaschutzes zu melden.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Nach zwei Wochen musste Bürgermeister Andreas Weber passen. Jochen Homann, der Präsident der Bundesnetzagentur, stoppte die Fahrt des radelnden Stadtoberhaupts im September 2015. Wichtiger Termin in Soltau, Thema „SuedLink“, zu weit als Dienstfahrt auf zwei Rädern, der SPD-Politiker stieg wieder ins Auto. Nun wagt Weber einen zweiten Anlauf als „Stadtradel“-Star, um drei Wochen lang komplett aufs Auto zu verzichten. Alle Rotenburger sollen ihm folgen, wenn auch unter längst nicht so strengen Regeln.

Nach der recht spontanen Teilnahme im vergangenen Jahr beginnt am Sonntag das zweite Stadtradeln in der Kreisstadt. Wieder geht es darum, binnen 21 Tagen möglichst viele Kilometer in die Pedale zu treten, wieder gilt es für alle Teilnehmer, möglichst oft das Auto stehen zu lassen. „Es ist ein Spiel, allerdings vor dem ernsten und wichtigen Hintergrund des Klimawandels“, sagt Andrea Rieß vom Rotenburger Umweltschutzbüro im Rathaus, in deren Händen die Fäden der Organisation zusammenlaufen.

Am 5. September wurde zum Auftakt des ersten Stadtradelns in Rotenburg erstmal geschoben. Bei Regen ging es anschließend mit rund 70 Teilnehmern nach Waffensen – ganz vorn dabei Bürgermeister Andreas Weber (r.) und der jetzige ADFC-Vorsitzende Manfred Petersen.

Das Stadtradeln ist eine seit 2008 stattfindende und nach Nürnberger Vorbild weiterentwickelte Kampagne des Klimabündnisses, dem größten kommunalen Netzwerk zum Schutz des Weltklimas. Rotenburg ist seit 2013 dabei. „Als fahrradfreundliche Kommune und Mitglied im Bündnis ist es für die Stadt Rotenburg von großem Interesse, dass möglichst viele Menschen daran teilnehmen“, so Bürgermeister Weber. Zur Premiere im September hat das „überraschend gut“ geklappt, sagt Rieß. Relativ spontan habe man sich erst nach den Sommerferien dazu entschieden, teilzunehmen. Innerhalb von drei Wochen sei alles vorbereitet worden. Die Resonanz auf die Aktion gab der Stadt Recht: 45 Teams mit 456 Aktiven gingen letztlich an den Start und erradelten 99 348 Kilometer. Im Schnitt waren das 218 Kilometer pro Teilnehmer und auf die Größe der Kreisstadt bezogen 4,7 Kilometer pro Einwohner. Mit dieser Statistik landete Rotenburg auf Platz zwei der fahrradaktivsten Kommunen in Niedersachsen, auf Platz 40 bundesweit. Die höchste Kilometerleistung erradelte Hans Bultmann als damaliger Vorsitzender des ADFC: 12 489 Kilometer.

Doch trotz der mitunter beeindruckenden Zahlen: Es ist kein Wettbewerb. „Jeder Kilometer zählt“, sagt Rieß. Egal ob online eingeben, per App oder ganz klassisch auf den Erfassungsbögen per Hand notiert: Jung wie Alt seien dazu eingeladen, zu zeigen, wie viel CO2 eine Kommune binnen drei Wochen einsparen kann. 2015 waren es in Rotenburg rund 14 Tonnen im Vergleich zur gleichen Wegstrecke per Auto.

Das Ziel der Premiere war es zunächst, einmal um den Äquator zu radeln, am Ende hat Rotenburg es zwei Mal geschafft. „Dieses Jahr wollen wir 500 Teilnehmer und 100 000 Kilometer“, so Rieß zum sportlichen Ansatz der Verwaltung. Die bisherige Resonanz lässt hoffen, bis gestern Abend hatten sich 294 Teilnehmer in 31 Teams angemeldet. Politisch könnten allerdings insbesondere in Zeiten des beginnenden Wahlkampfes mehr Zeichen gesetzt werden bei der Aktion, die einst auch gezielt als Wettbewerb von Bürgern und Politik verstanden wurde: Am Mittwochabend lagen gerade einmal fünf Anmeldungen von Mitgliedern der Rotenburger Stadt- und Ortsräte vor. Rieß: „Da müsste eigentlich noch mehr gehen.“

Gefahren wird dann drei Wochen lang – beginnend am Sonntag mit der Auftakttour nach Borchel . Zum Abschluss ist eine Sternfahrt mit verschiedenen Touren geplant. Unter allen Teilnehmern werden wie bei der Premiere zahlreiche Sach- und Geldpreise verlost, die besten Radler ausgezeichnet. Schon jetzt sind zum Beispiel mehr als 1 500 Euro in Form von Rotenburger Zehnern ausgelobt. Koordinatorin Rieß hofft aber darauf, dass sich noch mehr Sponsoren melden, um ein wenig mehr Anreiz zu Teilnahme zu schaffen. Am 18. August sollen die Preise im Rathaus verliehen werden.

Ob der Bürgermeister sich dann auch als Stadtradel-Star feiern lassen kann? „Ich hoffe es“, sagt Weber. Aber im Zweifel müsse er bei wichtigen Terminen eben doch ins Auto steigen. „Da genießen die Belange der Stadt Priorität vor der Aktion.“

Spielregeln des Stadradelns

• Anmelden können sich Teilnehmer jederzeit auch noch während der Aktion bis zum Ende am 18. Juni. Ansprechpartnerin ist Andrea Rieß vom Umweltschutzbüro unter 04261 / 71104 oder per E-Mail unter andrea.riess@rotenburg-wuemme.de

• Teilnehmen darf jeder, der in Rotenburg wohnt, arbeitet, zur Schule geht oder Mitglied eines Vereins ist. Der Wohnort ist egal. Auch wo geradelt wird, ist zweitranging – ob in Rotenburg, in der Nachbarkommune oder im Urlaub. „Klimaschutz kennt keine Grenzen“, sagt Rieß.

• Die Kilometer können online eingegeben werden, per kostenloser App oder über die einfach gestalten Erfassungsbögen, die im Info-Büro der Stadt oder im Rathaus erhältlich sind und wieder abgegeben werden können.

• Es muss auch gar nicht Fahrrad gefahren werden. Auch Rollstuhlfahrer können ihre Wege abrechnen, Pedelecs und E-Bikes sind ebenfalls erlaubt.

• Zum Auftakt geht es am Sonntag ab 10 Uhr vom Pferdemarkt aus über eine rund zehn Kilometer lange Strecke nach Borchel ins Mehrzweckhaus. Dort gibt es ab ungefähr 12 Uhr einen kostenlosen Imbiss. Anmeldungen nimmt Andrea Rieß entgegen. Auch Radler, die nicht in Rotenburg starten, sind willkommen.

• Zum Abschluss am Sonnabend, 18. Juni, ist eine Sternfahrt mit dem Bürgermeister und dem ADFC von und nach Rotenburg geplant – mit Strecken zwischen zehn und 40 Kilometern. Im Rathaus wird die Aktion dann feierlich bei Kaffee und Kuchen beschlossen.

• Über das Onlineformular auf der Stadtradeln-Homepage „RADar!“können auch Schwachstellen und Probleme im Rotenburger Radwegenetz gemeldet werden. Im vergangenen Jahr war die Resonanz diesbezüglich aber noch überschaubar: drei Meldungen gingen ein, alle Probleme seien beseitigt worden, heißt es aus dem Rathaus.

• Neben Bürgermeister Andreas Weber wird der ADFC-Kreisvorsitzende Manfred Petersen als Stadtradel-Star unterwegs sein. Diese beiden müssen, wollen sie ihrem Status gerecht werden, tatsächlich die kompletten drei Wochen aufs Auto verzichten. Alle anderen Teilnehmer sollten sich zwar möglichst in den Sattel schwingen, sind aber natürlich nicht dazu gezwungen.

• Auch die Mitgliedschaft in einem Team ist nur optional. Alle Einzelteilnehmer landen in der offenen Gruppe. Und natürlich müssen Teammitglieder auch nicht immer zusammen radeln.

• Die Mediengruppe Kreiszeitung wird ebenfalls wieder mit einem Team vertreten sein. Das Ergebnis 2015 war überschaubar, es darf gesagt werden: Es ist noch Luft nach oben für das „Team Pressehaus 2016“ – das allerdings auch noch etwas wachsen könnte.  mk

Alle Infos zur Aktion auch unter www.stadtradeln.de

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